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Zertifizierungsorganisationen wollen nachhaltige Handelsgewohnheiten in der Kakao-Lieferkette fördern und die Lebensgrundlage der Bauern und Bäuerinnen in den produzierenden Ländern verbessern.

Die Anzahl Labels, die eine nachhaltige Schokoladeproduktion versprechen, hat sich in den letzten Jahren vergrössert und der Anteil von zertifiziertem Kakao auf dem Kakaomarkt nimmt stetig zu. 2009 wurde er auf 3%, 2010 auf 6% und 2011 auf 11% geschätzt.

Die wichtigsten Zertifizierungsorganisationen weltweit sind Max Havelaar, UTZ Certified, Rainforest Alliance und BIO.

Auch wenn die Strukturierungen der Zertifizierungsprozesse ähnlich sind, unterscheiden sich die Zertifizierungen in ihrem Fokus und ihren Anforderungen. Diese Unterschiede in den Anforderungen haben einen direkten Einfluss auf die Kosten und den Nutzen auf der Ebene der Bauern und Bäuerinnen.

Fairtrade (Max Havelaar)

Das Max-Havelaar-Gütesiegel steht für fair produzierte und gehandelte Produkte, so unter anderem für stabile Mindestpreise,die Bezahlung einer Fairtrade-Prämie, langfristige Handelsbeziehungen und umweltschonenden Anbau (mindestens integrierte Produktion, vermehrt auch in Bio-Qualität).

Ziele

  • Sicherung des Existenzminimums von Kleinbauern und Plantagenarbeiterinnen
  • Verbesserung der Lebenssituation von Kakaobauernfamilien durch Investitionen in eine nachhaltige Zukunftssicherung
  • Bessere Handelsbedingungen und Entscheidungsbefugnis für Produzierende

Bedingungen

Der faire Handel fordert von allen in der Produktionskette beteiligten Akteure die Einhaltung gewisser Bedingungen. Schokoladeproduzenten und -produzentinnen zum Beispiel müssen genau nachweisen können, woher die von ihnen verwendeten Rohstoffe (z.B. Kakaobohnen) kommen und zu welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Die Kakaoproduzenten und -produzentinnen wiederum müssen sich an bestimmte soziale Richtlinien halten, wie beispielsweise faire Arbeitsbedingungen auf der Plantage. Zudem soll der faire Handel möglichst direkt und ohne Zwischenhandel stattfinden.

Für ihren zertifizierten Kakao verlangt die Kooperative eine fixe Sozialprämie von 200 Dollar pro Tonne zusätzlich zum ausgehandelten Preis, der 2000 Dollar pro Tonne nicht unterschreiten darf. Der ausgehandelte Preis wird an die Kooperative gezahlt, die wiederum ihre Mitglieder ausbezahlt. Die Sozialprämie bleibt allerdings in der Kooperative. Die Mitglieder entscheiden gemeinsam, wie die Prämie eingesetzt werden soll. Oft wird die Sozialprämie für Gemeinschaftsprojekte wie Weiterbildungen, Errichtung von Schulen, Bau von Strassen, Ausbau der Gesundheitsversorgung oder Sicherung der Trinkwasserversorgung verwendet.

KakaoeinkäuferInnen haben die Wahl, nach dem Mass Balance System einzukaufen, welches zwar eine finanzielle, nicht aber eine physische Rückverfolgbarkeit des Kakaos sicherstellt.

Kritik

Da die Fairtrade-Richtlinien sehr umfassend sind, ist auch ihre Umsetzung sehr komplex. Das hat beispielswiese zur Folge, dass es immer wieder Bauernfamilien gibt, die zwar Mitglied einer Fairtrade-Kooperative, aber nicht genügend über den Fairtrade-Standard orientiert sind. So kennen sie weder ihre Rechte noch ihre Pflichten und wissen beispielsweise nicht, dass sie bei der Entscheidung, wie die an die Kooperative ausbezahlte Fairtrade-Prämie verwendet werden soll, über ein Mitspracherecht verfügen.

