Erfolg nach Intervention: Indonesischer Zulieferer von On stellt entlassene Gewerkschafter*innen wieder ein
Zürich, Lausanne, 18. Juni 2026
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Muhammad Fadli/PANOS
Indonesien ist in jüngster Zeit nach Vietnam zum zweitwichtigsten Produktionsort der globalen Sportschuhindustrie avanciert. Auch die Schweizer Trendmarke On lässt viele ihrer Laufschuhe seit 2023 in eigens für diese Boom-Branche erstellten Fabriken auf der Hauptinsel Java fertigen. Hauptgrund dafür ist die (auch im Vergleich mit Vietnam) hohe Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte. Hier, im abgelegenen Cirebon, liegt der staatliche Mindestlohn bei knapp 130 Franken, was nur halb so viel ist wie etwa in Jakarta. Davon lässt sich aber auch vier Autostunden östlich der Hauptstadt kein menschenwürdiges Leben führen, wie Public Eye in den Dörfern um die Fabriken gesehen hat. Dabei hatte On allen Arbeiter*innen seiner Direktlieferanten bis Ende 2025 die Zahlung von Existenzlöhnen versprochen. Doch bislang erhalten Arbeiter*innen beim von uns besuchten Hauptzulieferer Long Rich nur das gesetzliche Minimum, welches nur ein Bruchteil des vom asiatischen Gewerkschaftsbündnis AFWA berechneten Existenzlohns ist.
Noch prekärer ist die Situation bei Sublieferanten wie Yihong, einer Spezialfirma für das Bedrucken und Anbringen von Schriftzügen wie «Swiss Engineering», der genau so wenig «Swiss Made» ist wie jenes weisse Kreuzchen auf rotem Grund, dass seit März auch in der Schweiz verkaufte On-Produkte offiziell zieren darf. Als sich bei Yihong wegen unbezahlter Überstunden, Belästigungen durch Aufseher und weiterer Arbeitsrechtsverletzungen Anfang 2025 eine Gewerkschaft formiert, reagieren das Management und die chinesischen Besitzer erst mit der Entlassung von drei «Rädelsführer*innen» und dann, nach Protesten der Belegschaft, mit einer Fabrikschliessung. Nach einigen Wochen wird der Betrieb zwar wieder aufgenommen und der Grossteil der über 1000-köpfigen Belegschaft wiedereingestellt, aber ohne jene 112 Arbeiter*innen, die sich weigern, aus der Gewerkschaft auszutreten. Erst als die Clean Clothes Campaign im Herbst 2025 einen «Urgent Appeal» an die Markenfirmen richtet, kommt Bewegung in die Sache.
Nach Abweisung einer Klage wegen «illegalem Streik», letztlich aber erst auf Druck von On und anderen Brands wie New Balance und Brooks hat Yihong im Februar auch die Gewerkschafter*innen wieder eingestellt und sie zudem für die unrechtmässigen Lohnausfälle entschädigt. Der von Public Eye vor Ort dokumentierte Fall zeigt, dass bessere Arbeitsbedingungen in der Schuhproduktion möglich sind, wenn Markenfirmen ihre Verantwortung für die Lieferkette wahrnehmen. Die von den indonesischen Sub- und Direktlieferanten der Schweizer Trendmarke bezahlten Dumpinglöhne bleiben aber beschämend – besonders angesichts der jüngsten Millionengewinne und exorbitanten Managerlöhne von On. Der Zürcher Konzern muss nun zeigen, dass es ihm ernst ist mit seinen Versprechungen und bei Haupt- wie Sublieferanten für wirkliche Existenzlöhne sowie für die Durchsetzung von Gewerkschaftsfreiheit und Arbeiter*innenrechten zu sorgen.
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