Wie geschmiert: Ölhändler Gunvor im Kongo

© Public Eye
Dieser auf zweijährigen Recherchen beruhende Report von Public Eye enthüllt, mit welchen Mitteln sich der weltweit viertgrösste Rohstoffhandelskonzern Gunvor von Genf aus Zugang zum schwarzen Gold der Republik Kongo verschafft hat. Die Genfer Firma verliess sich dabei auf die Dienste zwielichtiger Personen und bezahlte sagenhafte Provisionen. Die Verantwortung für diese Praktiken schob Gunvor seit 2012 auf einen ehemaligen Angestellten. Doch die Enthüllungen von Public Eye beweisen, dass die zweifelhaften Praktiken auch nach dessen Entlassung andauerten. Um die Geschäfte in Brazzaville wieder aufzunehmen, nahm Gunvor einiges auf sich.

Report: Gunvor im Kongo

Öl, Schmiergeld, Politik.
Die Abenteuer einer Genfer Firma in Brazzaville.
Eine Geschichte in sechs Akten.

 

Die Recherche taucht ein in die trüben Gewässer des Rohstoffhandels und deckt die Geschäfte von Gunvor im Kongo, einem Land mit endemischer Korruption, auf. Das Genfer Unternehmen, das sich lange Zeit auf den Handel mit russischem Öl spezialisiert hatte, versuchte Ende der 2000er Jahre seine Geschäfte auf Afrika auszudehnen. Um im Kongo, einem besonders begehrten und riskanten Markt, Fuss zu fassen, setzte Gunvor auf seine Nähe zum Kreml. Eine Beziehung, die die Firma zu der Zeit öffentlich stets abstritt.

2011 machten sich die Anstrengungen von Gunvor bezahlt. Der Genfer Rohstoffhändler unterzeichnete einen überaus lukrativen Vertrag mit der kongolesischen Erdölgesellschaft SNPC. Im Gegenzug vergab Gunvor Kredite an den Staat – mit der Unterstützung zweifelhafter Mittelsmänner.   

Nach Veröffentlichung des Berichts beschuldigte das Unternehmen kurzerhand einen ehemaligen Mitarbeiter, ohne sein Wissen gehandelt zu haben. Aufgrund exklusiver Dokumente kann Public Eye jedoch belegen, dass die fragwürdigen Tätigkeiten auch nach Abgang des besagten Mitarbeiters weiter anhielten. Public Eye hat die Reaktion Gunvors untersucht:

Die Kommunikationsstrategie Gunvors - Géraldine Viret, Mediensprecherin Public Eye

Das Beispiel Gunvor verdeutlicht die Mitverantwortung des Rohstoffhandels für den Rohstofffluch sowie die Folgen, die das Fehlen von Regulierungen mit sich bringt. Es zeigt, wie realitätsfremd die Argumente gegen eine strengere Gesetzgebung sind. Lösungsansätze wären indes vorhanden, darunter unsere Forderung nach Zahlungstransparenz oder einer Rohstoffmarktaufsicht (ROHMA). Es ist Zeit für die Schweiz, zu handeln.

Warum die Schweiz handeln muss – Andreas Missbach, Mitglied der Geschäftsleitung bei Public Eye

In einer den Bericht ergänzenden Analyse zeigt Public Eye auf, dass die Argumente, welche die Rohstoffhandelsfirmen gegen eine Regulierung ihres Sektors vorbringen, durch ihre reale Geschäftspraxis konterkariert werden. Die Analyse hält die wichtigsten politischen Lektionen dieses komplexen Falls mutmasslicher Korruption fest und formuliert Empfehlungen an die Bundesbehörden, damit die Schweiz endlich ihren wirksamen Beitrag zur Bekämpfung des Rohstofffluchs leistet.

Mit dieser Recherche erreichte Public Eye, dass der Ständerat ein Postulat von Anne Seydoux-Christe angenommen hat, das vom Bundesrat einen Bericht darüber verlangt, ob die Massnahmen der Banken ausreichend sind, um Geldwäscherei und Geschäfte mit politisch exponierten Personen auch im Rohstoffhandel zu verhindern.

Weitere Informationen:

Licht in dunkle Geschäfte Recherchen zum Rohstoffhandel