Biopiraterie und die Rolle der Schweiz

Vom Essen auf unseren Tellern bis zu lebensnotwendigen Medikamenten - genetische Ressourcen sind enorm wichtig für uns. Viele Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen, die unser Überleben und unser Wohlergehen sichern, stammen aus den Ländern des Südens, die über eine grosse Biodiversität verfügen. In ihrem Streben nach Profit plündern die Grosskonzerne der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie diese Ressourcen, ohne die Ursprungsländer und deren Bevölkerung am Gewinn zu beteiligen. Doch es sind indigene Gemeinschaften, die dieses Erbe seit Jahrtausenden entwickelt und geschützt haben.

Rund 1000 Milliarden Schweizer Franken werden jährlich mit Produkten umgesetzt, die auf biologischen Ressourcen basieren (insbesondere Medikamente und landwirtschaftliche Produkte, aber auch Kosmetika). Allzu oft geschieht dies ohne jegliche Gegenleistung an die Ursprungsländer und die Bevölkerungen, die diese Ressourcen über Jahrtausende hinweg nachhaltig genutzt und ihre Vielfalt bewahrt haben.

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken wurden von den Vereinten Nationen zwei internationale Übereinkommen verabschiedet: der internationale Saatgut-Vertrag und die Biodiversitätskonvention. Die Biodiversitätskonvention von 1992 erkennt die Souveränität der Staaten über ihre genetischen Ressourcen an. Sie sieht vor, dass die Ursprungsstaaten und indigene Gemeinschaften ihre vorherige Einverständniserklärung (prior informed consent) für den Zugang zu ihren Ressourcen und ihrem Wissen geben. Ebenso haben sie ein  Recht auf einen gerechten und ausgewogenen Vorteilsausgleich aus dem Nutzen, der aus der Verwendung dieser Ressourcen entsteht. Nur werden  diese Prinzipien leider beinahe systematisch umgangen, was als Biopiraterie bezeichnet wird - ein heute weit verbreitetes Phänomen.