Dubiose Türöffner: Glencore in der DR Kongo

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Im Dezember 2017 hat Public Eye bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen den Schweizer Rohstoffkonzern Glencore bezüglich seiner Tätigkeit in der Demokratischen Republik Kongo erstattet. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat nun - gemäss Medienberichten gestützt auf unsere Strafanzeige - im Juni 2020 eine Strafuntersuchung gegen den Konzern eröffnet, wegen mangelhafter Organisation zur Verhinderung mutmasslicher Korruption in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Geschichte ähnelt einem Hollywood-Blockbuster – in der Hauptrolle ein Diamantenmogul, der sich mit dem «grössten Unternehmen, von dem Sie noch nie gehört haben» (Reuters) verbündet: mit Glencore. Seit 2012 zerpflücken Medien und NGOs die zweifelhaften Geschäfte, welche der Zuger Konzern und Dan Gertler in der Demokratischen Republik Kongo tätigen, einem Land, auf dem der Rohstoff-Fluch besonders schwer lastet. Die vom International Consortium of Investigative Journalists veröffentlichten Paradise Papers haben im November 2017 neue explosive Elemente dieser Hochrisiko-Partnerschaft ans Licht gebracht.

Eine suspekte Verbindung

Fassen wir die Geschichte kurz zusammen: 2009 erhielt die von Glencore kontrollierte Minengesellschaft Katanga vom kongolesischen Staat äusserst profitable Kupfer- und Kobaltförderlizenzen. Um sich diese Schätze zu sichern, holte die Zuger Firma Dan Gertler an Bord, einen höchst umstrittenen israelischen Geschäftsmann. Wiederholt beteuerte Glencore, im Vorfeld gründliche Sorgfaltsprüfungen unternommen zu haben. Doch Gertlers schlechter Ruf war 2007, als der Rohstoffhändler und Bergbaukonzern die Partnerschaft mit ihm einging, bereits hinlänglich bekannt. Seine Nähe zu Präsident Kabila, dem er 2001 im Austausch gegen ein Monopol auf den Diamantenexport Waffen geliefert haben soll, sowie zur Nummer 2 des Regimes, Augustin Katumba Mwanke, wurde schon von der UNO und dem kongolesischen Parlament kritisiert. Und 2001 bezeichnete ein Expertenbericht an den Sicherheitsrat Gertlers Diamantengeschäfte sogar als «Albtraum» für die kongolesische Regierung. Doch all das schreckte Glencore keineswegs ab.

Die Einflussnahme von Glencore im Kongo. © Public Eye
Die Einflussnahme von Glencore im Kongo.

Neue Enthüllungen

Die Paradise Papers bestätigen Gertlers Schlüsselrolle bei Glencores kongolesischen Deals. Sie zeigen etwa, dass Katanga Mining Gertler mehrmals formell für Verhandlungen mit den kongolesischen Behörden mandatiert hat. Diese Entscheidungen fielen zum Zeitpunkt als Glencore im Begriff war, die Kontrolle über Katanga zu übernehmen und wurden in Anwesenheit von Aristotelis Mistakidis (Glencores «Mister Kupfer») getroffen.

Nachdem Glencore Gertler einen – an erfolgreiche Verhandlungen geknüpften – Kredit von 45 Millionen Dollar gewährt hatte, erreichte Katanga eine sensationelle Senkung der bei der Neuerteilung der Schürfrechte fälligen Lizenzgebühr von 585 auf 140 Millionen Dollar. Laut der NGO Resource Matters zahlte der Schweizer Konzern dem für die Lizenzvergabe zuständigen Staatsunternehmen Gécamines vier Mal weniger als die meisten seiner Konkurrenten. Ein miserables Geschäft für den Kongo, dem damit eine Summe in der Höhe eines Zehntels seines Haushaltsbudgets entgangen ist. Dabei muss knapp 80% der kongolesischen Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Kam dieser Deal gesetzeskonform zustande? Glencore und Gertler leugnen jegliche illegalen Handlungen. 

