Mehr als 20'000 Menschen fordern, dass sich die Schweiz für einen weltweiten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen einsetzt

Diesen Dienstag beginnen in der WTO die Verhandlungen über die Aussetzung gewisser Regeln des internationalen Patentschutzes während der Covid-19-Pandemie. Aus diesem Anlass übergeben Public Eye und Amnesty International heute ihre Petition «Für eine solidarische Schweiz im Kampf gegen die Pandemie» an Bundespräsident Guy Parmelin, den Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Mehr als 20'000 Menschen fordern von der Schweiz, sich sofort für einen breiten weltweiten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen einzusetzen.
© Amnesty Schweiz

Viele Länder haben immer noch keinen Zugang zu Covid-19-Impfstoffen, deren Patente von einigen wenigen Pharmakonzernen gehalten werden. Fast 90% der Impfstoffe wurden bisher in G20-Ländern verabreicht, während die ärmsten Länder nur 0,3% der verfügbaren Impfstoffe erhielten.  

«Angesichts der Gefahr durch neue Virusvarianten braucht es rasch einen universellen Zugang zu Covid-19-Impfstoffen und Behandlungen. Wir werden erst dann sicher sein, wenn alle Menschen es sind», sagt Pablo Cruchon, Kampagnenkoordinator bei Amnesty International Schweiz. «In der Schweiz sind Pharmaunternehmen ansässig, die Tests, Impfstoffkomponenten und Medikamente zur Bekämpfung von Covid-19 herstellen. Unser Land ist daher in einer Position der Stärke, um den breiten Zugang zu diesen Mitteln über multilaterale Kanäle zu erleichtern».

«Die US-Regierung und mehrere europäische Länder unterstützen die temporäre Aussetzung der geistigen Eigentumsrechte an den Mitteln zur Bekämpfung von Covid-19. Auch eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung spricht sich dafür aus. Die ideologische Blockadehaltung unserer Regierung ist nicht mehr haltbar. Es ist an der Zeit, dass die Behörden die Gesundheit aller Menschen über die Profite einiger Pharmakonzerne stellen», betont Patrick Durisch, Experte für Gesundheitspolitik bei Public Eye.

Wie in der heute übergebenen Petition gefordert, muss sich die Schweiz sofort den internationalen Bemühungen anschliessen, unzählige Leben auf der ganzen Welt zu retten, indem sie die vorübergehende Aufhebung des Schutzes des geistigen Eigentums für Covid-19-Behandlungen, -Tests und -Impfstoffe unterstützt. Dies würde die Impfstoff- und Medikamentenproduktion durch neue Hersteller, insbesondere im globalen Süden, erleichtern. Die Schweiz muss sich zudem für die Teilnahme von Schweizer Pharmaunternehmen an der Wissensaustauschplattform der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einsetzen und die Verträge für die mit Steuergeldern bezahlten Impfstoffbestellungen öffentlich machen.

«Gesundheit ist ein Menschenrecht, von dem Leben abhängen. Wir können nicht akzeptieren, dass jeden Tag Menschen aufgrund von nationalem Egoismus und privatem Profit sterben. Gerade diejenigen Staaten, in denen pharmazeutische Unternehmen mit Patenten auf Covid-19-Impfstoffen ansässig sind, müssen aktiv internationale Mechanismen unterstützen, sodass alle Länder ihre Bevölkerung schützen können», so die Schlussfolgerung von Pablo Cruchon.

Für weitere Informationen und Interviewanfragen:

Gabriela Hertig, Expertin Gesundheitspolitik von Public Eye
044 277 79 91
gabriela.hertig@publiceye.ch

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