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In der Vergangenheit wurde im Rahmen der UNO mehrfach versucht, einen globalen Mindeststandard für die menschenrechtliche Verantwortung von Unternehmen zu definieren. Nachdem ein ambitionierter Versuch 2003 am Widerstand von Wirtschaft und Industrienationen gescheitert war, setzte Kofi Annan einen Sonderbeauftragten ein, um die Scherben zu kitten. Der Harvard-Politologe John Ruggie entwickelte, mit tatkräftiger finanzieller und personeller Unterstützung der Schweiz, innerhalb von sechs Jahren ein Rahmenwerk und ein Set von 31 Umsetzungsprinzipien. 2011 wurden diese UNO-Leitprinzipien (UN Guiding Principles on Business and Human Rights, UNGP) im Menschenrechtsrat einstimmig verabschiedet und von Staaten, Unternehmen und Zivilgesellschaft als kleinster gemeinsamer Nenner anerkannt.

Die UNO-Leitprinzipien beruhen auf drei Säulen:  

  • Schutzpflicht: Pflicht der Staaten, die Menschenrechte (auch gegen Bedrohung durch wirtschaftliche Akteure) zu schützen,
  • Respektierungsverantwortung: Verantwortung der Unternehmen, die Menschenrechte zu respektieren
  • Zugang zu Wiedergutmachung: Recht auf Wiedergutmachung bei Menschenrechtsverletzungen durch wirtschaftliche Akteure.


John Ruggie hatte während der Dauer seines Mandats 2005-2011 zusammen mit seinem Team zuerst diesen Bezugsrahmen erarbeitet und ihn dann konkretisiert. Die Erarbeitung fand mit einer Serie von globalen Konsultationen mit Staaten, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Forschung statt  

Heute bieten die «UNO-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte» einen globalen Minimalkonsens über die Verantwortung von Staaten und Unternehmen. Damit kann heute kein Unternehmen mehr eine Menschenrechtsverletzung damit entschuldigen, es halte sich doch an alle nationalen Gesetze. Sind die Gesetze in einem Land ungenügend oder werden nicht durchgesetzt, erwartet die internationale Gemeinschaft dennoch, dass ein Unternehmen die Menschenrechte jederzeit und überall respektiert.  

Für die Umsetzung der UNO-Leitlinien wurden die Staaten aufgerufen, Nationale Aktionspläne (NAP) zu entwickeln. Der Schweizer NAP wurde im Dezember 2016 mit zwei Jahren Verspätung veröffentlicht.