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(c) Keystone, Florian Kopp: Ka’a he’ê (stevia rebaudiana), das “süsse Kraut” der Guaraní

Stevia soll der neue Zuckerersatz sein. Immer mehr steviagesüsste Produkte kommen auf den Markt. Die Schattenseite der Erfolgsgeschichte: Die indigenen Guaraní in Paraguay und Brasilien, die das Potenzial der Pflanze als Süssstoff vor Jahrhunderten entdeckt haben, drohen dabei leer auszugehen. Doch noch kann sich das ändern.

Stevia boomt: Die aus der Pflanze extrahierten Süssstoffe sind bis zu 300-mal süsser als Zucker und fördern weder Diabetes noch Karies. Softdrinks, Schokolade, Bonbons – ständig kommen neue mit Stevia gesüsste Produkte auf den Markt. Im Jahr 2015 werden weltweit schätzungsweise bereits acht bis elf Milliarden Franken mit ihnen umgesetzt, Tendenz stark steigend. Eine natürlich süsse Pflanze, die Indigene seit Jahrhunderten nutzen, erobert als gesunde Zuckeralternative den Lebensmittelmarkt. Was für eine Erfolgsgeschichte! Tatsächlich? Der von Public Eye im November 2015 publizierte Bericht „Der bittersüsse Geschmack von Stevia (PDF, 4.7 MB)“ beleuchtet die bitteren Seiten des Geschäfts mit dem süssen Stoff.

Erfahren Sie hier, was seither geschah und entdecken Sie die Bilder, die der Fotograf Luis Vera währned seinem Besuch bei den Guaraní gemacht hat:

Stevia: Guaraní gegen Grosskonzerne
Für Grosskonzerne wird Stevia, der gesunde Zuckerersatz, zu einem immer grösseren Geschäft. Die Guaraní, die die Pflanze entdeckt haben, gehen leer aus. Jetzt haben sie sich entschieden, für ihr Recht zu kämpfen.
Die ganze Geschichte

Guaran gegen Grosskonzerne

**Fr Grosskonzerne wird Stevia, der gesunde Zuckerersatz, zu einem immer grsseren Geschft. Die Guaran, die die Pflanze entdeckt haben, gehen leer aus. Jetzt haben sie sich entschieden, fr ihr Recht zu kmpfen.**

KickerThis is a kicker.

**Stevia: Ein klassischer Fall von Biopiraterie**

> Bitterssser Stevia\-Boom

Stevia boomt: Die aus der Pflanze extrahierten Sssstoffe sind bis zu 300 mal ssser als Zucker und frdern weder Diabetes noch Karies. Softdrinks, Schokolade, Bonbons stndig kommen neue Produkte auf den Markt, welche mit Extrakten aus der Steviapflanze gessst sind; Coca\-Cola Life ist nur das bekannteste. Die Pflanze, die die Guaran im Grenzgebiet von Brasilien und Paraguay seit Jahrhunderten nutzen, erobert als gesunde Zuckeralternative den Lebensmittelmarkt. **Was fr eine Erfolgsgeschichte! Tatschlich?** Mit dem Bericht [Der bitterssse Geschmack von Stevia](https://www.publiceye.ch/fileadmin/files/documents/Biodiversitaet/EvB\_Stevia\_DT\_10\-15\_def.pdf) hat Public Eye \(ehem. Erklrung von Bern\) die bitteren Seiten des Geschfts mit dem sssen Stoff aufgedeckt: Die Kommerzialisierung von Stevia ist ein klassischer Fall von Biopiraterie.

> Die Guaran, die die Ssse der Pflanze entdeckt haben, gehen bisher komplett leer aus.

Die indigenen Guaran die Kaiowa aus Brasilien und die Pa Tavyter aus Paraguay nutzen die Pflanze Stevia, die sie Kaa he \(ssses Kraut\) nennen, seit ber 1500 Jahren zur Sssung ihres Mats, als Heilpflanze oder bei heiligen Zeremonien. Ihr traditionelles Wissen ist die Grundlage der Stevia\-Kommerzialisierung. Und damit htten sie Anrecht auf eine faire Beteiligung am Gewinn, der durch die Kommerzialisierung von Stevia erzielt wird. Die [UNO\-Biodiversittskonvention](https://www.publiceye.ch/de/themen\-hintergruende/biodiversitaetskonventioncbd/) verlangt nmlich, dass traditionelle Gemeinden einer kommerziellen Nutzung ihrer Ressourcen und ihres traditionellen Wissens zustimmen mssen und am Geschft damit gerecht beteiligt werden. Doch whrend Nahrungsmittelfirmen mit Stevia\-Produkten ein immer grsseres Geschft machen, ist das Leben der Guaran geprgt von Diskriminierung, Verarmung und Vertreibung von ihrem Land.

