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Internationaler Saatgut-Vertrag

Der Internationale Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (ITPGRFA – International Treaty on Plant Genetic Resources for Food and Agriculture) wurde an der FAO-Konferenz 2001 in Rom gutgeheissen und trat in der Schweiz am 20. Februar 2005 in Kraft.

Ziele des Vertrags

  • Pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft, welche die Grundlage der Nahrungsmittel in der ganzen Welt darstellen, sollen erhalten und nachhaltig genutzt werden.
  • Der ausserordentliche Beitrag der Landwirte und Landwirtinnen zur Erhaltung und Entwicklung der pflanzengenetischen Ressourcen soll anerkannt und ihre daraus erfolgenden Rechte (Farmers Rights) respektiert werden.
  • Das globale Vertragswerk soll Landwirten, Pflanzenzüchterinnen und Wissenschaftlern den Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen erleichtern.
  • die aus der Nutzung der genetischen Ressourcen hervorgehenden Vorteile sollen mit den Ursprungsländern dieser Ressourcen und den LandwirtInnen geteilt werden.

Das multilaterale System

Kern des Saatgut-Vertrags ist ein multilaterales, von allen Vertragsstaaten gemeinsam getragenes System des Zugangs zu Agrarpflanzen. Das multilaterale System ist eine innovative Lösung, um den Zugang und Vorteilsausgleich sicherzustellen. 64 wichtige Kulturpflanzen - welche zusammen 80% der pflanzlichen Nahrungsgrundlage bilden – befinden sich in einen leicht zugänglichen globalen Pool von genetischen Ressourcen, der potentiellen Nutzern und Nutzerinnen aus den verschiedenen Vertragsstaaten für die Züchtung neuer Sorten frei zur Verfügung steht.

So kann das Material für Forschungszwecke ebenso wie für Ausbildungszwecke in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft und in der Züchtung genutzt und erhalten werden.

Genetischen Teile oder Bestandteile der Ressourcen, in der Form, in der sie vom multilateralen System entgegengenommen werden, dürfen nicht patentiert werden. Wer über das multilaterale System auf genetisches Material zugreift, verpflichtet sich mittels eines Standard-Materialtransfervertrages Vorteile aus deren Nutzung in einen Fonds einzubezahlen. Dieser Fonds soll insbesondere Landwirten und Landwirtinnen des Südens zu Gute kommen, welche für die Erhaltung der genetischen Ressourcen sorgen.

Dieses System weist noch viele Schwächen auf: Viele Sammlungen genetischer Ressourcen wurden noch nicht in das System integriert, es gibt keine Kontrolle, ob widerrechtliche Patente erteilt werden und es wurden bis jetzt keine Pflichtzahlungen in den Fonds getätigt. Deshalb laufen zur Zeit Verhandlungen für eine Überarbeitung des Vertrages, bei welchen Public Eye aktiv involviert ist.

Rechte der Landwirte und Landwirtinnen

Der Vertrag anerkennt den ausserordentlich grossen Beitrag der Landwirte und Landwirtinnen zur Erhaltung und Entwicklung pflanzengenetischer Ressourcen, welche die Grundlage der Nahrungsmittel in der ganzen Welt darstellen. Der Vertrag fördert den Schutz des traditionellen Wissens der Landwirte und Landwirtinnen, das Recht auf gerechte Teilhabe an den Vorteilen, sowie das Recht auf Mitwirkung an Entscheidungen auf nationaler Ebene. So sollen Landwirte und Landwirtinnen bei Fragen im Zusammenhang mit der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft mitreden können.

Nachhaltige Nutzung

Vier Nutzpflanzen bilden die Grundlage der globalen Ernährung: Reis, Weizen, Mais und Kartoffeln. Es existiert jedoch eine Vielfalt weiterer Nutzpflanzen, welche für hunderte Millionen Menschen die Nahrungsgrundlage bilden und die über das Potenzial verfügen, noch weit mehr Menschen zu ernähren. Der Vertrag unterstützt die Nutzung und die Zucht aller Nutzpflanzen und fördert die Entwicklung und Erhaltung vielfältiger landwirtschaftlicher Betriebssysteme.