Wer im System des fairen Handels mitmachen möchte, muss sich in einer Kooperative organisieren. Trotz demokratischer Strukturen sind aber auch die Kooperativen nicht gefeit vor Korruption. Zudem sind Kooperativen nicht für alle ethnischen Gesellschaften eine geeignete Organisationsform und funktionieren deshalb nicht so, wie es dem fairen Handel entsprechen würde.

Aus der Sicht der Bauernfamilien sind ausserdem die Zertifizierungskosten zu hoch angesetzt. Sie wünschten sich mehr Unterstützung bei der die Vorbereitung auf die Zertifizierung (Training, Bildung, Begleitung der Kooperative im Zertifizierungsprozess) sowie eine bessere Kooperation mit anderen Zertifizierungsorganisationen.

UTZ Certified

UTZ Certified ist ein Label und Programm für nachhaltigen Anbau von Agrarprodukten. Die Stiftung wurde 2002 gegründet und zertifiziert Kaffee, Tee, Rooibos und Kakao.

Ziele

UTZ hat zum Ziel, die landwirtschaftlichen Praktiken und die Betriebsführung auf den Kakaoplantagen zu professionalisieren. Das Schwergewicht liegt auf der Produktionssteigerung und Verbesserung der Qualität. Das Label UTZ will gute landwirtschaftliche Praxis, angemessene soziale Bedingungen sowie Umweltschutz fördern, um dem Markt Qualitätsprodukte liefern zu können.

Bedingungen

Voraussetzung für die Zertifizierung ist die Einhaltung eines Verhaltenskodex durch die Farmer und Farmerinnen, der soziale Kriterien festlegt und Anforderungen an die Umweltverträglichkeit und effiziente Bewirtschaftung stellt. Die Auditierung erfolgt jährlich über unabhängige Prüfer und Prüferinnen.

UTZ verfügt über ein relativ zuverlässiges Rückverfolgbarkeits-System: Produkte mit dem UTZ Certified-Label sind über ein internet-basiertes System vom Farmer bis zur Herstellerin des fertigen Produktes nachverfolgbar. Allerdings hat mal als KakaoeinkäuferIn auch die Möglichkeit, nach dem Mass Balance System einzukaufen, welches zwar eine finanzielle, nicht aber eine physische Rückverfolgbarkeit des Kakaos sicherstellt.

Kritik

Im Gegensatz zum Fairtrade-Label setzt UTZ Certified keine Mindestverkaufspreise fest, sondern überlässt die Preisbildung dem Markt. Auch die Prämie, die ausbezahlt wird ist nicht fix. Ob die Einhaltung der UTZ-Kriterien finanziell honoriert wird, hängt damit von der Bereitschaft der KakaohändlerInnen ab, einen Aufpreis für zertifizierte Produkte zu bezahlen.

UTZ praktiziert ein Umrechnungsverfahren von Kakaobohnen, Kakaobutter und Kakaopulver, das die Kakaobauernfamilien benachteiligt, indem der Kakaoeinkäufer den Bauernfamilien nur die Hälfte seines Kakaos zu den besseren Konditionen abkauft, jedoch den gesamten Einkauf als zertifiziert weiterverkaufen darf. Beispiel: Eine Kakaobauernfamilie verkauft einem Händler 1000kg Utz-zertifizierten Kakao. Der Händler bezahlt aber nur für 500 Kilo einen Zertifizierungsaufpreis, den Rest kauft er konventionell ein. Aus den 1000 Kilo Bohnen können rund 400 Kilo Kakaobutter und 400 Kilo Kakaopulver gewonnen werden (für die Schokoladeproduktion braucht er aber nur die Butter). Die 400 Kilo Butter dürfen nun laut UTZ als zertifiziert weiterverkauft werden – obschon für die Hälfte der dafür benötigten Bohnen kein Aufpreis bezahlt wurde. Der Grund für dieses für die Bauernfamilien ungünstige Umrechnungsverfahren liegt in der fehlenden Nachfrage nach zertifiziertem Kakaopulver. Dass dieses im Markt angesiedelte Problem die Kakaoanbauenden lösen sollen, indem sie nur für die Hälfte ihrer Bemühungen entschädigt werden, ist nicht gerecht.

