Investigation Award

Investigation Award

Die Aufdeckung verborgener Fakten kann die Welt verändern: Aus dieser Überzeugung hat Public Eye anlässlich ihres 50-Jahre-Jubiläums den "Investigation Award" geschaffen. Dieser Preis soll die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten und NGOs unterstützen, die das Treiben von Schweizer Unternehmen in benachteiligten Ländern und dessen Folgen untersuchen – sei es im Hinblick auf Menschenrechtsverletzungen, illegale Finanzströme oder Umweltschäden.

Weitere Informationen

  • Ein neuartiger Preis

    2018 feierten wir unser 50-Jahre-Jubiläum: Ein halbes Jahrhundert Geschichte(n), in deren Verlauf die Erklärung von Bern zuletzt zu Public Eye geworden ist. Aus diesem Anlass haben wir den "Investigation Award" geschaffen, um journalistische Rechercheprojekte zu den Machenschaften von Schweizer Konzernen in Ländern des globalen Südens ermöglicht.

    Die Ausschreibung im Herbst 2017 war ein grosser Erfolg: In zwei Monaten erhielten wir 55 Bewerbungen aus 22 Ländern, darunter Sambia, Mexiko, Indien und Belgien. Alle Projekte hatten zum Ziel, verantwortungsloses Konzernhandeln aufzudecken, um Debatten und nötige Veränderungen anzustossen. Solche Recherchen erfordern neben Beharrlichkeit aber auch zeitliche und finanzielle Ressourcen, die viele Journalistinnen und Journalisten nicht mehr haben. Deshalb wollte Public Eye die Bedeutung eines unerschrockenen, gründlichen und professionellen Journalismus hervorheben, unabhängig davon, ob dieser nun von Reportern klassischer Medien, freien Journalistinnen oder journalistisch arbeitenden NGOs geleistet wird. 

    Um aus diesen 55 Projekten die vielversprechendsten auszusuchen, setzten wir eine aus Mitarbeitenden von Public Eye und renommierten Journalistinnen und Journalisten bestehende Jury ein. Diese wählte schliesslich die beiden Gewinnerprojekte der ersten Ausgabe des Investigation Award aus.

  • Eine renommierte Jury

    Zur Ermittlung der Gewinnerprojekte  des Investigation Award setzten wir eine Jury ein, die aus Mitarbeitenden von Public Eye sowie renommierten Investigativ-Profis bestand, die ungeachtet der aktuellen Medienkrise weiter starke und kluge Recherchen betreiben.

    • Anya Schiffrin ist Direktorin der Abteilung "Technologie, Medien und Kommunikation" an der "School of International and Public Affairs" der Columbia University in New York, und Herausgeberin diverser Journalismus-Fachbücher, darunter „Global Muckraking“. Zuvor arbeitete sie unter anderem als Korrespondentin der Nachrichtenagentur Reuters in Spanien und war Bürochefin vom Wall Street Journal in Holland und Vietnam. Schiffrin ist zudem Beraterin der Open Society Foundation von George Soros und des auf Rohstoffpolitik spezialisierten Natural Resource Governance Institute.

    • Oliver Zihlmann ist Co-Leiter des nationalen Recherche-Desk von Tamedia (u.a. Tages-Anzeiger, SonntagsZeitung, Le Matin Dimanche, Tribune de Genève). Der promovierte Historiker ist Mitglied des International Consortium of Investigative Journalism (ICIJ) und leitete die Schweizer Projektteams zu Swissleaks, Panama Papers und zuletzt Paradise Papers. Zuvor arbeitete er beim Schweizer Fernsehen, als Korrespondent in Berlin und schrieb das politische Sachbuch „Der Fall Borer“.
    • Der Australier Will Fitzgibbon arbeitet seit 2014 als „senior reporter“ für das ICIJ. Er koordiniert dort als Leiter des „Africa Desks“ die Zusammenarbeit mit ICIJ-Partnern aus Afrika und dem Nahen Osten. Vorher arbeitete er in London für das „Bureau of Investigative Journalism“, seine Arbeiten erschienen unter anderem im Guardian und im Observer. Nach einem Bachelor in Recht in Australien hat er an der „London School of Economics“ ein Masterstudium absolviert.
    • Géraldine Viret ist seit 2009 Medienverantwortliche für die Romandie bei Public Eye. Nach dem Lizentiat mit Spezialisierung in vergleichender Literaturwissenschaft absolvierte sie eine Ausbildung in Unternehmenskommunikation. Neben dem Public Eye Magazin schreibt Géraldine Viret auch regelmässig für die Zeitschrift der Stiftung trigon-film, die sich für die Förderung von Filmen aus Entwicklungs- und Schwellenländern einsetzt.
    • Seit gut fünf Jahren unterstützt Marc Guéniat das Team von Public Eye bei der Recherche. Sein bisher grösstes Projekt war die Recherche zu Dirty Diesel, einer der bislang erfolgreichsten Kampagnen von Public Eye. Er hat mehrere langjährige Projekte rund um afrikanisches Rohöl durchgeführt, darunter "Gunvor im Kongo", das im September 2017 veröffentlicht wurde. Vorher arbeitete er als Journalist bei der Tribune de Genève und schrieb regelmässig auch für die Zeitungen le Monde, la Libération, le Courrier, usw. Er hat einen Abschluss in Wirtschaftsgeschichte.
    • Der Mediensprecher Oliver Classen ist seit über zehn Jahren Teil des Public Eye Teams. Er ist Co-Autor des Rohstoff-Buchs und koordinierte mehrere Jahre die Public Eye Awards (2000-2015), unsere Gegenveranstaltung zum WEF in Davos. Zuvor arbeitete er als Journalist für verschiedene Zeitungen, darunter die Handelszeitung und der Tagesanzeiger.
  • Zwei Projekte, finanziert von der Crowd

