Die Rohstoff-Drehscheibe Schweiz

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Die Schweiz ist weltweit der wichtigste Rohstoffhandelsplatz. Schätzungen zufolge beträgt der Weltmarktanteil beim Erdöl 35%, bei Metallen 60% und bei Zucker und Getreide je 50%. Die Mehrheit der umsatzstärksten Schweizer Firmen sind Rohstoffhändler wie Vitol, Trafigura Gunvor, Mercuria oder Glencore. Namen, die im September 2011, als Public Eye das Buch "Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz" publizierte, noch weitgehend unbekannt waren.

Die Rohstoffe kommen (mit Ausnahme von Gold) physisch nie in die Schweiz, sondern werden durch Schweizer Firmen direkt von Drittland zu Drittland transportiert. Zum einflussreichen „Commodity Hub“ wurde die ressourcenarme Schweiz dank der historisch gewachsenen Mischung aus standortpolitischen Steuerprivilegien, starkem Finanzplatz, schwacher Regulierung und nachlässiger Embargo-Politik.

Rohstoff-Förderung und Rohstoff-Handel verschmelzen zunehmend. Die meisten Schweizer Handelshäuser sind längst keine reinen Händler mehr. Sie dehnen ihre Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette aus und kaufen Minen, Ölbohrlizenzen, Lagerhäuser aber auch ganze Tankstellennetze. An der Spitze dieser Entwicklung steht die im Mai 2013 vollzogene Fusion von Glencore (ursprünglich eine reine Tradinggesellschaft) und Xstrata (ursprünglich eine Bergbaufirma).

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Die meisten Schweizer Rohstoffhandelsfirmen sind längst keine reinen Händler mehr, ihre Aktivitäten dehnen sich zunehmend entlang der ganzen Wertschöpfungskette aus.

Obwohl der Umsatz des Rohstoffsektors grösser ist, als etwa derjenige des Maschinenbaus oder des Tourismus, bringt er der Schweiz weniger wirtschaftlichen Nutzen als andere Branchen. Die rund 500 Unternehmen profitieren als „gemischte Gesellschaften“ von Steuerprivilegien und sie beschäftigen nach Berechnungen von Public Eye weniger als 8000 Mitarbeitende. Die Rohstofflobby spricht dagegen von über 36‘000 Mitarbeitenden (dazu unsere Analyse auf Englisch).

Handlungsbedarf erkannt – aber bisher ohne Folgen

Die Schweiz ist auch beim afrikanischen Rohöl der dominierende Handelsplatz: Rund ein Viertel des von staatlichen afrikanischen Ölgesellschaften 2011 – 2013 verkauften Öls ging an Schweizer Rohstoffhändler. In diesem Zeitraum kauften sie über 500 Millionen Barrel im Wert von rund 55 Milliarden Dollar. Dies entspricht 12% der Staatseinnahmen und dem Doppelten der gesamten Entwicklungshilfe an diese Länder. Dies zeigt das enorme Potential, das in der richtigen Verwendung dieses Reichtums liegt.

Grafik aus dem Bericht: „Big Spenders: Swiss Trading Companies, African Oil and the Risks of Opacity”: Die Bedeutung der Zahlungen von Schweizer Handelsfirmen für die 10 wichtigsten afrikanischen Ölexport-Länder, 2011-2013.

Als Sitzstaat von Firmen, die in vom Rohstoff-Fluch betroffenen Ländern besonders aktiv und manchmal sogar dominant sind, steht die Schweiz in der politischen Verantwortung. Public Eye zeigt mit Analysen und Recherchen, wie Schweizer Firmen durch Korruption und Geschäfte mit den Eliten der Förderländer, die sich einen Grossteil des Rohstoffreichtums unter den Nagel reissen, zum Rohstoff-Fluch beitragen. In seinem Transparenzbericht vom Juni 2014 anerkennt der Bundesrat die Problematik: «Rohstoffe werden oft in Ländern abgebaut, die über schlecht funktionierende staatliche Strukturen verfügen. Vor diesem Hintergrund besteht bei der Rohstoffextraktion bzw. beim Handel mit Rohstoffen regelmässig ein Risiko, dass die an die jeweiligen Regierungen geleisteten Zahlungen – wie etwa Steuern, Nutzungsabgaben oder weitere bedeutende Ausgaben – aufgrund von Misswirtschaft, Korruption und Steuerflucht versickern oder zur Konfliktfinanzierung missbraucht werden. In der Folge profitiert die Bevölkerung kaum vom Rohstoffreichtum ihres Landes und verbleibt in Armut.» Trotz dieser Einsicht folgen keine wirkungsvollen Vorschläge, wie sich die anerkannten Risiken dieser Branche für ressourcenreiche arme Länder - aber auch für die Reputation der Schweiz - politisch minimieren lassen.

Wanted: Schweizer Rohstoffmarktaufsichtsbehörde

Public Eye fordert deshalb eine Rohstoffmarktaufsicht Schweiz (ROHMA) für die umfassende Regulierung des Rohstoffsektors in der Schweiz. Als unabhängige Behörde könnte die ROHMA durch Aufsicht und Regulierung von Rohstoffförder- und Rohstoffhandelsfirmen sowie Goldraffinerien einen wichtigen Beitrag zur Verminderung der Problematik des Rohstoff-Fluchs für Entwicklung und Armutsbekämpfung in rohstoffreichen armen Ländern leisten.

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