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Drohende Versorgungslücke

Der Kakaosektor befindet sich nicht nur aus menschenrechtlicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht in der Krise – bereits für das Jahr 2020 droht ein Kakao-Versorgungsengpass von einer 100‘000 Tonnen.

Zwar hat sich die bisher angenommene Lücke von einer Million Tonne Kakao bis zum Jahr 2020  inzwischen relativiert auf 1/10 davon. Die Dynamik, dass immer mehr Menschen dem Kakaoanbau den Rücken kehren, besteht jedoch weiterhin. Die jüngeren Generationen wollen nichts mehr mit Kakao zu tun haben, denn der Kakaoanbau stellt keinen Weg aus der Armut dar, im Gegenteil. Die Betroffenen sind mit sozialen und ökologischen Problemen konfrontiert. Sie haben keine Verhandlungsmacht und sind daher von einem existenzsichernden Einkommen weit entfernt.

Aufgrund fallender Kakaopreise, hoher Ausgaben und schwieriger politischer Umstände können die Kakaobäuerinnen und -bauern keine Investitionen in die Plantageninfrastruktur (Geräte, Dünger, Pestizide u.Ä.) und in Weiterbildungen tätigen.

Die mangelnden Investitionsmöglichkeiten führen dazu, dass die Pflanzen überaltern oder krank sind, dies wiederum hat sinkende Ernteerträge zur Folge. In der Elfenbeinküste sind beispielsweise 46% der Bäume älter als 20 Jahre und 19% älter als 30 Jahre.

Aufgrund der tiefen Einkommen und der sinkenden Erträge wenden sich Bäuerinnen und Bauern dem Abbau anderer Agrarrohstoffe (z.B. Kautschuk) zu. Ihre Kinder kehren dem Land den Rücken und gehen in die Städte oder ins Ausland. In Ghana lag das Durchschnittsalter der Kakaobäuerinnen und -bauern im Jahr 2004 bei 53 Jahren, und in einer Befragung gab nur ein Fünftel von ihnen an, dass ihre Kinder die Plantagen übernähmen.

Hinzu kommt, dass die Anbauflächen beispielsweise in Westafrika, durch die Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigt sind. Es stellt sich die Frage, ob diese langfristig überhaupt zu nutzen sind. Die Zukunft für Kakao-ProduzentInnen sieht düster aus.

Potenzieller Verlust an Arbeitskräften im Kakaosektor verglichen mit der potenziellen Nachfrage an Kakao

Potenzieller Verlust an Arbeitskräften im Kakaosektor verglichen mit der potenziellen Nachfrage an Kakao
Cocoabarometer 2012

Die weltweite Nachfrage nach Kakao steigt, angebaut werden kann er weltweit jedoch nur in einem Gürtel mit tropischen Klima. Auch in den Schwellenländern steigt die Nachfrage nach Kakao. Der Konsum von Schokolade soll bis zum Jahr 2020 weltweit um bis zu 25 Prozent steigen. Besonders für die Schweiz mit ihrer Schokoladenexporttradition ist daher eine Verbesserung der Lebenssituation der ProduzentInnen aus wirtschaftlicher Sicht von unmittelbarem Interesse.

Es wäre anzunehmen, dass die Kakaobäuerinnen und -bauern durch diese Knappheit eine ausgezeichnete Verhandlungsposition haben, um einen guten Kakaopreis auszuhandeln. Die Realität sieht aufgrund der dominierenden Strukturen und Akteure jedoch anders aus.