**Die Guaran vertrieben und verarmt**

**Wlder weichen Gentech\-Soja und Massentierhaltung**

Die etwa 46'000 Guaran Kaiow auf der brasilianischen und die rund 15'000 Guaran Pa Tavyter auf der paraguayanischen Seite der Grenze bewohnen nur noch einen winzigen Teil ihres ursprnglichen Territoriums, das frher hauptschlich aus Wldern bestand. Die Entwaldungsrate Paraguays gehrt zu den hchsten weltweit: Innert 40 Jahren hat das Land mehr als die Hlfte seines Waldbestands verloren vor allem auf Kosten von Weideland. Die extensive Rinderzucht beansprucht 31 der 40 Millionen Hektar des Landes.

Die Guaran leben heute in kleinen Gemeinschaften, eingeschlossen zwischen riesigen _Haciendas_ und Soja\- oder Zuckerrohrfeldern. Da man sie ihres Jagd\-, Fisch\- und Sammelgebiets beraubt hat, bleibt ihnen oft keine andere Wahl, als ihre Arbeitskraft unter prekrsten Bedingungen zu verkaufen.

> **Mitverantwortlich fr die riesigen Soja\- und Zuckerrohr\-Monokulturen sind ausgerechnet Firmen wie Cargill und Coca\-Cola also genau jene Unternehmen, die nun mit Sssstoffen auf Steviabasis ein grosses Geschft wittern.**

Doch jetzt haben die Guaran beschlossen, fr eine Beteiligung an diesem Geschft zu kmpfen.

**Die Guaran mobilisieren sich**

> Eine solche Grossversammlung hat schon seit Jahren nicht mehr stattgefunden: ber 100 Guaran sind Ende August 2016 auf dem heiligen Jasuka Venda in Paraguay zusammengekommen.

Die paraguayanischen Pai Tavytera und die Kaiowa aus Brasilien sind zwar durch familire Beziehungen miteinander verbunden, aber durch die Landesgrenze getrennt fhren sie normalerweise keine gemeinsamen politischen Aktionen durch. Nun aber haben sie sich versammelt, um zu diskutieren, wie sie ihr Recht geltend machen knnen: Das Recht auf eine gerechte und ausgewogene Beteiligung am Profit aus der Kommerzialisierung ihres Wissens zu Stevia.

**Die Forderung nach Land** Die Guaran wollen nicht mehr lnger dulden, dass Coca Cola, Pepsi oder Nestea mit ihrer Pflanze Profit machen, whrend sie verarmen und von ihren Lndereien vertrieben werden. Sie zeigen sich entschlossen, ihre Rechte als Trgerinnen und Trger des traditionellen Wissens ber die Stevia\-Pflanze geltend zu machen und ihr Stck am sssen Kuchen einzufordern.

Eigentlich htten die Guaran gemss der [UNO\-Biodiversittskonvention](https://www.publiceye.ch/de/themen\-hintergruende/biodiversitaetskonventioncbd/) ihr Einverstndnis zur kommerziellen Nutzung ihres Wissens zu Stevia geben mssen. Doch sie wissen, dass sie die riesigen Landwirtschafts\- und Nahrungsmittelkonzerne nicht mehr daran hindern knnen, Stevia zu kommerzialisieren. Dafr ist es zu spt. Aber sie erwarten zumindest eine Entschdigung und zwar am liebsten in Form von Land. Sie wollen im Falle einer Vereinbarung einen Teil des Stevia\-Ursprungsgebiets zurckerhalten. **Die Erklrung** Als erstes Ergebnis der Grossversammlung halten die Guaran in einer gemeinsamen Deklaration fest:

> _Wir verurteilen, dass multinationale Firmen unser Wissen und unsere Biodiversitt ausnutzen, indem sie Kaa he \(steviarebaudiana\) nutzen, kommerzialisieren und davon profitieren, ohne dass wir, die wahren Eigentmer, die Pa Tavyter und die Kaiowa, konsultiert wurden._

Die Guaran fordern in ihrer Erklrung grundstzlich die Respektierung ihrer Gebiete, ihrer Weltanschauung, ihrer Autonomie und ihrer Autoritten. Und spezifisch eine ausgewogene und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Nutzung unseres traditionellen Wissens zu Stevia ergeben. Darber hinaus beschliessen sie, eine stndige Versammlung einzurichten, um den Prozess weiter zu verfolgen. Ein erster Schritt ist getan. Doch trotz ihrer in der Biodiversittskonvention zugesicherten Rechte liegt noch ein weiter Weg vor den Guaran. Das Ziel ist es, dass sie in einem Jahr konkrete Verhandlungen mit Konzernen ber eine faire Entschdigung und Gewinnbeteiligung aufnehmen knnen.

