Fälle: Warum es die Initiative braucht

Seit Jahrzehnten sind unzählige Skandale dokumentiert, wie Unternehmen Menschenrechte verletzen und die Umwelt zerstören. Schweizer Firmen sind hier keine Ausnahme, im Gegenteil: Menschenrechtsverletzungen kommen gehäuft in Sektoren vor, in denen Schweizer Firmen stark vertreten sind, allen voran im Rohstoffsektor. Public Eye hat mit eigenen Recherchen viele solche Fälle aufgedeckt.

Die Initiative fordert eine Selbstverständlichkeit: Wenn Schweizer Konzerne wie Glencore Menschen vertreiben oder Flüsse verschmutzen, sollen sie dafür geradestehen.

Dubiose Geschäfte Fallbeispiele

Weitere Informationen

  • Bolivien: organisierte Verantwortungs­losigkeit in Glencore-Mine

    Tödliche Unfälle, minderjährige Arbeiter, zerstörte Umwelt: In der von Glencore betriebenen Mine Porco im bolivianischen Hochland bauen Kooperativen unter unmenschlichen Bedingungen Zink, Blei und Silber ab. Glencore schaut weg – und kauft einen Grossteil des von den Kooperativen geförderten Erzes auf.

    Wird die Initiative angenommen, kann Glencore nicht länger Umweltstandards verletzen und muss dafür sorgen, dass der für die Region wichtige Fluss Agua Castilla nicht mehr durch die Minenaktivitäten vergiftet wird. Ansonsten könnten geschädigten Bewohnerinnen und Bewohner beim Konzernhauptsitz in Baar im Kanton Zug Wiedergutmachung verlangen. Und Glencore muss alles in seiner Macht stehende tun, damit beim Erzabbau keine Minderjährigen schuften und dass es nicht mehr zu vermeidbaren, oft tödlichen Unfällen kommt.

    Mehr dazu

  • Syngenta-Pestizid vergiftet Kleinbauern und Landarbeiter

    © Atul Loke/ Panos Pictures

    Im indischen Yavatmal wurden 2017 rund 800 Landarbeiter schwer vergiftet. Mitverantwortlich dafür war gemäss einer Recherche von Public Eye vor Ort das Pestizid «Polo» von Syngenta, das in der Schweiz längst verboten ist. Neue Recherchen von Public Eye und amtliche Dokumente aus Indien haben im September 2020 gezeigt: Das Syngenta-Pestizid spielte bei der Vergiftungswelle eine weit grössere Rolle als bisher bekannt. Ungeachtet dessen verkauft Syngenta weiterhin Polo in Indien.

    Bei Annahme der Konzernverantwortungsinitiative könnte Syngenta nicht mehr länger die Augen vor Menschenrechtsverletzungen verschliessen, die eine Folge ihrer Geschäftstätigkeit sind. Den Verkauf von hochgiftigen Pestiziden an Kleinbauern in Yavatmal müsste das Unternehmen einstellen. Denn die sichere Anwendung ist in der Praxis nicht gewährleistet. Änderte sich nichts, müsste Syngenta für verursachte Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden geradestehen.

    Mehr dazu

  • Schweizer Konzerne beliefern Afrika mit giftigen Treibstoffen

    © Fabian Biasio

    Schweizer Konzerne nutzen lasche afrikanische Standards aus und verkaufen gesundheitsschädliche Treibstoffe, die in Europa längst verboten sind. Vitol und Trafigura sowie die Addax and Oryx Group besitzen eigene Tankstellennetze oder sind an diesen beteiligt; Glencore, Mercuria, Gunvor und Litasco sind im Grosshandel aktiv.

    Public Eye hat 2016 in acht Ländern den Schwefelgehalt in Diesel analysiert und nachgewiesen, dass er bis zu 378 Mal höher ist als in Europa erlaubt. Die Folge: eine massive Erhöhung der Luftverschmutzung in afrikanischen Städten – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der betroffenen Menschen.

    Müssten die Rohstoffhändler eine Sorgfaltsprüfung vornehmen, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative verlangt, wären sie gezwungen, die Risiken für das Recht auf Gesundheit anzuerkennen und sauberere Treibstoffe statt «Dirty Diesel» liefern.

    Mehr dazu

  • LafargeHolcim gefährdet die Gesundheit eines ganzen Dorfes

    © Konzernverantwortungsinitiative

    Neben dem nigerianischen Dorf Ewekoro betreibt der Schweizer Konzern eine grosse Zementfabrik und einen dazugehörigen Kalksteinbruch. Durch die Zementproduktion lagert sich der Staub überall ab: auf den Dächern, in den Häusern, auf den Feldern.

    Der schädliche Feinstaub gelangt auch ins Wasser, das die Menschen in Ewekoro als Trinkwasser und zum Kochen brauchen. Ärzte berichten, dass die Menschen irreversible Schäden an Leber, Lungen und Milz davontragen.

    Bei Annahme der Konzernverantwortungsinitiative müsste LafargeHolcim endlich sicherstellen, dass die Menschen in Ewekoro nicht weiter mit Feinstaub vergiftet werden. Änderte sich weiterhin nichts, könnte die Dorfbevölkerung in der Schweiz eine Klage einreichen und eine Wiedergutmachung anstreben.

    Mehr dazu

  • Glencore-Mine vergiftet Kinder mit Schwer­metallen

    © Konzernverantwortungsinitiative

    In Cerro de Pasco in Peru sind Luft und Wasser mit Schwermetallen vergiftet. Schuld daran ist eine gigantische Mine, die eine Tochter des Zuger Rohstoffkonzerns Glencore dort betreibt. Bislang versuchte Glencore stets, sich aus der Verantwortung zu stehlen: die extremen Verschmutzungen seien historisch bedingt. Doch das ist nachweislich falsch. Die Situation hat sich unter der Kontrolle von Glencore nicht verbessert. Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Lokalbevölkerung bleiben desaströs. So leiden 2000 Kinder unter chronischen Schwermetallvergiftungen. Für sie hat dies dramatische Folgen: Blutarmut, Behinderungen und Lähmungen.

    Bei Annahme der Initiative könnten die Geschädigten von Cerro de Pasco in der Schweiz eine Klage einreichen. Die Initiative fordert, dass Glencore für Verschmutzungen und Vergiftungen, die durch seine Tätigkeit verursacht sind, geradestehen muss.

    Mehr dazu

  • Ausbeutung und Umweltskandale in der Textilindustrie

    © GMB Akash/Panos

    60 bis 75 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter in Fabriken, die überwiegend in Billiglohnländern stehen, fertigen Kleider und Textilien für die Welt. Ihre Löhne machen meist nur den Bruchteil eines Existenzlohns aus, der nötig wäre, um ihnen und ihren Familien ein einfaches Auskommen zu sichern. Ihre Arbeitsverhältnisse sind informell und prekär, die Arbeitsbedingungen gefährlich und menschenunwürdig. Auf den Baumwollfeldern, in den Ledergerbereien und auf vielen anderen Schauplätzen der Industrie kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltskandalen.

    Bei Annahme der Konzernverantwortungsinitiative würden Schweizer Unternehmen der Bekleidungs- und Textilindustrie gesetzlich verpflichtet, in ihren globalen Wertschöpfungsketten dort präventiv aktiv zu werden wo gravierende Risiken für Mensch und Umwelt bestehen. Ein Ja würde jenen Unternehmen den Rücken stärken, die bereits heute ihre Verantwortung für Menschenrechte und Umweltschutz wahrnehmen.

    Mehr dazu

Unterstützen Sie unsere Arbeit Für mehr Konzernverantwortung