Rohstoffhändler als Klima-Leader oder Klima-Dealer?

Rechtzeitig zum Klima-WEF mit seinen Elektrolimousinen und Jute-Taschen («Jute statt Plastik», wer hat’s erfunden?) hat sich Trafigura zu Wort gemeldet. Die drittgrösste Rohstoffhandelsfirma, die auch das drittgrösste Unternehmen der Schweiz ist, will Branchenführerin im Kampf gegen den Klimawandel werden.

In seinem «Responsibility»-Bericht zeigt sich der Genfer Händler erfreut «über die verbesserte Genauigkeit der Messung aller Emissionen, für die wir verantwortlich sind.» Insgesamt nahmen diese 2019 demnach um satte 26% auf 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zu. 89% von Trafiguras CO2-Ausstoss stammt aus den Schornsteinen der Schiffe, in denen die gehandelten Rohstoffe über die Weltmeere geschippert werden. 

© Pilar Olivares/Reuters

Es ist erfreulich, dass eine Firma aus dem verschwiegenen Rohstoffsektor Transparenz herstellt. Und dabei erst noch die wenig erbauliche Zunahme seiner Emissionen um mehr als ein Viertel eingesteht. Aber halt: Schauen wir doch mal, was in den besagten Schiffen so alles drin ist. Dabei hilft der aktuelle Jahresbericht. Demnach betrug der Gesamtumsatz letztes Jahr 171,5 Milliarden Dollar. 65% davon stammen aus dem Handel mit Rohöl- und Erdölprodukten, der 292 Millionen Tonnen umfasste. Grob über den Daumen gepeilt produziert diese Riesenmenge Erdöl beim Verbrauch etwa 876 Millionen Tonnen CO2, also mehr als 100 Mal mehr als jene Emissionen, für die Trafigura neuerdings offiziell die Verantwortung übernimmt.

© Carl de Keyzer / Magnum

Wie ein Dealer im Kampf gegen Drogensucht

Na gut, sagt sich Trafigura, wir transportieren das Öl ja nur, verbrennen tut es schliesslich jemand anders. Genau gleich haben die Banken lange argumentiert, nämlich frei nach dem Motto «wir finanzieren ja nur». Seit einigen Jahren gibt es dort nun aber eine lebendige Debatte um «financed emission» und einige führende Banken (z.B. holländische, aber keine Schweizer Grossbank) berichten auch bereits darüber.

Analog dazu müsste Trafigura, um auch nur halbwegs glaubwürdig zu sein, Rechenschaft über seine «transported emissions» ablegen. Und sich konkrete Reduktionsziele setzen. Denn für eine CO2-freie Wirtschaft ist ein Grosshändler von fossilen Brennstoffen etwa so hilfreich wie ein Dealer im Kampf gegen Drogensucht.

«Dene wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit» (Mani Matter)

Andreas Missbach arbeitet seit 2001 zu Banken, Rohstoffhändlern und zur Verantwortung von Unternehmen für die Einhaltung der Menschenrechte. Langweilig wird ihm dabei nie und die Arbeit geht ihm leider auch nicht so schnell aus.

Kontakt: andreas.missbach@publiceye.ch
Twitter: @ahmissbach
Auf Twitter kommentieren: #PublicEyeStandpunkte