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In der Elfenbeinküste und Ghana arbeiten über 1.5 Millionen Kinder auf den Kakaoplantagen, davon etwa 530 000 Kinder unter Konditionen, die gegen Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu Kinderarbeit verstossen.

Kinderarbeit wird als missbräuchlich bezeichnet, wenn die Kinder psychische und physische Schäden davontragen, ihnen die Kindheit und Würde geraubt und der Zugang zur Schule durch die Arbeit verunmöglicht wird.

Doch nicht jedes Kind, das arbeitet, wird auch ausgebeutet. In vielen Gegenden der Welt hat die Mitarbeit von Kindern eine wichtige Funktion in der Erziehung: Kinder wachsen so in ihre spätere Rolle hinein und übernehmen mit ihren wachsenden Fertigkeiten Stück für Stück Verantwortung.

Das Problem der missbräuchlichen Kinderarbeit auf Kakaoplantagen ist in Westafrika weit verbreitet. Die  US-amerikanische Tulane University hat  über viereinhalb Jahre lang die Bemühungen der Kakao-Industrie im Kampf gegen missbräuchliche Kinderarbeit analysiert. In ihren Berichten gehen die Forschenden der Universität von einer halben Million Kindern aus, die auf ivorischen und ghanaischen Kakaofarmen unter Bedingungen arbeiten, die gegen die ILO-Konventionen zum Schutz der Kinder verstossen.

Die Studie, die von 2006 bis 2011 durchgeführt wurde, zeigt, dass sich über die Hälfte der befragten Kinder bei der Arbeit auf den ivorischen und ghanaischen Kakaoplantagen Verletzungen zuziehen und das Tragen der schweren Lasten für 68% (Ghana) bzw. 80% (Elfenbeinküste) der Befragten eine Belastung darstellt. Ausserdem ergab die Befragung, dass viele Kinder ohne Schutzausrüstung Pestizide versprühen. Praktisch alle benutzen Macheten, um die Kakaoschoten zu ernten, hohe Bäume auszulauben und Büsche abzuholzen.

Als direkte oder indirekte Ursachen missbräuchlicher Kinderarbeit im ivorischen und ghanaischen Kakaosektor können bezeichnet werden:

  • schlechte Einkommenssituation,
  • fehlende Arbeitskräfte auf dem Land,
  • fehlende Regelung des Landbesitzes,
  • postkoloniale Wirtschafts- und Politikstrukturen,
  • ethnische Konflikt,
  • Landknappheit.

Lösungsansätze

Da die harten Arbeitsbedingungen der Kinder praktisch immer mit den harten Lebensbedingungen der Bauernfamilien im Allgemeinen einhergehen, würde  eine Verbesserung der letzteren automatisch zu einem Rückgang der missbräuchlichen Kinderarbeit führen.

Verbote oder die Erstellung von neuen Regeln, die im Kontext des ländlichen Lebens für die Menschen keinen Sinn ergeben, führen selten zu nachhaltigen und positiven Veränderungen. Statt auf die Defizite der Kakaobauerngesellschaft zu fokussieren, ihnen neue soziale Regeln auferlegen zu wollen, muss die Unterstützung der Familien und Gemeinden von deren Bedürfnissen abhängig gemacht werden. Zu diesen Bedürfnissen zählen

  • die Bekämpfung von Krankheiten (z.B. durch Zugang zu Erste-Hilfe-Utensilien),
  • verbesserte Hygienemassnahmen,
  • Zugang zu sauberem Wasser,
  • nachhaltigere Nutzung der Böden,
  • Zugang zu Krediten,
  • Diversifizierung der Haushaltseinkommen,
  • ein verbesserte Infrastruktur,
  • höhere und stabile Kakaopreise.

Das Harkin-Engel-Protokoll

Am 19.9.2001 unterzeichnen der amerikanischen Kongressabgeordneten Eliot Engel, der Senator Tom Harkin, die grössten Vertreter der Schokoladeindustrie und der ivorische Botschafter das Harkin-Engel-Protokoll. Ziel des Abkommens ist es, bis 2005 die schlimmsten Formen von Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen zu beseitigen. Das Ziel der Umsetzung des Harkin-Engel-Protokolls wurde  nicht erreicht und in modifizierter Form auf 2020 verschoben.