Black Friday für H&M: Globale Aktionswoche von Beschäftigten und NGOs gegen Armutslöhne

Von Mailand über Luzern bis Zagreb und Delhi: Mit Aktionen in über 20 Städten weltweit fordert die Clean Clothes Campaign den Schwedischen Moderiesen auf, endlich für Existenzlöhne und gute Arbeitsbedingungen zu sorgen. Auch Päckli-Packerinnen im italienischen H&M-Logistikzentrum wehren sich gegen prekäre Arbeitsbedingungen und erklären sich solidarisch mit anderen H&M-Beschäftigten.

„Ich habe nicht gedacht, dass die Arbeit für H&M mein Leben so erschüttern würde,“ schreibt eine Arbeiterin, die im riesigem Logistik-Hub von Stradella Päckchen für H&M packt, in einem Brief an ihre 1,6 Millionen Leidensgenoss/innen in H&Ms Lieferkette.

„Meine Schicht beginnt um 4:30 Uhr und wir wissen nicht, wann wir nach Hause gehen können.“

Die Arbeiterin möchte anonym bleiben, da XPO, die Eigentümerin des Logistikzentrums, gerade juristisch gegen jene Beschäftigte und ihre Gewerkschaft vorgeht, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

Das Geschäftsmodell von H&M und anderer Fast Fashion-Giganten basiert auf der Ausbeutung der Beschäftigten auf verschiedenen Ebenen ihrer Lieferketten. Die Clean Clothes Campaign fordert deshalb Existenzlöhne und faire Anstellungsverhältnisse, ob in den Textilfabriken, den Logistikzentren oder den Filialen in der Schweiz und anderswo. Zum Start einer bis 30. November dauernden Aktionswoche protestieren Aktivist/innen heute in den Einkaufsmeilen in London und Mailand. In den nächsten Tagen folgen Aktionen in über zwei Dutzend weiteren Städten in Asien, Amerika und Europa. In der Schweiz sind Strassenaktionen vor den H&M-Filialen in Baden (AG), Luzern und Bern angekündigt.

H&M hat im November 2013 versprochen, in fünf Jahren würden bei ihren Vorzeigelieferanten 850‘000 Beschäftigte existenzsichernde Löhne erhalten. Doch die Realität in den Fabriken ist eine ganz andere. Selbst die von H&M selbst veröffentlichten Lohnstatistiken zeigen, dass die Näherinnen nur den Bruchteil eines Existenzlohns erhalten. Wenn Löhne in den letzten 5 Jahren angehoben wurden, dann primär auf Druck der höheren gesetzlichen Mindestlöhne. Berücksichtigt man die höheren Lebenshaltungskosten (Inflation), sind die realen Löhne in bei den H&M-Zulieferern in Indien sogar um 4% geschrumpft.

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Hintergrund

H&M kündigte 2013 an, 850’000 Beschäftigte bei seinen bevorzugten Lieferanten („Gold- und Platinum-Supplier“) sollten binnen fünf Jahren von Existenzlöhnen erreicht werden. Das Unternehmen hat seine “Roadmap towards a fair living wage in the textile industry” während einer zweitätigen Existenzlohn-Konferenz in Berlin vorgestellt. Diese Ankündigung hat H&M grossen Zuspruch gebracht, der online nachzulesen ist. Dagegen ist H&Ms Existenzlohn-Roadmap selbst nicht mehr online verfügbar. Hier können Sie H&Ms ursprüngliche Ankündigung nachlesen und nachvollziehen, wie der Konzern sie verwässerte: Turnaroundhm.org (EN).

Der offene Brief der Packerin aus Stradella, Italien, ist hier nachzulesen.

Die Analyse der H&M-Lohnstatistiken “A closer look at H&Ms wage data” ist hier verfügbar.