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Indigene Gemeinschaften sowie Bäuerinnen und Bauern des Südens haben Nutzpflanzen über Jahrtausende hinweg nachhaltig genutzt und deren Vielfalt erhalten. 

Ihre Interessen und diejenigen der Herkunftsländer müssen deshalb bei der Nutzung der biologischen Vielfalt und des damit verbundenen traditionellen Wissens berücksichtigt werden. Die Erhaltung der Biodiversität ist somit nicht nur für das Überleben der Menschheit von grundlegender Bedeutung, das Thema Artenvielfalt ist auch von grosser entwicklungspolitischer Relevanz.

Mit genetischen Ressourcen ist oft traditionelles Wissen von indigenen und lokalen Gemeinschaften verbunden. Werden genetische Ressourcen oder das damit verbundene traditionelle Wissen von internationalen Konzernen genutzt, so müssen auch die Länder und Gemeinschaften daraus einen Vorteil ziehen, die ursprünglich im Besitze dieser Ressourcen und dieses Wissens waren. Man spricht von einer gerechten Aufteilung des Nutzens (engl. benefit-sharing). Die rechtliche Grundlage dafür ist die 1992 ausgehandelte Biodiversitätskonvention (CBD),  beziehungsweise das 2010 unter ihr verabschiedete Nagoya-Protokoll. Das Nagoya-Protokoll enthält Bestimmungen über den Zugang und den Vorteilsausgleich bei der Nutzung traditionellen Wissens.

Der Internationale Saatgut-Vertrag der FAO regelt den Zugang und die gerechte Aufteilung des Nutzens bei Nahrungspflanzen. In beiden Foren hat Public Eye Beobachterstatus und ist bei den Verhandlungen präsent.

Leider ist bis heute die Umsetzung des Konzeptes der gerechten Aufteilung des Nutzens sowohl im Rahmen der Biodiversitätskonvention wie auch im Rahmen der FAO mangelhaft: Es fliessen kaum Gelder in die Ursprungsländer der biologischen Ressourcen zurück. Biopiraterie – die Verwendung der biologischen Ressourcen ohne Vertrag und ohne Aufteilung des Nutzens ist bis heute weitverbreitet.

Public Eye hat mit vielen Fallbeispielen auf den Vollzugsnotstand hingewiesen. Eine Reform des Internationalen Saatgutvertrages und eine konsequente Umsetzung des Nagoya-Protokolls auf nationaler Ebene könnte diesem Missstand ein Ende setzen.