Navigationspfad

Der Markt in der Elfenbeinküste und in Ghana

Die Elfenbeinküste und Ghana produzieren zusammen 60 Prozent des weltweit verwerteten Kakaos.

Elfenbeinküste

Im Jahr 2012 hat die Regierung der Elfenbeinküste Reformen des Kakaosektors an die Hand genommen und den Kaffee-Kakao-Rat (Conseil du Café-Cacao) gegründet, dessen Vorgängerbetrieb während der Liberalisierung vor 20 Jahren aufgelöst wurde. Der Kaffee-Kakao-Rat dient einerseits als Plattform für den Dialog zwischen Privatsektor und Staat, andererseits als Marketinggremium des ivorischen Kakaosektors. Die Wiedereinführung des Kaffee-Kakao-Rates wird grundsätzlich auch von der Industrie unterstützt, da gemerkt der internationale Kakaosektor sich der Tatsache bewusst geworden ist, dass der Staat eine wichtige Rolle spielt und der reine Wettbewerb unter den herrschenden Bedingungen kontraproduktiv ist.

Zu den Zielen des Conseil du Café-Cacao gehören unter anderem:

  • Stärkung der Position auf dem Weltmarkt (Anteil von 50%),
  • Steigerung der Produktivität,
  • Verbesserung der Qualität,
  • Steigerung der Einkommen,
  • Auszahlung von 60 Prozent des Weltmarktpreises an die KakaoproduzentInnen,
  • Aufbau von transparenten Vermarktungswegen,
  • Kontrolle der Einhaltung des garantierten Einkaufspreises,
  • Kontrolle und Verifikation der Kaufdokumente bei Kooperativen und Exportstellen,
  • Kontrolle der KäuferInnen durch ein Register,
  • Stabilere Preise durch Verkauf von 70 – 80 Prozent der voraussichtlichen nächsten Ernte,
  • Diversifizierung des Anbaus,
  • Reduktion der Kakaosteuern auf 22 Prozent,
  • Verbesserung der ländlichen Infrastruktur (Strassen, Schulen, Strom),
  • Inventar aller Nachhaltigkeitsprogramme und die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen dem Privatsektor den staatliche Stellen, den Nichtregierungsorganisationen, den Zertifizierungsorganisationen, der Forschung und den Programme zur Reduktion der Kinderarbeit.

Die ivorische Regierung versucht, die ambitiösen Ziele Schritt für Schritt umzusetzen. Für die Erntesaison 2013/14 hat sie den Mindestpreis, den die Bäuerinnen und Bauern erhalten, von 750 CFA auf 850 CFA erhöht ($1‘487 pro Tonne). Zudem hat sie gewisse Regulierungen des Sektors vorangetrieben, was ihr allerdings von Industrieseite Kritik eingebracht hat, da dadurch deren Profite geschmälert wurden.

Das frisch gestartete 2QC Programme (Quantité, Qualité, Croissance) ist ein Versuch der Regierung, der im Jahr 2012 unterzeichneten Global Cocoa Agenda gerecht zu werden. Es wird kritisiert, dass die VertreterInnen der Bäuerinnen und Bauern dort zu wenig repräsentiert sind. Trotzdem sind diese Anstrengungen ernstzunehmen.

Ghana

Ghana war lange der weltweit grösste Exporteur von Kakao. Nach der Unabhängigkeit (1957) wurde der Export von Kakao zur Hauptquelle für Deviseneinnahmen. Doch der Preisverfall für Kakao ab den 1970er Jahren, eine Dürre (1982), verheerende Buschfeuer (1984) und die Ausbreitung von Krankheiten führten zu stark sinkenden Exportmengen. Hinzu kamen massive Probleme bei der Vermarktung des Kakaos durch politisches Chaos, weit verbreitete Korruption und Misswirtschaft in der staatlichen Vermarktungsbehörde.

Erst ab Ende der 1980er Jahre verbesserte sich die Situation. Reformen haben dazu geführt, dass die staatliche Kakaobehörde, das Cocoa Marketing Board (COCOBOD), heute wesentlich effizienter arbeitet als früher. Das COCOBOD legt den Preis fest, den die Bauern und Bäuerinnen für Kakao erhalten. Es überwacht und reguliert den Handel mit Kakao. Das COCOBOD sowie weitere geprüfte und lizenzierte Unternehmen unterhalten rund 3000 Handelsstellen in den Dörfern der Kakaoanbaugebiete.

Das COCOBOD kontrolliert die Qualität des Kakaos, unterhält Forschungsstationen zur Zucht ertragreicherer Kakaosorten und soll Bauern und Bäuerinnen mit subventionierten Düngermitteln und Pestiziden versorgen. Darüber hinaus ist ausschliesslich eine Unterorganisation des COCOBOD dazu berechtigt, Kakao zu exportieren.

Trotz einiger positiver Ansätze bleiben die Lebensbedingungen des grössten Teils der vom Kakaoanbau lebenden Familien schlecht, Kinderarbeit ist auf ghanaischen Kakaoplantagen weiterhin verbreitet.

Zudem wurde es in den vergangenen Jahren für das COCOBOD immer schwieriger, die Kakao anbauenden Familien zu unterstützen – unter anderem wegen der Abwertung des Ghanaischen Cedi. Während die Preise für Dünger, Pestizide sowie Konsumgüter immer weiter stiegen, sank der Anteil der Bäuerinnen und Bauern am Weltmarktpreis signifikant während der Erntesaison 2013/2014. Die Konsequenz daraus war, dass immer mehr Kakao in die Elfenbeinküste geschmuggelt wurde. Deshalb musste das COCOBOD den Anteil für die Kakaobäuerinnen und –bauern für die Erntesaison 2014/2015 stark erhöhen: Und zwar von 3.392 Cedis auf 5.520 Cedis pro Tonne ($1‘630). Das Programm für subventionierten Dünger und Pestizide musste das COCOBOD aus finanziellen Gründen allerdings bald nach dem Start wieder absetzen.