In Zaras Windschatten: Die klimaschädliche Flugmode anderer Firmen

Der Inditex-Konzern mit seiner Hauptmarke Zara fliegt gewaltige Mengen Kleider in der Welt herum. Das zeigen unsere Recherchen zu Flugmode. Doch der spanische Fast-Fashion-Gigant ist damit nicht allein: Auch bei Calzedonia und Lululemon, bei Roger Federers Sponsor Uniqlo und anderen Modeunternehmen gibt es Hinweise auf tausende Tonnen unnötiger Flugfracht.
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Nur wenige Textilunternehmen berichten bislang freiwillig darüber, wie sie ihre Produkte transportieren. Und öffentliche Statistiken, insbesondere von den grössten Importmärkten in Europa und Nordamerika oder Hauptproduktionsländern wie China, sind zu wenig detailliert. Unsere Folgerecherche zur Flugmode ergibt deshalb kein repräsentatives oder gar vollständiges Lagebild. Aber sie liefert deutliche Hinweise zur Bedeutung der Luftfracht für einzelne Marken. Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich die Angaben auf die letzten zwölf Monate, für die jeweils Daten vorliegen.

Welche Hinweise auf Flugfracht bei anderen Modeunternehmen gibt es?

Wie sehr Inditex und Shein auf Flugfracht setzen, haben wir in unserer Pionierrecherche beleuchtet. Daneben ergibt sich aus den von uns analysierten Zolldaten ein recht gemischtes Bild:  

  • Bei einigen grossen direkten Konkurrenten im Fast-Fashion-Segment weisen die uns vorliegenden Daten auf vergleichsweise geringe Flugmodeanteile hin: Aus Bangladesch etwa scheinen diese bei H&M oder Primark aktuell bei unter 2% und bei Bestseller (Jack & Jones, Vero Moda) bei unter 3% zu liegen.  Zum Vergleich: Bei Inditex sind es im laufenden Jahr mehr als 20%. 

  • Hinweise für höheres Flugmodeaufkommen fanden wir hingegen beim Modekonzern Next: Bei Importen aus Bangladesch liegt der Fluganteil bei rund 10%, aus Indien bei rund 20%. Auch der drittgrösste Modekonzern der Welt Fast Retailing (Uniqlo) lässt Mode fliegen. Von seinen Importen aus Vietnam dürften fast 20% mit dem Flieger kommen. 

  • Unter den grossen Sportmode-Konzernen sticht aus den Handelsdaten der Konzern Lululemon hervor, der jeweils rund 30% seiner in Vietnam und in Sri Lanka hergestellten Produkte fliegen lässt. Zum Vergleich: Bei den Konkurrenten Nike und Adidas beobachten wir bei den Exporten aus Vietnam nur Fluganteile von unter 5%. Und Puma teilte uns mit, dass ihre Flugquote bei Ware aus Vietnam aktuell bei lediglich 0,5% liegt. 

Auch Unterwäsche kommt mit dem Flieger: von den für Victoria’s Secret in Vietnam gefertigten Produkten etwa ein Viertel, aus Sri Lanka gar ein Drittel. Auf der Insel lässt auch der Unterwäsche-Gigant Calzedonia fertigen. Der Fluganteil bei den damit verbundenen Transporten liegt im Bereich von 5 bis 10%.  

Transparenz? Meistens Fehlanzeige 

Flugmode ist also nicht nur bei Inditex und Shein, sondern auch in weiteren Teilen der Bekleidungsindustrie verbreitet. Doch bei einigen grossen direkten Konkurrenten tauchen nur geringe Fluganteile auf, das ist ein Lichtblick. Wie gross die Spannweite in der Branche ist, zeigt sich auch bei der Art und Weise, wie Unternehmen zu Flugmode kommunizieren.  

Next und Victoria’s Secret tun es Inditex und Shein gleich und kommunizieren höchstens allgemein zu ihren Transportemissionen. Ähnlich sieht es bei Fast Retailing aus: Das Unternehmen, für dessen Hauptmarke Uniqlo Roger Federer als Markenbotschafter fungiert, antwortete zwar auf unsere Anfrage, teilte dabei jedoch keinerlei Details mit. Stattdessen verweist die Firma auf ihre allgemeinen Klimaziele und die Mitgliedschaft in einer Initiative zur Senkung von Transportemissionen. Erfolge hat dieses Engagement bislang jedoch nicht vorzuweisen, im Gegenteil: Seit 2019 sind die Transportemissionen um 55% gestiegen. 

Andere Firmen gehen das Thema offensiver an: Bestseller erklärt, ihre Luftfracht sei seit vier Jahren rückgängig, aktuell betrage der Anteil an den Gesamttransporten 1,04%. Entsprechend haben die transportbezogenen Emissionen seit 2018 um 55% abgenommen. Auch im Nachhaltigkeitsbericht von H&M findet sich ein Hinweis auf eine deutliche Reduktion der Luftfrachtemissionen (-51%) im letzten Geschäftsjahr. Primark erklärte auf Anfrage, Bestellungen generell mit langen Vorlaufzeiten zu platzieren und dabei ausreichend Zeit für Seetransporte vorzusehen. Luftfracht würde daher nur selten verwendet. Zahlen dazu teilte uns das Unternehmen allerdings nicht mit. 

Nike schreibt von einem leichten Anstieg der Luftfracht in 2022, allerdings sei das Volumen weiterhin gering und unter dem Vor-Pandemie-Niveau. Lululemon identifiziert Flugfracht immerhin als Hauptursache des sehr hohen Transportanteils an seinen Gesamtemissionen (25%) und kündigt eine Task Force an, um Transporte vom Flugzeug aufs Schiff zu verlagern. Doch ohne konkrete Zahlen lassen sich solche Ankündigungen kaum einordnen.  

Präzisere Angaben zum aktuellen Flugfracht-Anteil an den Transporten machen nur wenige: Calzedonia beziffert diesen auf gewaltige 20%, entsprechend hoch fallen die berichteten Emissionen aus. Deutlich kleiner ist der Anteil hingegen bei Adidas: 2022 lag er bei 2%.  

Die grösste Transparenz fanden wir bei Puma: Das Unternehmen berichtet eine Reduktion seiner Flugmode von 3% vor der Pandemie auf aktuell 1%, beziffert detailliert die Emissionen pro Verkehrsweg und teilte uns als einziges Unternehmen die Gesamtmenge seiner Luftfracht mit. Ausserdem nennt Puma ein konkretes Reduktionsziel: Bis 2025 soll der Luftfrachtanteil auf 0,5% halbiert werden.  

Die grossen Unterschiede zwischen den Unternehmen unterstreichen, wie überflüssig Flugmode auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus ist. Wir fordern deshalb alle Firmen zum Ausstieg aus der Luftfracht und zu einer transparenten Information über ihre Transportmittel und deren Emissionen auf.