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Kakaoanbauende in der Elfenbeinküste erhielten bis 2011 nur etwa 35 bis 50 Prozent des Weltmarktpreises für ihren Kakao – während ihre Konkurrenten in anderen Weltregionen zwischen 75 und 90 Prozent erhalten. Inzwischen ist die Regierung bestrebt, den Bauernfamilien einen Mindestpreis zu bezahlen, der 60 Prozent des Weltmarktpreises ausmacht.

Die Kakaopreise, seit November 2008 stetig gestiegen, erreichte im Frühjahr 2011 wegen der politischen Krise in der Elfenbeinküste kurzzeitig ein Rekordhoch. Preistreibende Faktoren für den Kakao sind laut Statistiken der International Cocoa Organization (ICCO) das Angebotsdefizit (magere Ernte wegen schlechtem Wetter und Krankheiten) und das Pokerspiel mit den Kakao-Futures auf den Finanzmärkten.

Der reale Kakaopreis hat sich laut einem Bericht des Südwind Instituts für Ökonomie und Ökumene zwischen 1980 und 2010 ungefähr halbiert. Betrachtet man die Schwankungen innerhalb dieses Zeitraums, waren die Ausschläge noch weit grösser: so kostete eine Tonne Kakao im Jahr 1980 5.044 US-Dollar, im Jahre 2000 waren es nur noch 1.201 US-Dollar (inflationsbereinigt). Die Bauern erhielten für die gleiche Menge Kakao demnach nur noch ein Viertel der ursprünglichen Erlöse.

Volatilität der realen Kakaopreise zwischen 1980 und 2012

Volatilität der realen Kakaopreise zwischen 1980 und 2012
Cocoa Barometer 2012 Das Einkommen der Bauernfamilien durch den Verkauf von Kakao hat sich zwischen 1980 und 2012 halbiert.

Ursache des Preisverfalls in den 1990er Jahren waren nicht nur gestiegene Erntemengen. Unternehmensfusionen, verbesserte Transportmöglichkeiten, moderne Kommunikationstechnologie sowie effizientere Börsengeschäfte verringerten die Notwendigkeit der Vorratshaltung in Lagern. Die Reduzierung der Lager wiederum führte durch den zusätzlich auf den Markt gebrachten Kakao zu sinkenden Preisen. Zwar stieg der Kakaopreis wieder und erreichte im März 2011 aufgrund der politischen Krise in der Elfenbeinküste kurzzeitig 3.730 US-Dollar. Doch die Rekordernte der Erntesaison 2010/2011 führte zu einem Rückgang der Preise auf 2.197 US-Dollar im Dezember 2011 und damit auf weniger als die Hälfte dessen, was die Bauern vor 30 Jahren eingenommen haben.

Während sich die Verarbeiter von Rohkakao und von Schokolade über langfristige Lieferverträge sowie Absicherungsgeschäfte an den Kakaobörse gegen Preisschwankungen absichern können, haben die Bauernfamilien praktisch keinen Schutz vor fallenden Preisen.

Was gehört zu einer fairen Preispolitik?

Wichtige Elemente einer gerechteren Preispolitik sind die Berechnung eines existenzsichernden Einkommens, die Festlegung eines Mindestpreises, die teilweise Vorfinanzierung der kommenden Ernte und eine gewisse Preisstabilität. Diese kommt u.a. durch langjährige Handelsbeziehungen zustande und erlaubt es Kakaoanbauenden, Risiken und Investitionen berechnen zu können.

Auch die Förderung einer verstärkten Wertschöpfung in den Anbauländern trägt dazu bei, dass die lokalen Familien ein höheres Einkommen erwirtschaften können. Claro beispielsweise hat in Bolivien über viele Jahre innerhalb der Kooperativen die Produktion von Kakaobutter gefördert.

Schliesslich sollte sich die Qualitätsprämie innerhalb einer gemeinsam definierten Skala bewegen, um drastische Schwankungen zu verhindern. Denn auch eine Bauernfamilie, die den besonders für die Herstellung von Kakaobutter verwendeten konventionellen Kakao produziert, soll vom Anbau leben können.