Unter dem Strich ist UTZ hauptsächlich ein System für die Qualitätsverbesserung eines Produkts: Der Aufpreis wird für die bessere Qualität gezahlt. UTZ folgt dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, das besagt: mehr Geld für höheren Wert. Hier fehlt der Ansatz für Chancengleichheit. Es besteht die Gefahr, dass Bauernfamilien, die eine durchschnittliche Kakao-Qualität produzieren, vom ausbezahlten Preis nicht leben können.

Rainforest Alliance

Die Rainforest Alliance ist eine internationale Umweltschutzorganisation und gehört dem Sustainable Agriculture Network an. Grosse Unternehmen mit von der Rainforest Alliance zertifizierten Produkten sind Tchibo, Chiquita, Mondelez (ehemals Kraft Foods), Nestlé und Unilever.

Ziele

  • Erhaltung der Biodiversität
  • Schaffen einer nachhaltigen Lebensgrundlage für Bauern und Bäuerinnen

Diese Ziele sollen durch die Implementierung verbesserter Bewirtschaftungssysteme erreicht werden.

Rainforest Alliance verlangt keine fixe Prämie, sondern bezahlt den Kooperativen eine Prämie, deren Wert durch den Markt bestimmt ist. Diese reicht bei Kakao von rund US$ 150 in Ghana bis zu US$ 200 in der Elfenbeinküste. Wie und ob die Prämien verteilt werden, gehört allerdings nicht zum jährlichen Audit-Prozess der unabhängigen PrüferInnen.

Bedingungen

Grundsätzlich müssen über 90% der Inhaltsbestandteile eines Produkts zertifiziert sein, um das Gütesiegel ohne Zusatzkommentar führen zu dürfen .KakaoeinkäuferInnen haben die Wahl, nach dem Mass Balance System einzukaufen, welches zwar eine finanzielle, nicht aber eine physische Rückverfolgbarkeit des Kakaos sicherstellt.

Kritik

Die Rainforest-Alliance-Standards zielen vor allem auf die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und nicht primär auf die Verbesserung der Handelsbedingungen ab. Von der Rainforest Alliance geforderte Verpflichtungen gelten vorwiegend für die Produzenten, nicht aber für die Abnehmerinnen. So fehlen beispielsweise auch Forderungen nach einem Mindestpreis für den Kakao und Vorfinanzierungen.

BIO

Der Anteil des biologischen Kakaos am gesamten Kakaomarkt ist klein und wird auf weniger als ein halbes Prozent der gesamten Produktion geschätzt, die Nachfrage nach biologischen Kakaoprodukten wächst jedoch sehr stark.

Ziele

Bio richtet den Fokus auf eine biologische Landwirtschaft ohne chemische Pestizide, synthetische Dünger und gentechnisch veränderte Organismen. Bio legt Wert auf naturnahe Produktionsverfahren, die an lokale Bedingungen angepasst sind.

Bedingungen

Zertifizierte biologische Kakaoproduzenten und -produzentinnen müssen sich an alle gesetzlichen Anforderungen betreffend biologischer Produktion der importierenden Staaten halten.

Kakaobauern und Kakaobäuerinnen erzielen mit biologischem Kakao einen höheren Preis als mit konventionellen Kakao. Die zum Weltmarktpreis zusätzlich ausbezahlte Prämie für biologischen Kakao variiert zwischen US$ 100 und US$ 300 pro Tonne. Ursprungsländer mit kleineren Volumen können allerdings weit höhere Prämien erzielen. Diese Prämie sollte nebst den Kosten für die Einhaltung der Anforderungen an eine biologische Kakaoproduktion auch die Zertifizierungskosten abdecken.