Korruption in Gambia: Frankreich ermittelt gegen Genfer Tochterfirma von TotalEnergies

Recherchen von Public Eye zeigen, dass 2024 die Büros von Totsa, dem Handelsarm von TotalEnergies, in Genf durchsucht wurden. Dies im Rahmen einer Voruntersuchung in Frankreich wegen Korruptionsverdachts in Gambia. Der französische Ölkonzern belieferte bis 2014 einen engen Vertrauten des gambischen Präsidenten, der das Import-Monopol für Erdölprodukte hatte. 2018 wurde dieser Geschäftsmann wegen der Finanzierung der Hisbollah von den USA sanktioniert und 2024 verurteilt, weil er versucht hatte, diese Sanktionen zu umgehen.

In Kürze 

  • Über ein Jahrzehnt hatte TotalEnergies enge Geschäftsbeziehungen zu einem Vertrauten des gambischen Regimes, der verdächtigt wird, den Präsidenten bestochen zu haben. 
  • Die französische Staatsanwaltschaft für Finanzdelikte hat in dieser Sache eine Voruntersuchung eröffnet. 
  • Im Zuge dieser Ermittlungen wurden im Februar 2024 die Büros von Totsa in Genf durchsucht. 

Gambia, ein westafrikanischer Kleinstaat, der vollständig vom Senegal umschlossen ist, produziert kein Erdöl und ist für seine Versorgung vollständig auf Importe angewiesen. Dank seiner Beziehungen zum Diktator Yahya Jammeh, dem vorgeworfen wird, während seiner Regierungszeit (1994–2017) fast eine Milliarde Dollar veruntreut zu haben, amtete der belgisch-libanesische Geschäftsmann Mohammad Bazzi ab 2004 als Exklusiv-Importeur aller Erdölprodukte für Gambia. Seine Firma Euro African Group Limited (EAGL) erzielte damit eine Traummarge von 17% gegenüber dem Marktpreis, was seine gambische Hauptkundin, die «National Water and Electricity Company», fast in den Ruin trieb. 

Seine Produkte bezog Bazzi bei TotalEnergies (damals Total) und deren Genfer Handelsfiliale Totsa, die über ein Jahrzehnt hinweg von diesem Geschäft profitierten. Im Exklusivbericht von Public Eye lobt der Geschäftsmann in einem Brief von 2010 an Präsident Jammeh «diese solide Partnerschaft […], die sich im Laufe mehrerer Jahre enger Zusammenarbeit etablierte». 2017 setzte die neue gambische Regierung eine Kommission ein, welche die Verfehlungen von Präsident Jammeh und seinem Umfeld untersuchte. Sie kam zum Schluss, dass das Exklusivmandat für Bazzis Firmen einer «bevorzugten Position» entsprach, die «durch Schmiergelder und andere korrupte Praktiken» zustande kam. Die Kommission belegte Zahlungen von EAGL an Präsident Jammeh von rund 10 Millionen Dollar. 

Wegen des Verdachts auf Bestechung ausländischer Amtsträger hat auch das «Parquet national financier» (PNF) eine Voruntersuchung eröffnet. Nach Public-Eye-Informationen wurde die französische Staatsanwaltschaft für Finanzdelikte im Herbst 2021 aktiv, nachdem Transparency International France eine Anzeige gegen unbekannt eingereicht hatte. Die Genfer Totsa-Büros wurden 2023 auf Ersuchen der PNF durchsucht und seitdem wurden weitere Rechtshilfegesuche an die Schweiz adressiert. Auf Anfrage bestätigt die Bundesanwaltschaft, dass sie diese «derzeit ausführt», ohne aber ein eigenes Strafverfahren eröffnet zu haben. 

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