Toxische Bananen: Chiquitas Plantagenarbeitende schuften im Akkord für Dumpinglöhne und leiden unter giftigen Pestiziden

So süss die gelbe Frucht, so bitter ihre Produktionsbedingungen: Recherchen von Public Eye bei den Zulieferern des Schweizer Konzerns in Guatemala zeigen so eklatante Missstände, dass die dortigen «Bananeros» ihren Arbeitsalltag nur mit Medikamentencocktails überstehen. Chiquita versteckt sich hinter dem grünen Label der Rainforest Alliance und profitiert zugleich vom Steuerdumping an seinem Waadtländer Hauptsitz. Damit Chiquita die gravierenden Arbeitsrechtsverletzungen behebt, ruft Public Eye zur Teilnahme an einer digitalen Demonstration auf.
© Fabian Lang

In Kürze: 

  • Auf den Bananenplantagen der Chiquita-Zulieferer im südlichen Guatemala herrschen höchst ausbeuterische und gesundheitsgefährdende Zustände. 

  • In der Waadt, wo der ehemalige US-Konzern seit 2008 seinen Hauptsitz hat, profitiert Chiquita vom kantonalen und nationalen Steuerdumping. 

  • Mit einer (vorerst) virtuellen Demonstration fordert Public Eye die Zahlung der gesetzlichen Mindestlöhne, Schutz vor den Pestizid-Sprühflugzeugen und garantierte Gewerkschaftsfreiheit. 

Wohl auch wegen seiner üblen Kolonialgeschichte als United Fruit Company versteckt sich der ursprünglich US-amerikanische Bananenkonzern gerne hinter seinem weltbekannten Miss Chiquita-Logo. Die Realität auf Plantagen von ihren Zulieferbetrieben in Guatemala ist jedoch brutal: Unsere exklusive Reportage berichtet von 12-Stunden-Schichten bei brütender Hitze und unter massivem Zeitdruck. Und das für einen Lohn, der unter dem (tiefen) staatlichen Mindestansatz liegt. Toxisch ist aber nicht nur das Arbeitsklima, sondern auch der Pestizideinsatz aus der Luft, dem Tausende von Pflückern ungeschützt ausgesetzt sind. Der dabei versprühte Hauptwirkstoff Mancozeb ist in Europa und der Schweiz – weil zu gefährlich – seit Jahren verboten. Wer diese ausbeuterischen Arbeitsbedingungen aber kritisiert oder sich gar gewerkschaftlich organisiert, riskiert die Entlassung und dass er auf einer roten Liste landet, die ihm auch andere Jobs auf Bananenplantagen verwehrt. 

Viele stehen diese prekären Zustände nur mit einem Mix aus Energy-Drink und dem Opioid Tramadol durch. Chiquita ignoriert diese Missstände und reagiert auf Widerstand, wie zuletzt in Panama, mit Repression oder Verlagerung. So auch in Guatemala, wo sich die Produktion von den eigenen Plantagen im Norden zu Zulieferbetrieben im Süden verschoben hat. Aber nicht nur dort haben wir recherchiert, sondern auch in der «Bananenrepublik Schweiz». Denn das Geschäftsmodell von Chiquita basiert neben Dumpinglöhnen in den Produktionsländern auch auf Steuerdumping im Kanton Waadt. Seit 2015 hat der berühmt-berüchtigte Konzern 1,6 Mrd. US-Dollar Gewinn gemacht und darauf weniger als 7% Steuern bezahlt. In der Schweiz sitzen aus denselben Gründen mit Fyffes und Del Monte auch die wichtigsten Konkurrenten von Chiquita. 

Fast die gesamte Chiquita-Produktion ist von Rainforest Alliance zertifiziert. Was wir auf Guatemalas Plantagen dokumentiert haben, dürfte es gemäss deren Standards dort eigentlich alles nicht geben. Explizit verboten vom Label mit dem grünen Frosch ist zum Beispiel die Verwendung des hochgiftigen Pestizids Mancozeb. Doch für dessen Versprühung durch Flugzeuge haben Chiquitas Zulieferer seit Jahren schon «temporäre» Ausnahmebewilligungen. Dieses Greenwashing ist ein weiterer Grund, weshalb Public Eye eine virtuelle Demonstration organisiert, um Chiquita an seine Verantwortung für die Plantagenarbeiter*innen in Guatemala zu erinnern. Konkret fordern wir für sie den gesetzlichen Mindestlohn, ein Verbot von Pestizidflügen während der Arbeitszeit und Gewerkschaftsfreiheit. Sollte Chiquita darauf nicht eingehen, tragen wir unseren friedlichen Protest direkt vor den Konzernhauptsitz in Etoy (VD). 

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