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Soziale und ökologische Probleme

Die meisten KakaoproduzentInnen haben einen so geringen Anteil am Gewinn der Schokoladeproduktion, dass sie in absoluter Armut leben – das heisst, dass sie pro Person weniger als zwei Dollar pro Tag zur Verfügung haben.

Die Bäuerinnen und Bauern der Elfenbeinküste haben mit einer besonders schwierigen Situation zu kämpfen: Die Lebenssituation der Menschen in der Elfenbeinküste hat sich in den letzten 20 Jahren drastisch verschlechtert – auf dem Index menschlicher Entwicklung (HDI) der UNO rangierte das Land 2012 auf Platz 168 von 195. Die Bürgerkriege und ihre Nachwehen haben den ruralen Markt ausgepresst und vertrocknet zurückgelassen. Landkonflikte schwelen auch nach dem letzten Bürgerkrieg weiter und Korruption ist immer noch weit verbreitet. Gleichzeitig erhebt der Staat hohe Steuern, deren Verblieb unklar ist und die vermutlich nicht immer in den Staatshaushalt fliessen. 

Aber auch die Bauernfamilien in anderen kakaoproduzierenden Ländern (z.B. Ghana, Nigeria oder Kamerun) kämpfen mit grosser Armut. Dies führt dazu, dass die nachwachsende Generation oft keine Zukunft im Kakaoanbau sieht und in die Städte abwandert oder sich einem lukrativeren Landwirtschaftszweig zuwendet.

Tiefes Einkommen

Das Einkommen der Kakaobauern und –bäuerinnen ist nicht nur sehr gering, sondern infolge von Preisschwankungen auch unsicher. So können sie sich keine Angestellten leisten, weshalb oft Kinder für die Arbeit eingesetzt werden.

Der Preisverfall von Kakao, steigende Lebenserhaltungskosten und fehlende Investitionen in die Plantagen führen zu einer konstanten Verschlechterung der Situation der Bauernfamilien. In der Elfenbeinküste, dem weltweit bedeutendsten Kakao produzierenden Land, müsste eine vom Kakaoanbau lebende Familie durchschnittlich vier Mal so viel verdienen, um die Armutsgrenze von zwei Dollar pro Person und Tag zu kommen. In Ghana wären es 2.5 mal soviel.

Ein Kakaopreis, der den Familien ein existenzsicherndes Einkommen garantiert, ist für die meisten noch in weiter Ferne.

Graphik aus dem Flyer: "Die dunkle Seite der Schokolade", Public Eye, 2017

Fehlende Infrastruktur

Die Kakaoanbauenden selbst nennen die unzureichende Infrastruktur als eines ihrer Hauptprobleme. Die hohen auf den Kakaoexport erhobenen Steuern fliessen kaum in die Kakao-Anbauregionen zurück. Die staatliche Infrastruktur weist grosse Mängel auf. Viele Dörfer haben keinen Zugang zu einem sauberen Trinkwassersystem und zu Stromversorgung, sind nicht ganzjährig über Strassen erreichbar und von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten.

Gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen

Die Bepflanzung der Kakaoplantagen, die Ernte und Verarbeitung der Früchte erfolgen in Handarbeit. Die Arbeitsbedingungen auf den Kakaoplantagen sind prekär und bergen Gesundheitsrisiken für die Anbauenden, welche nur selten über eine Krankenversicherung verfügen:

  • Rückenprobleme durch das Tragen der schweren Lasten - die Pflanzerinnen und Bauern tragen die Früchte auf dem Rücken,
  • Atembeschwerden und Hauterkrankungen wegen mangelnder Schutzkleidung gegen Pestizide, denen auch die Kinder ausgesetzt sind,
  • Grosse Verletzungsgefahr beim Öffnen der Kakaofrüchte mit Macheten,
  • Migränebeschwerden aufgrund der häufig sehr langen Arbeitszeiten.

Tiefer Bildungsstand

Eine solide Grundbildung ist Voraussetzung dafür, dass sich die Kakaoanbauenden organisieren und ihre Verhandlungsposition verbessern können. Da jedoch die Bäuerinnen und Bauern häufig weder lesen noch schreiben können, wird die Organisation der untereinander sowie Verhandlungen mit den Abnehmern und Abnehmerinnen deutlich erschwert.

Neben dem Mangel an Schulen sind vor allem die ökonomischen und sozialen Umstände der Kakaobauernfamilien verantwortlich für den tiefen Bildungsstand der Bäuerinnen und Bauern. Damit die Familien überleben können, werden die Kinder als Arbeitskräfte eingesetzt und so rückt wiederum deren Schulbildung in den Hintergrund. Zudem fällt häufig die grosse Kakaoernte mit dem Schuljahranfang zusammen, sodass die Kinder den Schulanfang verpassen.

Umweltprobleme

In der Elfenbeinküste wurde die Anbaufläche für Kakao nach der Unabhängigkeit 1960 massiv erweitert. Der Ausbau der Kakaopflanzungen verschlang immer grössere Flächen und das Land wurde knapp. Hunderttausende Arbeitskräfte aus den Nachbarstaaten kamen ins Land, um auf den Plantagen zu arbeiten oder diese selbst anzulegen und zu bewirtschaften.

Inzwischen sind die Böden in ganz Westafrika derart ausgelaugt, dass unklar ist, ob die derzeitigen Anbauflächen überhaupt noch langfristig nutzbar sind. Dazu kommen die Auswirkungen des Klimawandels, die in Westafrika bereits spürbar sind und sich weiter verschärfen.

Ein weiterer Anlass zur Sorge sind die Programme der Industrie, die Erntemengen zu erhöhen, um der steigenden Kakaonachfrage gerecht werden zu können. Dafür braucht es neue Baumsorten, die schneller wachsen, früher Früchte tragen und höhere Erträge erzielen. Dies ist allerdings für die Bauernfamilien mit Kosten verbunden: Die neuen Sorten müssen stärker gedüngt werden als herkömmliche Bäume und benötigen mehr Pflege. Ausserdem wird befürchtet, dass dadurch die Böden noch schneller ausgelaugt werden.