Syngentas giftiges Geschäftsmodell

© Mark Henley / Panos Pictures
Syngenta ist weltweit die Nummer eins auf dem Pestizidmarkt. Der Agrokonzern streicht sehr gerne seine Bemühungen für Innovation und Nachhaltigkeit hervor. Unsere exklusive Recherche zeigt jedoch, dass der Verkauf hochgiftiger Pestizide ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells des Basler Konzerns ist. Syngenta profitiert von schwachen Regulierungen in Ländern wie Brasilien, Argentinien oder Indien, um dort weiterhin hochgefährliche Produkte zu verkaufen, von denen viele in der Schweiz oder in der Europäischen Union nicht mehr zugelassen sind.

Syngenta präsentiert sich als «Agrarunternehmen», das einen Beitrag zur Welternährung leisten und dabei Landwirte genauso wie die Biodiversität schützen wolle. Mit seinem Programm für verantwortungsvolles Wachstum, dem «Good Growth Plan», beteuert der Konzern seine Nachhaltigkeitsbestrebungen – unter grossem Einsatz von beeindruckenden Zahlen, grünen Pflanzen und lächelnden Gesichtern.

Unsere Recherchen zeichnen ein etwas anderes Bild dieses Aushängeschilds der Schweizer Wirtschaft.

Im Jahr 2017 hat Syngenta mit dem Verkauf von Pestiziden 9,244 Mia. Dollar Umsatz gemacht, was 17% des gesamten Marktvolumens von 54 Mia. Dollar in 2017 entspricht. Welchen Anteil haben hochgefährliche Pestizide an dieser Erfolgsgeschichte? Unsere exklusive Recherche zeigt, dass der Verkauf dieser giftigen Substanzen ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells des Basler Konzerns ist.

Auf der Basis der Daten von Phillips McDougall kann Public Eye erstmals den Umfang des Geschäfts mit hochgefährlichen Pestiziden aufzeigen. Allein 2017 hat Syngenta gemäss unseren Schätzungen mit dem Verkauf hochgefährlicher Pestizide einen Umsatz von rund 3,9 Mia. Dollar erzielte. Das sind mehr als 40% ihres Gesamtumsatzes aus dem Pestizidverkauf.

Eine Analyse auf der Grundlage bisher unveröffentlichter Daten

Unsere Recherche stützt sich auf die Pestizid-Verkaufszahlen von Phillips -McDougall, einem englischen Privatunternehmen, das sich als «Marktführer in der Geschäftsanalytik für die Saatgut- und Pflanzenschutzindustrie» präsentiert. Deren Datenbank  dient etwa der US-Umweltschutzbehörde und der Industrie als Referenz. Die verwendeten Daten erfassen zwar nicht den gesamten Markt, doch sie sind genügend repräsentativ, um den weltweiten Absatz pro Substanz, die Volumina der wichtigsten Verbraucherländer und auch Syngentas Marktanteile schätzen zu können.

Der Basler Konzern brüstet sich auch damit, Landwirtinnen und Landwirten «erstklassige Forschung und innovative Lösungen» zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich aber hat er seit 2000 gerade einmal acht neue Moleküle entwickelt. Seine giftigen «Blockbuster», darunter äusserst umstrittene Substanzen wie Paraquat, Glyphosat, Lambda-Cyhalothrin und Atrazin, sind seit Jahrzehnten auf dem Markt.

4 Zahlen, die zeigen, dass HHPs integraler Bestandteil des Geschäftsmodells von Syngenta sind

  • 42 von 120 Syngenta-Pestiziden sind auf der HHP-Liste von PAN
  • 15 der 32  Pestizide, die Syngenta als ihre Bestseller präsentiert, stehen auf der schwarzen Liste von PAN
  • 42% des weltweiten Umsatzes von Syngenta im Bereich Pestizide wird mit HHPs erzielt.
  • 18% beträgt Syngentas Marktanteil am globalen HHP-Business.

Brasilien ist Syngentas mit Abstand wichtigster Absatzmarkt für hochgefährliche Pestizide. Auch Argentinien, China, Paraguay, Mexiko, Indien, Vietnam, die Philippinen, Kenia und Ghana sind bedeutende Abnehmer. Der Konzern vermarktet seine hochgiftigen Produkte systematisch in Ländern Lateinamerikas, Asiens oder Afrikas, wo er gemeinsam mit anderen Konzernen mit Hochdruck daran arbeitet, ein von der Agrarchemie abhängiges Landwirtschaftsmodell durchzusetzen.

Syngentas Antwort

Auf unsere Anfrage hin erhielten wir vom Basler Konzern eine ausführliche Antwort. Syngenta schreibt, man sei «nicht einverstanden mit der von PAN ausgearbeiteten Liste». Syngenta spricht sich für eine Reglementierung von Pestiziden aus, die nicht auf den inhärenten Gefahren dieser Substanzen beruht, sondern auf den mit der Exposition verbundenen Risiken, welche etwa durch Schulungsprogramme für Bäuerinnen und Bauern reduziert werden könnten. Die Firma versichert, dafür zu sorgen, dass die Risiken ausreichend identifiziert und auf ein Minimum reduziert werden. Sie beteuert, sie respektiere «alle Gesetze und Sicherheitsstandards der Länder, in denen unsere Produkte vermarktet werden».