    © Shiho Fukada / Panos Pictures

    Aus den 55 Projekten aus 22 Ländern wählte unsere renommierte Jury zwei aus, die Licht in die dunklen Geschäfte von Schweizer Firmen in Ländern des globalen Südens werfen. Marie Maurisse untersuchte die Geheimrezepte Schweizer Tabakmultis, während Gie Goris und Nicola Mulinaris der Rolle von Schweizer Reedereien beim Abwracken von Schiffen in Südasien auf den Grund gingen.

    Um die beiden Vorhaben zu finanzieren, machten wir uns auf die Suche nach grosszügigen Spendern. Damit setzte Public Eye zum ersten Mal auf Crowdfunding.

    Die Zeit war knapp. Nach der Dossier-Auswahl durch die Jury hatten wir nur wenige Wochen Zeit bis zum Start unserer Kampagne  "Licht in dunkle Geschäfte" auf der Plattform "we make it". Die Gewinnerin und die beiden Gewinner präsentierten ihre Projekte in einem Video, das mit der Unterstützung des Filmprofis Emanuel Büchler produziert wurde. 

    In nur fünf Wochen halfen uns 325 Spenderinnen und Spender, über 30'000 Franken zu sammeln. Dank ihnen konnten die Preisträgerin und die beiden Preisträger ihre Projekte realisieren. Die Resultate der beiden Recherchen wurden im Januar online und in einer Spezialausgabe des Public Eye Magazin veröffentlicht. 

  • "Giftige Zigaretten für Afrika"

    © Louis Witter / Hans Lucas

    Heisse Luft und Schwarzer Rauch

    Sind Zigaretten, die Schweizer Tabakkonzerne in Afrika verkaufen, schädlicher als Zigaretten für den europäischen Markt? Diese Frage steht im Zentrum des ersten Gewinnerprojekts des Investigation Award, das von Marie Maurisse, freie Journalistin und Mitgründerin der Agentur Vesper in Lausanne, durchgeführt wurde. Dafür recherchierte sie in Europa und in Marokko zu den Praktiken einer Industrie, die seit Jahrzenten alles daran setzt, Bestrebungen zur Eindämmung des Tabakkonsums entgegenzuwirken.

    Die Resultate dieser Untersuchung wurden im Public Eye Magazin vom Januar 2019 publiziert. Sie können die Spezialausgabe gratis  bestellen.

  • "Die Hölle auf dem Schiffsfriedhof"

    © Pradee Shukla

    Wo Schiffe sich zum Sterben verstecken

    Für das zweite Gewinnerprojekt planten Gie Goris vom flämischen MO* magazine und Nicola Mulinaris von der NGO Shipbreaking Platform gemeinsam eine Reportage über die Schiffsabwrackung an den Stränden Indiens, Bangladeschs und Pakistans. Dort verschrotten auch diskrete Schweizer Reedereien ihre ausrangierten Frachtschiffe. Die beiden Journalsiten wollten vor allem den Opfern dieses "giftigen Kolonialismus" mit seinen erschreckenden sozialen und ökologischen Folgen eine Stimme geben. 

    Die Resultate dieser Untersuchung wurden im Public Eye Magazin vom Januar 2019 publiziert. Sie können die Spezialausgabe gratis  bestellen.

Globale Gerechtigkeit beginnt bei uns

Der Public Eye Investigation Award nimmt die Gegenwart ins Visier, spiegelt aber auch eine lange Tradition unserer Organisation wider: Unsere Kampagnen- und Lobbyarbeit stützte sich schon immer auf das oft schwierige Dokumentieren illegitimer oder illegaler Machenschaften, um ein Problembewusstsein zu schaffen und Handlungsbedarf deutlich zu machen. 

Entdecken Sie unsere Höhepunkte aus 50 Jahren Engagement für globale Gerechtigkeit.

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