> Mehrere Unternehmen zeigen sich gegenber Public Eye gesprchsbereit.

[Public Eye](http://www.publiceye.ch) hat nach der Publikation des Stevia\-Berichts Gesprche mit den Hauptproduzenten und \-verwendern von Stevia\-basierten Sssstoffen, den Steviolglykosiden, gesucht. Manche Zeichen sind ermutigend: Einige Firmen schweigen zwar und andere zgern, aber mehrere Unternehmen zeigen sich bereit, im Rahmen von Verhandlungen mit den Guaran gemss Biodiversitskonvention auf eine gerechte und ausgewogene Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Nutzung von Stevia ergeben, hinzuarbeiten. Die Basler Firma Evolva etwa, die Migros und auch Nestl bekennen sich klar zum Prinzip des Vorteilsausgleich, wie der eben erschienen [Follow\-Up\-Bericht](https://www.publiceye.ch/fileadmin/files/documents/Biodiversitaet/PE\_Stevia\_DE\_11\-16\_def.pdf) zeigt. Andere Firmen Coca Cola etwa haben die Fragen von Public Eye nicht beantwortet.

**Werden Sie aktiv**

Unterschreiben Sie jetzt!

Auch Sie knnen die Guaran im Kampf um ihre Rechte untersttzen! Es kann nicht sein, dass Coca\-Cola mit seinem Coke\-Life Gewinn macht und sich schlicht und einfach darum foutiert, die Guaran, die die Ssse von Stevia erkannt haben, zu beteiligen. Grosskonzerne, die mit Stevia\-basierten Sssstoffen Gewinn machen, verletzen die Rechte der Guaran. Zusammen mit SomeOfUs haben wir deshalb eine Petition lanciert, mit der wir Coca\-Cola auffordern, den Trgern des traditionellen Wissens ber die Stevia\-Pflanze eine faire Vereinbarung auszuhandeln. Indem Sie die Petition unterschreiben, **helfen Sie mit, dass aus diesem klassischen Fall von Biopiraterie ein Beispiel fr einen fairen Deal wird.**

**Public Eye** \(ehem. Erklrung von Bern\) tritt fr jene Menschen ein, deren Rechte durch die wirtschaftlichen Ttigkeiten von Schweizer Akteuren bedroht sind. Gemeinsam knnen wir mehr erreichen. Folgen Sie uns auf [Twitter](https://twitter.com/publiceye\_ch) und [Facebook](http://www.facebook.com/publiceye.ch), abonnieren Sie unseren [Newsletter](https://www.publiceye.ch/de/newsletter/) oder [werden Sie Mitglied](https://www.publiceye.ch/de/mitmachen/mitglied\-werden/mitgliedschaft/) von Public Eye.

**Globale Gerechtigkeit beginnt bei uns.**

**DANKE!**

**Fotos** Smtliche Bilder hat der Fotograf Luis Vera am 4. und 5. August anlsslich des Treffens der Guaran an der heiligen Sttte Jasuka Venda in der Provinz Amambay \(Paraguay\)aufgenommen. Die Guaran verabschiedeten bei dieser Versammlung die Erklrung,in der sie eine gerechte und ausgewogene Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Kommerzialisierung von Stevia und seinen Derivaten ergeben, verlangen.

Der bittersüsse Geschmack von Stevia

Ein klassischer Fall von Biopiraterie

Die Kommerzialisierung von Stevia ist ein klassischer Fall von Biopiraterie: einer unrechtmässigen Aneignung genetischer Ressourcen und des damit verbundenen traditionellen Wissens. Eigentlich sollte die Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen, die seit 1993 besteht, genau dies verhindern: Sie sieht vor, dass traditionelle Gemeinden einer kommerziellen Nutzung «ihrer» Ressourcen zustimmen müssen (Prior Informed Consent) und dass sie am Geschäft mit dieser Ressource gerecht beteiligt werden (Access and Benefit Sharing). Das heisst: Macht jemand Profit mit Stevia oder Steviolglykosiden, sollten die Guaraní und die Staaten Brasilien und Paraguay diesem Geschäft zustimmen und an ihm beteiligt werden.  

