Eine ungarische Sumpf­blüte im Zuger Rohstoff­paradies

Obwohl die MET-Group in Zug seit 2018 zu den hundert grössten Schweizer Firmen gehört, findet sich auf ihrer Webseite unter «Company Data» nur gerade der Name, die Adresse sowie die Handelsregister- und Mehrwertsteuernummer. Wie so oft im Rohstoffsektor waren auch hier beste Beziehungen zu «politisch exponierten Personen» (PEP) der Dünger für florierende Geschäfte.

Über die Firma gestolpert sind wir im Artikel eines US-Thinktanks mit dem Titel «The Energy Weapon», der gegen die Unterminierung der Demokratie durch Putins Russland Stellung bezieht. MET wurde 2007 von den Managern des teilstaatlichen ungarischen Öl- und Gaskonzerns MOL gegründet, seit 2010 ist das internationale Trading in Zug domiziliert, seit 2012 die Holding. Heute bezeichnet sich MET als «europäisches Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz».

Benjamin Lakatos © Benjamin Lakatos, c) Wikipedia

MOL war lange Zeit grösster Aktionär des Konzerns. Daneben waren – über die üblichen zypriotischen Briefkastenfirmen  – der ungarische CEO Benjamin Lakatos, zwei ungarische und ein russischer Oligarch beteiligt. Lakatos hat 2001 mit 24 Jahren bei MOL angefangen. Einer der beiden ungarischen Oligarchen ist Besitzer eines Fussballklubs, der Viktor Orban besonders am Herzen liegt und dessen Tribüne der ungarische Premier gerne fürs Networking nutzt. Er soll seit 2011 auch immer wieder als dessen «Sondergesandter» fungiert haben – ein klassischer PEP also.

Von 2011 bis 2015 hatte MET einen lukrativen Vertrag mit einer Tochtergesellschaft des staatlichen ungarischen Stromkonzerns MVM. Diese wiederum hatte von der Regierung ein de facto-Monopol für den Gebrauch einer Pipeline zwischen Österreich und Ungarn erhalten. Doch statt mit diesem selbst Gas auf dem europäischen Spotmarkt einzukaufen, erhielt MET diesen Auftrag.

Dieses Gas war deutlich billiger, als jenes, das Gazprom aufgrund langjähriger Verträge an Ungarn lieferte, konnte aber zum selben Preis verkauft werden. Etwa 200 Millionen Franken soll dieser Deal den MET-Besitzern allein 2012 gebracht haben. Verloren dabei hat neben MVM übrigens auch Gazprom, denn das Gas auf dem europäischen Spotmarkt stammt grösstenteils auch vom russischen Giganten.

Und was hat Orban davon?

Bleibt die Frage, warum sich ein ungarisches Staatsunternehmen und der Monopolist für russisches Gas quasi eigenhändig um erkleckliche Einnahmen bringen. Die naheliegendste, wenn gleich (noch) nicht bewiesene Antwort lautet: Orbans engstes Umfeld oder gar er selbst profitierten vom Liebesdienst des Staatsbetriebs. Und Putins Gazprom machte so die Energiewaffe scharf, um Orban auf Kurs zu halten: Die Drohung mit dem Zudrehen des lukrativen Gashahns oder damit, die ganze Sache auffliegen zu lassen.

Wie auch immer: Letztes Jahr hat Lakatos seine dubiosen Kumpane ausgekauft. Laut Webseite ist MET heute «100% owned by MET employees». Oder genauer (und wie bei Tradern üblich): wohl grösstenteils von Lakatos selbst und seinen Topmanagern.

100% owned by MET employees. MET Group

Mit der Diversifizierung weg vom reinen Ungarngeschäft und der politischen Akklimatisierung als «europäisches Unternehmen» kam auch die Öffentlichkeitsarbeit. Wenn auch noch etwas dilettantisch: Ein unter «Media» verlinkter Artikel zeugt jedenfalls von seltener und wohl unfreiwilliger Offenheit.

Die Schweiz wäscht weisser

Da hat jemand einem ungarischen Finanzportal freimütig die Gründe für die Standortwahl erklärt: «Tax benefits have played a large role in opting for Switzerland, and particularly Zug for the company’s headquarters.» Und noch besser: «According to the company’s executives, it is markedly easier for a Swiss-based company to obtain large-scale funding, and a Swiss based company is also be taken more seriously inside the industry.» Übersetzt könnte man sagen:

Ausländische Sumpfblüten können sich hierzulande wunderbar weisswaschen.

Immerhin herrscht volle Lohntransparenz: «The best traders of the floor earn outstanding salaries, pocketing 10%–20% of the profit they bring in, in some extreme cases making more than the company’s top executives.» Gegenüber der Luzerner Zeitung tönte der Chief Financial Officer deutlich bescheidender: «In unserer Firma fährt keiner einen Ferrari.» Ist ja auch nicht nötig, es gibt ja auch noch Lamborghini, Bugatti oder Aston Martin.

"Dene wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit" (Mani Matter)

Andreas Missbach arbeitet seit 2001 zu Banken, Rohstoffhändlern und zur Verantwortung von Unternehmen für die Einhaltung der Menschenrechte. Langweilig wird ihm dabei nie, und die Arbeit geht ihm leider auch nicht so schnell aus.

Kontakt: andreas.missbach@publiceye.ch
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