Mercosur-Freihandelsabkommen: Warum Public Eye das Referendum unterstützt

Das Parlament hat das Freihandelsabkommen mit Mercosur im September 2026 genehmigt. Diese Ausweitung des Handels droht Menschenrechte und den Amazonas-Regenwald zusätzlich unter Druck zu setzen, weil wirkungsvolle Schutzmassnahmen fehlen. Darum unterstützt Public Eye das Referendum gegen das Mercosur-Abkommen.
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Mehr Fleischimporte, Pestizidexporte zum Nullzoll und zusätzlicher Druck auf Artenvielfalt und lokale Gemeinschaften im Amazonasgebiet. Das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay soll Zölle auf Schweizer Chemie- und Pharmaexporte sowie Maschinen senken und fördert im Gegenzug Fleisch- und Sojaimporte aus den lateinamerikanischen Staaten. Dort verschärft das Abkommen Missstände, ohne griffige Massnahmen gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung vorzuschreiben. Zwar enthält es ein Nachhaltigkeitskapitel, doch bei Verstössen gibt es keinerlei Sanktionsmöglichkeiten. Obwohl Regenwaldabholzung und moderne Sklaverei bekannte Probleme in der Agroindustrie der Mercosur-Staaten sind, lehnte das Parlament selbst minimale Schutzmassnahmen ab. Diese hätten verhindert, dass Produkte aus Entwaldung und Zwangsarbeit in die Schweiz gelangen. 

Mehr Agrarhandel bringt Menschenrechte unter Druck

Das Abkommen trägt den drängenden Problemen in der Agroindustrie ungenügend Rechnung. Die Verletzung der Rechte von Plantagenarbeiter*innen und moderne Sklaverei sind in Mercosur-Ländern verbreitet: Public Eye hat in den letzten Jahren wiederholt über solche Fälle berichtet, beispielsweise auf Kaffeeplantagen in Brasilien. Das Schweizer Parlament hat verbindliche Massnahmen gegen den Import von Produkten aus solcher Produktion abgelehnt. Auch gegen andere Missstände in der Agroindustrie, beispielsweise die Vertreibung lokaler Gemeinschaften, bietet das Mercosur-Abkommen nur unverbindliche Bekenntnisse.

Schäden für Regenwald und Klima

Das Abkommen treibt die Abholzung in den Mercosur-Staaten weiter an. Damit bedroht es die Artenvielfalt und befeuert die Klimakrise. Durch den Ausbau des Handels könnte dort jedes Jahr mehr als die Fläche des Bielersees zusätzlich gerodet werden, wie eine offizielle Studie im Auftrag der Bundesverwaltung zeigt. Zudem könnte der zusätzliche Handel mit Rindfleisch, Soja und Schokolade die aktuellen Treibhausgase im Agrarhandel zwischen der Schweiz und den Mercosur-Staaten mehr als verdoppeln. Trotz der staatlichen Pflicht, den Klimawandel wirkungsvoll zu bekämpfen, sieht das Abkommen bei den Agrarrohstoffen unzureichend spezifische Massnahmen zur Eindämmung dieser Risiken vor. Auch das Parlament hat verpasst, verbindliche Massnahmen gegen den Import von Produkten aus Entwaldung einzuführen.

Hochgiftige Pestizide profitieren von Nullzöllen

In den letzten 30 Jahren hat sich der Pestizid-Einsatz in der intensiven Landwirtschaft der Mercosur-Länder verzwölffacht. Dieser Giftcocktail besteht zu einem Grossteil aus Wirkstoffen,  bdie in der Schweiz und Europa wegen ihrer Gefahr für Mensch und Umwelt verboten sind. Das Mercosur-Abkommen fördert den Export solcher Pestizide sogar: Dutzende hierzulande verbotene Wirkstoffe könnten bald zum Nullzoll nach Brasilien und Argentinien exportiert werden. Davon profitieren in erster Linie Pestizidkonzerne wie die Basler Syngenta.

Breite Kreise lehnen das Mercosur-Abkommen ab

Das Abkommen stösst auch aus anderen Gründen auf breiten Widerstand: Mehr Fleisch aus problematischer Rinder- oder Pouletmast könnte in die Schweiz gelangen. Zudem unternimmt Brasilien zu wenig gegen Antibiotikarückstände und setzt andere Standards in der Fleischproduktion ungenügend um. Kleinbäuerliche Kreise in der Schweiz befürchten ausserdem erhöhten Preisdruck, der die lokale Produktion schwächen könnte.

Deshalb kündigte die Allianz gegen Regenwaldabholzung während der Herbstsession 2026 das Referendum gegen das Mercosur-Abkommen an. Public Eye gehört dieser Allianz an und unterstützt das Referendum gemeinsam mit Organisationen aus Umwelt- und Klimaschutz, Menschenrechten, Entwicklungspolitik und Landwirtschaft.

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