Die Realität sieht anders aus. Das liegt einerseits dran, dass die Biodiversitätskonvention und das Abkommen zu deren Umsetzung, das Nagoya-Protokoll, in den einzelnen Ländern noch ungenügend verankert und von einigen – etwa den USA – noch nicht einmal ratifiziert sind; weshalb westliche Firmen nach wie vor ungestraft mit «gestohlenen» Gütern Geschäfte machen können. Den Steviabäuerinnen und -bauern bleibt derzeit also nur die Rolle als Zulieferer, während einige wenige westliche Konzerne mit Patenten um ihren Anteil am einträglichen Geschäft mit der Herstellung und dem Verkauf von Steviolglykosiden kämpfen. Über 1000 Patente in Bezug auf Stevia und Steviolglykoside wurden bis Ende 2014 beantragt, 46 Prozent davon alleine von acht Firmen: unter ihnen etwa der Lebensmittelmulti Cargill und Coca Cola. 

(c) Clerici/ Public Eye Klicken für grössere Ansicht

Bäuerinnen und Bauern bleiben aussen vor

Auch beim Verkauf von Stevia-Pflanzen an die Verarbeitungsfirmen spielen Paraguay und Brasilien nur eine kleine Rolle. 2011 wuchsen 80 Prozent aller zur kommerziellen Nutzung bestimmten Stevia-Pflanzen in China. Paraguay produzierte nur fünf, Brasilien gar nur drei Prozent. Meist wird Stevia von Kleinbauern in Mischwirtschaft mit anderen Pflanzen angebaut. Eigentlich liegt im kleinbäuerlichen Stevia-Anbau ein grosses Potenzial: er ist zwar arbeitsintensiv, aber auch ertragsreich. Doch schon bald werden Steviolglykoside, die mithilfe von synthetischer Biologie hergestellt wurden, auf den Markt kommen. Setzen sie sich durch, würden die Länder, die Stevia anbauen, komplett leer ausgehen, und der ganze Profit bliebe bei wenigen grossen Firmen im Norden. Es ist also höchste Zeit, zu handeln.

 

Der Report bewegt: Was seither geschah

Seit der Publikation des Reports „Der bittersüsse Geschmack von Stevia“ hat sich die Ausgangslage verändert. Public Eye ist mit ausgewählten Firmen, welche Produkte mit Steviolglykosiden verkaufen, im Gespräch über Verhandlungen mit den Guaraní. Und die Guaraní ihrerseits haben begonnen, sich zu organisieren.

Die Guarani mobilisieren sich

Über hundert Guaraní verschiedener Stämme sind Ende August 2016 in Paraguay zusammengekommen, um eine gerechte und ausgewogene Beteiligung an der kommerziellen Nutzung „ihrer“ Stevia-Pflanze zu fordern.  Eine solche Grossversammlung hat schon seit Jahren nicht mehr stattgefunden. Die Pai Tavytera und die Kaiowa sind zwar durch familiäre Beziehungen miteinander verbunden, aber durch die Landesgrenze getrennt, führen sie normalerweise keine gemeinsamen politischen Aktionen durch.

Die Guaraní zeigen sich entschlossen, ihre Rechte als Trägerinnen und Träger des traditionellen Wissens über die Stevia-Pflanze geltend zu machen. Sie begrüssen den Vorschlag, mit den Konzernen eine Vereinbarung über Benefit-Sharing auszuhandeln. Dennoch bleiben sie realistisch: Sie wissen, dass sie die riesigen Landwirtschafts- und Nahrungsmittelkonzerne nicht mehr daran hindern können, Stevia zu kommerzialisieren. Aber sie erwarten zumindest eine Entschädigung – und zwar am liebsten in Form von Land. Sie wollen im Falle einer Vereinbarung einen Teil des Stevia-Ursprungsgebiets zurückerhalten.

Zusammen verfassen sie eine Erklärung, in der sie sie grundsätzlich „die Respektierung unserer Gebiete, unserer Weltanschauung, unserer Autonomie und unserer Autoritäten“ fordern und spezifisch eine faire Aufteilung der mit der Nutzung der Stevia-Pflanze einhergehenden Vorteile: „Wir verurteilen, dass multinationale Firmen unser Wissen und unsere Biodiversität ausnutzen, indem sie Ka’a he’ê (stevia rebaudiana) nutzen, kommerzialisieren und davon profitieren, ohne dass wir, die wahren Eigentümer, die  Paî Tavyterâ und die Kaiowa, konsultiert wurden.“

Dialog mit den Unternehmen

Wären die Unternehmen bereit, die Guaraní angemessen zu beteiligen? Um das herauszufinden, hat Public Eye nach der Veröffentlichung des Berichts das Gespräch mit den Hauptproduzenten und -nutzern von Stevia-basierten Süssstoffen, den Steviolglykosiden, gesucht. Manche Zeichen sind ermutigend: Einige Firmen schweigen zwar und andere zögern, aber mehrere Unternehmen zeigen sich bereit, im Rahmen von Verhandlungen mit den Guaraní gemäss Biodiversitäskonvention auf eine gerechte und ausgewogene Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Nutzung von Stevia ergeben, hinzuarbeiten.

