Petrobras-Skandal: Glencore, Trafigura und Vitol in Brasilien

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Seit 2014 erschüttert ein gewaltiger Korruptionsskandal rund um den halbstaatlichen Erdölkonzern Petrobras ganz Brasilien. In die Affäre verstrickt ist auch die Schweiz: Nicht nur flossen Millionen an Schmiergeldern auf Konten bei Schweizer Banken, auch Schweizer Rohstoffhandelsfirmen sind in die Seilschaften verwickelt.

2014 kam mit „Lava Jato“ – so der Codename der Untersuchungsbehörden – die grösste Korruptionsaffäre in der Geschichte Brasiliens ans Licht. Im Zentrum der „Operation Waschanlage“, wie „Lava Jato“ auf Deutsch heisst, steht die halbstaatliche Erdölgesellschaft Petrobras. Korrupte Manager und Politikerinnen und Politiker praktisch aller Parteien kassierten Provisionen, die von überteuerten Aufträgen zwischen Petrobras und privaten Unternehmen abgezweigt wurden. Damit sich niemand die Hände schmutzig machen musste, wurden die Gelder von dubiosen Vermittlern und professionellen Geldwäschern überwiesen, sogenannten „Doleiros“.

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Der Bundesrichter und designierte Justizminister Sérgio Moros (links) leitete die Ermittlungen zu Lava Jato. Paulo Roberto Costa (rechts), acht Jahre lang eine der zentralen Figuren bei Petrobras, wurde wegen Korruption verurteilt.

 Schon länger bekannt ist, dass ein grosser Teil dieser illegalen Gelder auf Dutzenden Konten von Schweizer Banken landeten. Doch damit nicht genug: Recherchen von Public Eye und Global Witness deckten auf, dass neben dem Finanz- auch der Rohstoffhandelsplatz der Schweiz in der Affäre eine wichtige Rolle spielte. Glencore, Trafigura und Vitol, drei der weltweit grössten Rohstoffhandelsfirmen, nahmen nachweislich alle die Dienste von „Doleiros“ in Anspruch, um an lukrative Verträge zu kommen.

Im Dezember 2018 leitete die brasilianische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die drei Schweizer Unternehmen wegen Verdacht auf Korruption ein.

Bis zuletzt hatten die drei Rohstoffkonzerne jede Verwicklung in korrupte Handlungen abgestritten. Doch laut der brasilianischen Staatsanwaltschaft deuten die Beweise „darauf hin, dass die untersuchten Unternehmen (d.h. Glencore, Vitol, Trafigura) Bestechungsgelder an Petrobras-Funktionäre bezahlt haben, um Vorteile, bessere Preise und mehr Verträge zu erhalten“.

Die Schweiz in der Verantwortung

Die Verstrickungen von Schweizer Unternehmen in diesen Korruptionsskandal zeigen deutlich den Handlungsbedarf auf politischer Ebene. Doch obwohl selbst der Bundesrat schon 2013 in seinem Rohstoffbericht Problemfelder in diesem Hochrisikosektor erkannte, setzt er nach wie vor auf freiwillige Massnahmen. Lösungsansätze wären indes vorhanden, darunter unsere Forderung nach Zahlungstransparenz oder einer Rohstoffmarktaufsicht (ROHMA).

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Licht in dunkle Geschäfte Recherchen zum Rohstoffhandel