Unser Wettbüro zu den «Seco Secrets»

Das Seco macht es spannend. Seit Monaten hält es Unterlagen zu den Verhandlungen rund um den US-Deal unter Verschluss. Während die NZZ beim Öffentlichkeitsprinzip kapituliert, wetten wir auf den Inhalt der Papiere.

«Gantner Gate», «Rolex Records», «Parmelin Papers», «Seco Secrets» oder doch die «Budliger Billionaire Briefings»? Seit Monaten debattieren wir mögliche Titel für den Primeur über die Geheimabsprachen rund um die goldige Trump-Audienz der Schweizer Konzernchefs im Oval Office. Nicht für uns, sondern für die diversen Medienschaffenden, die mittels Öffentlichkeitsgesetz um Einblick in die verschiedenen Mails, Powerpoint-Folien und Berichte kämpfen.

Als der Eidgenössische Öffentlichkeitsbeauftragte dem Seco Anfang April empfahl, Journalist*innen vollständigen Zugang zu diesen Dokumenten zu gewähren, eröffneten wir das interne Wettbüro. Mit «Seco Secrets» gewinnt man für einen eingesetzten Espresso nur noch ein Café Crème, mit dem unwahrscheinlicheren «Rolex Records» trinkt man eine Woche lang gratis Macchiato. Et cetera.

Nachdem der Tages-Anzeiger letzte Woche nicht die grosse Enthüllung geliefert, sondern den kläglichen Zustand der «Vierten Gewalt» offenbart hat, mussten wir umdenken. Während ein unverdrossener NZZ-Journalist den Gang vors Bundesverwaltungsgericht nun als Privatperson antreten muss, um an die Dokumente zu gelangen, spekulieren wir jetzt lieber über deren Inhalt.

Gerne präsentieren wir einige unserer aktuellen Wettquoten, von 1,2 (so wahrscheinlich wie der nächste Trump-Zoll) bis 200 (unwahrscheinlicher als der Meistertitel 2026 von Aufsteiger FC Thun).

Quote 1,2: Powerpoint-Folien der Partners Group

Nach dem ersten Zollschock vom August 2025 arbeitete die Taskforce der Partners Group ein Wochenende durch, um dem Seco die nächsten strategischen Schritte zu präsentieren. Nur Tage später begleiteten zwei der Konzerngründer die Schweizer Finanzministerin Karin Keller-Sutter nach Washington. Wenn die Öffentlichkeitsbeauftragten des Seco auch nur halbwegs sauber arbeiten, müssten diese Powerpoint-Folien unter den Dokumenten sein. Lukrative Nebenwetten gibt es hier höchstens zur verwendeten Schriftart oder zur Farbe der Überschriften.

Quote 7: Infos zu Gantners Parallelinvestitionen in US-Gaskraftwerke

Seit den Verhandlungen über die horrenden Schweizer Investitionsversprechen (200 Milliarden Franken innert 5 Jahren) hat die Partners Group in den USA eine Reihe von Gaskraftwerken zusammengekauft. Wie CH Media kürzlich berichtete, war der Zuger Konzern dabei auf Bewilligungen und damit den Goodwill der US-Behörden angewiesen. Anfang Mai ist ein weiterer Kaufantrag für ein fossiles Mega-Kraftwerk im Bundesstaat New York eingegangen. Bei uns steigen die Einsätze derweil rasant: Wusste das Seco von diesen Geschäften, oder blieb es über diese (und andere?) Deals seiner Delegationsmitglieder im Dunkeln?

Quote 100: Aussenwirtschaftspolitische Strategie als PDF

Eigentlich müsste das Seco seine Handelspolitik ja an der aussenwirtschaftspolitischen Strategie des Bundesrats ausrichten. Seit den US-Strafzöllen scheint der Intranet-Zugang des Seco zu diesem PDF jedoch blockiert zu sein. Anders lässt sich nicht erklären, warum die darin festgeschriebenen Grundsätze nur noch Makulatur sind. Niemand bei uns glaubt, dass das Seco die Avancen der Milliardäre zunächst mit dem Einwand abgeblockt hat, der Bundesrat wolle primär «die Transparenz und Partizipation stärken».

Quote 200: Gruppenchat des «Team Switzerland»

Wie gut sich das Schweizer Verhandlungsteam verstand, ist spätestens klar, seit Milliardär Gantner der Seco-Chefin mundgeblasene Goldbarren für den Christbaum geschenkt hat. Zu Zeiten, in denen EU-Kommissionspräsidentinnen und US-Verteidigungsminister via Signal regieren, würde auch ein Gruppenchat fürs «Team Switzerland» nicht überraschen. Die schon leicht autoritär anmutende Aushebelung des Öffentlichkeitsprinzips lässt aber befürchten, dass das Seco alle wirklich interessanten Stellen sowieso schwärzen würde: also besonders flotte Sprüche, muntere Memes und Emoji-gespickte Signal-Nachrichten.

Schade eigentlich, denn selbst ein aus dem Ruder gelaufener Gruppenchat wäre wohl präsentabler als der aktuelle Zustand dieser Zollverhandlungen.

«Ein ehrliches Spiel unter guten Freunden ist ein redlicher Zeitvertreib.» — Voltaire

Manuel Abebe koordiniert bei Public Eye die Handelspolitik und recherchiert zum Rohstoffhandel.

Kontakt: manuel.abebe@publiceye.ch
Twitter: @manuelabebe

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