Ein lästig gewordener Partner

Glencore und Gertler waren bis Februar 2017 miteinander verbandelt. Die Firma distanzierte sich erst nach einem Entscheid der US-Justiz im September 2016 im Zusammenhang mit einem Korruptionsverfahren gegen den Hedge-Fonds Och-Ziff von Gertler und übernahm für insgesamt 922 Millionen Dollar dessen Anteile an verschiedenen Minen (neue Recherchen von Global Witness / PPLAAF lassen jedoch an diesen Distanzierungen zweifeln). Gerichtsdokumente im Fall Och-Ziff zeigten, dass innert zehn Jahren 100 Millionen Dollar Bestechungsgelder an kongolesische Beamte geflossen waren, die über einen «israelischen Geschäftsmann» und weitere Personen ausbezahlt wurden. Dieser Geschäftsmann wurde von zahlreichen Medien als Dan Gertler identifiziert.

  • © Simon Dawson/Bloomberg/Getty Images
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Dan Gertler bei einem Rundgang über die Anlagen von Katanga Mining, Firmensitz von Glencore in Baar.

Glencore im Visier der Justiz

Weil Katanga Mining in Kanada kotiert ist, untersucht die Börsenaufsicht, ob das Minenunternehmen seine Investorinnen und Investoren ausreichend über die mit seinen Aktivitäten im Kongo verbundenen Korruptionsrisiken informiert hat. Als diese Untersuchungen öffentlich bekannt wurden, ist Aristotelis Mistakidis aus Katangas Verwaltungsrat zurückgetreten. Und es kommt noch dicker: Anfang Juli 2018 hat das US-Justizministerium von Glencore die Herausgabe von Dokumenten zu seinen Aktivitäten in der Demokratischen Republik Kongo sowie in Nigeria und Venezuela gefordert. Washington ermittelt wegen dem Verdacht auf Korruption und Geldwäscherei. Auch die britische Anti-Korruptionsbehörde «Serious Fraud Office» hat am 5. Dezember 2019 bekannt gegeben, mutmassliche Bestechungszahlungen im Rahmen der Geschäftstätigkeit von Glencore zu untersuchen. Gemäss Medienberichten sollen diese Untersuchungen auch im Zusammenhang mit den Aktivitäten des Konzerns in der DR Kongo stehen. Und Mitte Juni 2020 wurde bekannt, dass auch die Schweizer Bundesanwaltschaft eine Untersuchung eröffnet hat. Die Sache wird für Glencore immer unangenehmer – die Minen im Kongo könnten den Konzern teuer zu stehen bekommen.

Glencore-Fälle weltweit

  • Juni 2020: Eröffnung einer Untersuchung durch die Bundesstaatsanwaltschaft wegen mangelhafter Organisation im Zusammenhang mit mutmasslichen Korruptionshandlungen in der Demokratischen Republik Kongo.
  • Dezember 2019: Untersuchung durch die britische Anti-Korruptionsbehörde Serious Fraud Office wegen Verdachts auf Korruption bei der Ausübung der Geschäfte.
  • April 2019: Eröffnung einer Untersuchung durch die Commodity Futures Trading Commission (US-Regulierungsbehörde für Termingeschäfte) wegen Verdachts auf Korruption im Zusammenhang mit Rohstoffgeschäften.
  • Dezember 2018: Ankündigung der Eröffnung einer Untersuchung durch die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft gegen Glencore und seine zwei Konkurrenten Vitol und Trafigura wegen Verdachts auf Zahlung von Bestechungsgeldern an Beamte der staatlichen Ölgesellschaft Petrobras.
  • Juli 2018: Einreichung einer Sammelklage beim Bezirksgericht von New Jersey durch eine Gruppe von US-Aktionärinnen und -aktionäre, die Glencore beschuldigen, in Bezug auf die Korruptionsvorwürfe gelogen zu haben, um seinen Aktienkurs nicht zu beeinträchtigen.
  • Seit Juli 2018: Untersuchung durch das US-Justizministerium wegen Verdachts auf Korruption und Geldwäscherei in Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo und Venezuela seit 2007.

Licht in dunkle Geschäfte Recherchen zum Rohstoffhandel