Wer wie viel an unserer Banane verdient
21. April 2026
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Tomás Ayuso / Panos Pictures
Für hunderttausende Bananenarbeiter*innen ist jeder Tag im selben Rhythmus getaktet. Auf den Plantagen schneiden Männer die zentnerschweren Büschel im Akkord von den tropischen Pflanzen und zerren sie auf Seilbahnen in die Packanlagen. Dort schneiden meist Frauen die Früchte zurecht, waschen und sortieren sie nach Grösse und Qualität in Kartons. Noch am selben Tag werden die grünen Bananen in Kühlcontainer gestapelt.
Bis sie in unseren Supermarktregalen landen, haben die Früchte einen weiten Weg vor sich. Zunächst geht es mit dem Lastwagen an den Hafen, dann weiter mit dem Schiff über den Atlantik. Die Reise vom 10'000 Kilometer entfernten Puerto Bolívar in Ecuador nach Antwerpen oder Hamburg dauert beispielsweise rund zwei Wochen. Anschliessend geht es weiter in Lagerhallen, wo die Importeure der Bananen mit einer warmen, feuchten Umgebung und etwas Reifegas der Frucht ihre gelbe Farbe entlocken.
Der Griff zur Banane gehört in der Schweiz für viele Menschen zum gewohnten Tagesablauf. Ob zum Frühstück, zwischendurch oder auf einer Wanderung: Eine Schweizer Person isst jedes Jahr durchschnittlich 100 Bananen. 37 davon wurden in Kolumbien angebaut, 30 in Ecuador, die restlichen in Panama, Peru oder einem der weiteren Länder, aus denen die Schweiz diese populärste aller Tropenfrüchte importiert. Jede zweite stammt inzwischen aus Fairtrade-Produktion, knapp jede dritte ist bio-zertifiziert. Kein anderes Land hat einen so hohen Konsumanteil an nachhaltig produzierten Bananen.
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Der Haken an Bananen: Monokultur & Pestizide
Weltweit wird praktisch nur eine Sorte Bananen für den Export angebaut, die Cavendish-Banane. Somit sind alle Pflanzen nahezu identische Klone ohne genetische Vielfalt. Diese werden zudem in grossflächigen Monokulturen produziert. Dies macht die Cavendish-Banane extrem anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Die Bananenindustrie versucht dem mit massivem Pestizideinsatz entgegenzuwirken: Kaum ein Agrarsektor setzt weltweit mehr davon ein. Pestizide verschmutzen die Böden und das Grundwasser; für Landarbeiter*innen und Anwohner*innen sind sie hochgefährlich. Mehr als die Hälfte aller Pestizide wird in Ländern des globalen Südens ausgebracht – darunter viele, die so gefährlich sind, dass sie in der Schweiz und der EU verboten wurden. Die globale Bananenindustrie bleibt aus ökonomischen und strukturellen Gründen bei der Monokultur: Die weltweiten Lieferketten sind auf die Cavendish-Banane optimiert, eine Diversifizierung sowie nachhaltigere Produktionsmethoden hätte Kosten und somit tiefere Gewinne zur Folge.
Die billigsten kosten derzeit etwa 1.20 Franken pro Kilo, für Bio-Bananen zahlt man rund 3 Franken. Auf dem Preisschild bleibt jedoch verborgen, dass entlang dieser Kette vor allem jene an der – nach dem Apfel – zweitliebsten Schweizer Frucht verdienen, die wenig bis nichts mit dem Anbau zu tun haben. Wie viel bei Pflücker, Händler oder Transporteur landet, unterscheidet sich zwar je nach Herkunftsland, verhandelten Verträgen oder Zertifizierung. Die Plantagenangestellten verdienen aber grundsätzlich nur einen geringen Anteil am Gesamtertrag – im Schnitt etwa 7%. Ungleich mehr verdienen Plantagenbesitzer (13%) oder Importeure (19%). Hauptprofiteure sind aber Detailhändler wie Migros und Coop, an die rund 40% vom Verkaufspreis geht.
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Fabian Lang
Für Konzerne wie Chiquita, Del Monte oder Dole ist die Banane vor allem deswegen ein grandioses Geschäft, weil sie über verschiedene Tochtergesellschaften mehrere Produktionsschritte kontrollieren. Sie führen nicht nur die knallharten Lohnverhandlungen, sondern haben auch einen unbestrittenen Überblick über die Branche. Mit dieser integrierten Wertschöpfung, wie sie im Agrarrohstoffhandel üblich ist, sichern sie sich die Erträge von den Plantagen über die Containerschiffe bis zu den Reifereien. Damit kommen Chiquita & Co auf einen ähnlich grossen Anteil am Gesamterlös wie die Supermärkte.
Für die Bananenhändler unterliegt das Geschäft einem anderen Takt als ihren Arbeiter*innen. Sie bestimmen über mehrere Millionen Tonnen Früchte pro Jahr: woher sie kommen, wohin sie gehen – sogar wann sie reif werden. Wie sehr sich das auszahlt, merken sie von einem Quartalsabschluss zum nächsten.
Die Schweiz als Bananendrehscheibe
Der globale Bananenhandel wird von einigen wenigen vertikal integrierten Konzernen dominiert. Die grössten vier kontrollieren Schätzungen zufolge rund 44% des Geschäfts, weswegen der Wettbewerb als eingeschränkt gilt. Die Schweiz spielt, wie bei vielen Rohstoffen, auch hier eine zentrale Rolle. Denn neben Chiquita hat auch Fyffes seinen Hauptsitz in der Genferseeregion. Und in Zug betreibt mit Fresh Del Monte ein dritter Konzern sein Handelszentrum.
Mit ihrer Schlüsselrolle im Agrarrohstoffhandel kommt der Schweiz auch im Bananensektor eine besondere Rolle zu. Hierzulande können Labels zwar einen Anhaltspunkt für sozial und ökologisch verträglichen Bananenkonsum bieten. Ein viel grösserer Hebel zum Schutz von Menschenrechten und Umwelt in der Bananenproduktion liegt aber in der effektiven Konzernregulierung.