Einige Firmen wie Unilever oder Ricola sind überhaupt nicht auf unsere Anfrage eingegangen. Andere, Coca Cola oder Pepsi beispielsweise, haben geantwortet – dass sie nicht beabsichtigen, unsere Fragen zu beantworten. Es gab aber auch zahlreiche positive Rückmeldungen, gerade aus der Schweiz.

  • Die Firma Evolva, die mit Cargill zusammenarbeitet, um mittels synthetischer Biologie Steviolglykoside herzustellen, ist bereit, «mit den Guaraní in einen Dialog über die Vorteilsaufteilung im Sinne der Biodiversitätskonvention zu treten».
  • Nestlé sagte, sie unterstütze vollumfänglich das Prinzip des gerechten und ausgewogenen Vorteilsausgleichs bei der Nutzung genetischer Ressourcen, wie es in der Konvention zur Biodiversität festgeschrieben sei, und sei bereit, gemeinsam mit anderen Unternehmen, mit den Guarani über einen Vorteilsausgleich zu diskutieren.
  • Migros signalisiert, man befürworte das Prinzip der Vorteilsaufteilung und hat sich ausserdem bereit erklärt, den spezifischen Fall der Steviolglykoside direkt mit seinen Lieferanten zu diskutieren.
  • Auch die Schweizer Getränkefirma Goba deutete ihre Kooperationsbereitschaft für die Umset­zung des Vorteilsausgleichs mit den Guaraní an. Ähnlich der Schokoladehersteller Stella Bernrain, der mit Lieferanten zusammenzuarbeiten will, die ihre Rohstoffe aus den Herkunftsländern beziehen und ihren Nutzen mit den Guaraní teilen.

Der Nachfolgereport (PDF, 2.1 MB)zu „Der bittersüsse Geschmack von Stevia“ (PDF, 4.7 MB), der im November 2016 erschien, fasst die Ereignisse seit dem Report zusammen: die Positionierung der Guaraní, die Ergebnisse aus der Firmenbefragung sowie einige rechtliche Rahmenbedingungen, welche sich seit der ersten Publikation verändert haben.

Forderungen: Gegen Biopiraterie – für eine faire Lösung

Fieberhaft arbeiten die Unternehmen, die Steviolglykoside herstellen oder verwenden, derzeit daran, dass ihr Süssstoff seinen bitteren Beigeschmack verliert. Es liegt an ihnen, dass dies auch im übertragenen Sinne geschieht: und die Guaraní für ihr traditionelles Wissen entschädigt werden. Noch kann dieser klare Fall von Biopiraterie gelöst und eine faire Übereinkunft mit den Guaraní erzielt werden.

Public Eye und die MitherausgeberInnen der Studie verlangen insbesondere:

  • dass Konzerne wie Cargill oder Coca Cola, die Steviolglykoside herstellen oder nutzen, unverzüglich mit den Guaraní Verhandlungen darüber aufnehmen, wie diese zu ihrem Recht kommen, am Stevia-Boom beteiligt zu werden.
  • dass keine mithilfe von synthetischer Biologie hergestellte Steviolglykoside produziert und verkauft werden, solange keine Studien zu deren sozioökonomischen Auswirkungen existieren.
  • dass die Konzerne die bewusste Verbreitung von Falschinformationen bei der Vermarktung ihrer mit Steviolglykosiden gesüssten Produkte stoppen – und diese weder als  «natürlich» noch als auf dem «traditionellen Wissen der Guaraní» beruhend bewerben dürfen.

 

Globale Gerechtigkeit beginnt bei uns

Public Eye engagiert sich für die Menschen, deren Rechte durch die wirtschaftlichen Tätigkeiten von Schweizer Akteuren bedroht sind. Mit Recherchen und Öffentlichkeitsarbeit machen wir aufmerksam auf Misststände, im Dialog mit der Industrie und Herkunftsländern engagieren wir uns dafür, dass die Rechte der Guaraní respektiert werden. Der Weg ist noch weit, aber erste Erfolge unserer Arbeit ermutigen uns, weiter für mehr Unternehmensverantwortung zu kämpfen.

Engagieren Sie sich mit uns: Jede Spende hilft uns, dafür zu kämpfen, dass Konzerne wie Coca-Cola in die Verantwortung genommen werden.