Die Bienenkiller

Gemäss unserer Analyse haben die fünf Agrochemiegiganten 10% ihrer Umsätze im Jahr 2018 mit Pestiziden generiert, die für Bienen hochgiftig sind. Dies entspricht 1,3 Milliarden US-Dollar. Diese Produkte sind wesentlich mitverantwortlich für das prognostizierte Aussterben etlicher Bestäuberinsekten, das die weltweite Ernährungssicherheit bedroht.

CropLife schreibt auf ihrer Website dass sich die Pestizidindustrie der «zentralen Rolle» von Bienen und anderen bestäubenden Insekten für die Landwirtschaft bewusst sei. Darum habe man sich der Förderung landwirtschaftlicher Praktiken verschrieben, welche sich positiv auf die Gesundheit der Bestäuber auswirken würden. Eine nicht sehr glaubwürdige Aussage, denn unsere Analyse zeigt, dass BASF, Bayer, Corteva Agriscience, FMC und Syngenta 2018 10% ihrer Umsätze – in der Höhe von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar – Pestiziden verdanken, die von der US-Umweltschutzbehörde EPA als «hochtoxisch für Bienen» eingestuft wurden. Syngenta ist mit fast der Hälfte dieser Verkäufe auch hier die Nummer eins.

Realitätsverweigerung

Der Basler Konzern behauptet, dass die Medien die «vorhandenen wissenschaftlichen Daten» zum Bienensterben «überspitzt» darstellen würden. Er versucht auch, die Rolle von Pestiziden herunterzuspielen, obwohl die Wissenschaft diese als eine der Hauptursachen für das weltweite Insektensterben anerkennt – eine ernsthafte Bedrohung für die Ernährungssicherheit. Diese Realitätsverweigerung erinnert an die Strategien von Tabakkonzernen, die sich lange gegen wichtige Regulierungen gesträubt haben. Für Dave Goulson, Professor für Biologie an der Universität von Sussex und Autor zahlreicher Studien zum Thema, gibt es keinen Zweifel: «Es gibt überwältigende Beweise dafür, dass wir uns inmitten einer Biodiversitäts-Krise befinden, mit einer Aussterberate, die etwa 1000-mal über der natürlichen liegt. Wir verlieren zahlreiche wildlebende Arten, insbesondere Insekten. Die Ursachen sind vielfältig, aber es ist eindeutig erwiesen, dass Pestizide den Bestäubern schaden.»

Die Topseller der CropLife-Konzerne in dieser Kategorie sind Thiamethoxam von Syngenta und Imidacloprid von Bayer, zwei bienenschädliche Insektizide der Klasse der Neonikotinoide, die nach einem langen Rechtsstreit 2018 auf den Äckern der EU und der Schweiz verboten wurden. Laut FAO und WHO gibt es immer mehr Beweise dafür, dass Neonikotinoide sich «in grossem Ausmass negativ auf Bienen und andere Nützlinge» auswirken.

Ein weiteres für Bienen hochgiftiges CropLife-Pestizid ist das von Bayer und BASF verkaufte Insektizid Fipronil. «Seine Toxizität für Bestäuber ist mit derjenigen der Neonikotinoide vergleichbar», sagt Dave Goulson. Fipronil wurde für das Massensterben von Honigbienen in Frankreich in den 1990er Jahren verantwortlich gemacht. Es wurde in der EU verboten, weil es «ein hohes akutes Risiko für Honigbienen darstellt, wenn es im Maisanbau zur Saatgutbehandlung verwendet wird», wie die EFSA feststellte.

Der wichtigste Abnehmer ist auch für diese Produkte Brasilien, wo letztes Jahr innerhalb von nur drei Monaten 500 Millionen Bienen starben. Hauptursache waren Neonikotinoide und Fipronil, wie eine Recherche der brasilianischen NGOs Agência Pública und Repórter Brasil ergab. «Es ist erschreckend, dass gerade in einem Land mit enormer Biodiversität wie Brasilien tonnenweise Pestizide verkauft werden, die für Bienen und alle bestäubenden Insekten hochgiftig sind», gibt Dave Goulson zu bedenken.

Zusätzlich zu diesen Bestsellern haben die Konzerne von CropLife gemäss unseren Recherchen 37 weitere Pestizide verkauft, die bekanntermassen hochgiftig für Bestäuber sind. «Es ist beschämend, wie sich die chemische Industrie den Diskurs der nachhaltigen Entwicklung aneignet, während sie gleichzeitig ein alles andere als nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgt», sagt Baskut Tuncak. Und kommt zum Schluss:

«Ob sie die biologische Vielfalt zerstören, die Umwelt verschmutzen, Arbeiterinnen und Arbeiter vergiften oder sich in der menschlichen Muttermilch anreichern: hochgefährliche Pestizide sind nicht nachhaltig. Eine sichere Anwendung dieser Chemikalien ist schlicht nicht möglich, und sie müssten längst weltweit verboten sein».