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Saatgut ist die Basis der Welternährung. In den ländlichen Gebieten des Südens entscheidet der Zugang zu Saatgut über ein Leben in Hunger oder Wohlstand. Die Vielfalt des Saatguts – die Agrobiodiversität – ist seit jeher die Grundlage für die Züchtung neuer Nutzpflanzen.

Diese Vielfalt wurde über Jahrhunderte von Bäuerinnen und Bauern geschaffen, welche durch Selektion neue Sorten entwickelt und diese durch den wiederkehrenden Anbau erhalten und an die lokalen Bedingungen angepasst haben. Doch diese Vielfalt ist in Gefahr. Durch geistige Eigentumsrechte wie Patente und Sortenschutztitel werden der Zugang zu genetischen Ressourcen und deren freie Nutzung für Züchterinnen und Bauern erschwert oder gar verhindert. Das informelle Saatgutsystem bei welchem Bäuerinnen und Bauern Saatgut frei nachbauen, tauschen und weiterentwickeln, wird durch den kommerziellen Saatgutsektor immer mehr verdrängt. Ausserdem lässt sich auch eine zunehmende Marktkonzentration im kommerziellen Saatgutsektor feststellen: heute kontrollieren drei Firmen rund 50% des proprietären Marktes mit Saatgut. 

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken setzt sich Public Eye dafür ein, dass der freie Zugang zu Saatgut erhalten bleibt und dass bei der Definition von geistigen Eigentumsrechten auf Saatgut die Menschrechte höher gewichtet werden als kommerzielle Interessen.

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Geistige Eigentumsrechte müssen so gestaltet sein, dass ethische Prinzipien berücksichtigt, die Rechte der Bäuerinnen und Bauern respektiert, eine technologische und landwirtschaftliche Entwicklung benachteiligter Länder unterstützt, die Umsetzung der Biodiversitätskonvention ermöglicht und die Forschung und Züchtung neuer Sorten nicht mit Patenten behindert werden. Auf internationaler Ebene muss auch der Saatgutvertrag der FAO dafür sorgen, dass der Zugang zur Agrobiodiversität erhalten bleibt, die Rechte der Bäuerinnen und Bauern respektiert werden und ein gerechter Vorteilsausgleich praktiziert wird.