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DIRTY DIESEL

Dreckige Luft aus Afrika: zurück zum Absender

Der Schweizer Rohstoffhändler Trafigura verkauft giftigen Treibstoff nach Afrika. Mit dramatischen Folgen für die Gesundheit der Menschen. Gemeinsam mit afrikanischen Partnerorganisationen wehrten wir uns und schickten dem Verursacher einen Container mit dreckiger Luft aus Ghana zurück.

Schweizer Rohstoffhandelsfirmen spielen beim schmutzigen Geschäft mit giftigem Diesel und Benzin für Afrika eine Hauptrolle: Sie nutzen die schwachen Standards in den Ländern aus und liefern Treibstoff, der in Europa niemals verkauft werden dürfte. Die Firmen machen sich mitverantwortlich für den frühzeitigen Tod von tausenden Menschen. Ihre Machenschaften sind illegitim.

Deswegen setzen wir uns gemeinsam mit Organisationen aus Ghana, Nigeria, Mali und der Elfenbeinküste für griffige Treibstoffstandards ein. Von Schweizer Unternehmen, allen voran Marktführer Trafigura, forderten wir mit einer Petition, dass sie aufhören Afrika mit giftigem Treibstoff zu fluten. 19'071 Menschen haben die Forderung unterschrieben.

Die Fakten

Der Skandal

Recherchen von Public Eye brachten ein bisher kaum bekanntes globales Geschäftsmodell ans Licht. Der Bericht „Dirty Diesel - How Swiss Traders Flood Africa with Toxic Fuels (PDF, 8.8 MB)“ zeigte erstmals auf, wie Rohstoffhandelsfirmen die laschen afrikanischen Standards systematisch ausnutzen, um mit giftigem Treibstoff ihre Margen zu optimieren – ­ auf Kosten der Gesundheit von Afrikanerinnen und Afrikanern. Und er zeigte auch:  Schweizer Rohstoffhandelsfirmen dominieren das schmutzige Geschäft mit „African Quality“-Treibstoffen für Westafrika.

Würden die Chefs der Schweizer Rohstoffhandelsfirmen diese giftigen Treibstoffe auch produzieren lassen, wenn sie dort verkauft werden dürften, wo sie selber leben und atmen? Kaum. Aber sind afrikanische Lungen weniger wert als ihre? Nein, sind sie nicht.

Return to Sender

Container an Trafigura übergeben

Die Firmen müssen sich endlich so verhalten, wie sie sich in ihren Statements zu ihrer sozialen Verantwortung gerne darstellen. Deshalb verschifften wir einen Container voll dreckiger Luft aus Ghanas Hauptstadt Accra zurück zum Absender: An Trafigura, das Unternehmen aus Genf, das sich zum Ziel gesetzt hat, zum „anerkannten Sektorleader in Bezug auf soziale Verantwortung“ zu werden.

19071 Menschen unterschrieben unsere Petition und forderten von Trafigura, sein illegitmes Geschäftsmodell zu stoppen. Trafigura hat die Petition zwar entgegengenommen (Bilder der Petitions-Übergabe hier), versteckt sich aber – genauso wie Vitol, Glencore, Addax & Oryx und Mercuria - weiter hinter der Legalität seines giftigen Geschäftsmodells und der alleinigen Zuständigkeit afrikanischer Regierungen.

Public Eye Übergabe der Petition und der Dreckluft an Trafigura in Genf

Viel erreicht

Die auf dreijähriger Recherchearbeit basierende Studie „Dirty Diesel“ (PDF, 8.8 MB) bringt erstmals Licht in die zentrale Rolle, die Schweizer Rohstoff-Firmen in Afrikas Treibstoffbranche spielen und zeigt das skandalöse Geschäftsmodell hinter einer Wertschöpfungskette, die sie als Produzenten, Lieferanten und teilweise auch als Tankstellenbetreiber vollständig kontrollieren.

Obwohl die Schweizer Rohstoffunternehmen bisher ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, hat die Dirty-Diesel-Kampagne viel erreicht. In Afrika haben die politischen Behörden verschiedenerr Länder bereits reagiert. Ghanas Regierung hat den nationalen Schwefelstandard nach starken Protesten massiv verbessert und den staatlich erlaubten Schwefelgehalt für Dieselimporte per März 2017 von 3000 ppm (parts per million = Millionstel) auf 50 ppm gesenkt. Der europäische Standard beträgt 10 ppm. Die historische Entscheidung von Ghana ist eine gute Vorlage für die anderen westafrikanischen Regierungen, welche sich Anfang Dezember im nigerianischen Abuja treffen, um diese Frage zu diskutieren.  Auch in der ARA-Region (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen), wo die „African Quality“ hauptsächlich produziert wird, hat der „Dirty Diesel“-Report einen politischen Prozess in Gang gesetzt. So erwägt der Amsterdamer Stadtrat diesem illegitimen Schweizer Geschäftsmodell den Riegel zu schieben.

Gemeinsam mit seinen afrikanischen Partnern wird Public Eye weiter gegen den Import und Vertrieb toxischer Treibstoffe kämpfen. Die von den skandalösen Doppelstandards profitierenden Rohstoffunternehmen wie auch die Regierungen der produzierenden und importierenden Länder müssen umgehend handeln, damit das Recht auf Gesundheit der betroffenen Bevölkerung endlich gewährleistet wird.

 

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