Vom Design zum fertigen Schuh

Public Eye hat gefragt: „Wie sieht er aus, euer fairer Traumschuh?“ Und mehrere Tausend haben mitgemacht und auf theshoecreator.ch ihren Lieblingsschuh entworfen. Wir haben daraus einen Gewinnerschuh ermittelt und uns auf den Weg gemacht, diesen möglichst fair herzustellen – was nicht ganz einfach war.
So sind wir vorgegangen.
© Public Eye

Handwerkerin oder Handwerker gesucht!

Schuhe werden meist in Massenproduktion hergestellt. Wir brauchen nur ein Paar, und das soll möglichst fair hergestellt werden. Wir haben uns darum auf die Suche nach Fachleuten gemacht und sind fündig geworden: Torben Fuchs ist Orthopädietechniker/Bandagist und neuerdings Hersteller von Upcycling-Schuhen & Flip-Flops. Er hat Lust auf unser Projekt und vor allem weiss er, worauf es bei guten Schuhen ankommt.

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Die Massnahme

Der Gewinnerschuh steht fest. Doch wie gross und breit soll das Paar werden? Wie sollen die Oberflächen und die Sohle gestaltet werden? Eine orthopädische Vermessung und ein Gipsabdruck sorgen dafür, dass die Schuhe nachher gut passen und ein langes Leben haben.

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Ein Leisten muss her

Ein Leisten ist eine Fussnachbildung aus Holz, auf dem der Schuh „aufgebaut“ wird. Er ist der eigentliche Kern des Schuhs. In unserem Fall hat Torben den Leisten selbst aus einem Holzscheit hergestellt.

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Das Leder

Wie giftig und gefährlich die Lederproduktion sein kann, wissen wir gut. Das Leder für unseren Schuh haben wir von Jürg Zeller. Er hat eine kleine Familiengerberei in Steffisburg – die letzte und einzige Gerberei der Schweiz -, er gerbt mit natürlichen Gerbstoffen und weiss, woher die Tiere kommen, deren Häute er verarbeitet.

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Ein Altreifen wird zur Sohle

Die Gummiabsätze des Gewinnerschuhs sind aus einem Altreifen geschnitten, der so noch einmal eine neue Verwendung findet.

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Was es sonst noch braucht

Die Brandsohle liegt zwischen Oberschuh und Sohle, bei unserem Schuh besteht sie aus Leder, Pappe, Bienenwachs und einem Teil eines alten Kotflügels! Damit der Schuh die Form behält, enthält er Kunststoffteile. Zwei davon hat Torben aus einem alten Plastik-Kanister ausgeschnitten, den wir im Herbst 2016 für unsere Dirty-Diesel-Kampagne verwendet haben. Zwei andere stammen von einem Kotflügel eines Schrott-Autos, den er aus dem Wald gefischt hat. Die Schnürsenkel bestehen aus Hanffaser.

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Und wie wird ein Schuh daraus?

Schnittmuster erstellen, schneiden, walzen, einfärben, vernähen, kleben, zwicken, pressen und verzieren… Torben hat den Schuh in einer alten Orthopädiewerkstatt in Bern gebaut. Die Maschinen standen mehr als ein Jahrzehnt still, doch jetzt sind sie wieder flottgemacht. Auf chemischen Klebstoff hätte er gerne verzichtet, doch die Suche nach langlebigen Alternativen gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Fertig!

Das ist er, der Gewinnerschuh. Ein echtes Original. Wir wünschen ihm Tanzvergnügen, Spaziergänge, sorgfältige Pflege und ein langes Leben. Und Torben und andere gute Schuhmacherinnen und Schuhmacher stehen bereit, wenn doch mal eine Reparatur ansteht.