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Die Rolle der Schweiz

Schokolade wird hierzulande mit knapp 12 Kilogramm pro Kopf und Jahr nicht nur weltweit am ausgiebigsten konsumiert, sondern ist auch eines der bekanntesten und beliebtesten Schweizer Exportprodukte.

In der Schweiz haben fünf der weltweit grössten Schokoladeproduzenten und Kakaoverarbeiter ihren Hauptsitz: Barry Callebaut in Dübendorf, Mondelez (ehemals Kraft Foods) in Zürich, Lindt&Sprüngli in Kilchberg, Ecom in Pully und Nestlé in Vevey.

Die Bereitschaft der Schweizer Schokoladen-Branche, Auskunft über die Herkunft ihres Kakaos, die Ausgestaltung ihrer Lieferketten und die Einkaufspolitik zu geben, hat zwar im Verlauf der letzten Jahre zugenommen und das Interesse einiger Firmen, Kakaobohnen bei Kooperativen in den Anbauländern direkt zu beziehen, ist grösser geworden. Allerdings  sind die daraus resultierenden Projekte nur ein Tropfen auf den heissen Stein, denn sie decken nur einen geringen Teil des Kakaobedarfs von Schweizer Firmen.

Die meisten Unternehmen wissen nach wie vor nicht, woher der Grossteil ihrer Kakaobohnen kommt – besonders bei der Kakaobutter gibt es erhebliche Lücken bei der Rückverfolgbarkeit. Die mangelnde Kenntnis der eigenen  Lieferkette erschwert eine Entwicklung hin zu mehr Transparenz, Monitoring und Wiedergutmachungsanstrengungen.

Die im März 2013 publizierte Public Eye-Studie (PDF, 4.8 MB) gibt Auskunft über das Engagement der Schweizer Schokolade- und Kakaofirmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Menschenrechtssituation in der Kakaoproduktion.

Obwohl drei der weltweit grössten Kakao- und Schokoladeunternehmen in der Schweiz ansässig sind, hat der Schweizer Staat im Vergleich zu Ländern wie Deutschland und Holland bisher keine besonders aktive Rolle eingenommen, um sich für die Einhaltung der Menschenrechte in der Kakaoproduktion einzusetzen.

Das einzige international anerkannte Dokument, das Verbindlichkeiten zwischen den verschiedenen Akteuren stärken soll und auch von der Schweiz unterzeichnet wurde, ist das Internationale Kakao-Übereinkommen (PDF, 571 KB). Es wurde 2010 zum vierten Mal erneuert und ist seit dem 1.1.2012 in Kraft.

Mit dem Regierungsabkommen soll die Zusammenarbeit und der Dialog in der internationalen Kakaowirtschaft langfristig und nachhaltig gestärkt werden. Die Hilfsprogramme, die von der Industrie mitfinanziert werden und den Kakaoanbauenden Unterstützung versprechen, sind zwar in ihren Ansätzen vielversprechend und zeigen im Kleinen bereits Wirkung, sind aber noch viel zu wenig umfassend, um die Lebenssituation der Bauernfamilien langfristig und nachhaltig zu verbessern. Zudem widmen sich die Programme nicht dem Kakaopreis und dem Einkommen der Bauernfamilien: dem eigentlichen Kernproblem.

Mit der Unterzeichnung der Abidjan Cocoa Declaration und der Anerkennung der Global Cocoa Agenda haben sich die Mitglieder der International Cocoa Organization (ICCO), darunter auch die Schweiz, Unternehmen, Interessensverbände und Bauernorganisationen an der ersten Weltkakaokonferenz in Abidjan (Elfenbeinküste) 2012 bereit erklärt, an der Weiterentwicklung des gesamten Sektors mitzuarbeiten. Die Forderungen in der Global Cocoa Agenda an die kakaokonsumierenden Mitgliedstaaten (wie die Schweiz) lauten somit:

  • Aktive Beteiligung in der Erstellung eines Inventars von Initiativen im Kakaosektor  und Koordination dieser Initiativen
  • Förderung und Stärkung von Multistakeholder Foren zu Kakao und aktive Mitgestaltung an den Lösungen der Probleme im Kakaosektor
  • Reduktion von zollfremden Handelshemmnissen für Kakao soweit als möglich
  • Verbesserung von Transparenz und Funktionsfähigkeit des Kakaohandels (mit physischen Kakaobohnen und als Finanzprodukt) durch entsprechende Regulierungen
  • Unterstützung von Regierungen kakaoproduzierender Länder in der Entwicklung und Umsetzung von Nationalen Kakaoentwicklungspläne
  • Sicherstellung von Entwicklungshilfe, um die Nachhaltigkeit der Kakaowirtschaft zu fördern, im Speziellen mit dem Ziel, die Armut der Kleinbauernfamilien zu reduzieren, deren Lebensgrundlage zu verbessern und international anerkannte Entwicklungsziele zu erreichen (u.a. MDGs)