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Marktkonzentration auf dem Saatgutmarkt

Der weltweite kommerzielle Saatgutmarkt hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte extrem konzentriert, sodass heute eine Handvoll von Unternehmen die globale Produktion beherrscht.

In Europa besitzen fünf Firmen (Monsanto, Dupont, Syngenta, BASF und Bayer) die Hälfte der Patente auf Pflanzen. Dieses Oligopol ist das Resultat von unzähligen Übernahmen und Fusionen. Der Marktanteil der drei grössten Saatgutproduzenten betrug 2011 beispielsweise bei Zuckerrüben 90%, bei Mais 57% und bei Sojabohnen 55%.

Der kommerzielle Saatgutmarkt wächst rasant weiter: Einerseits aufgrund der Zunahme von Hybridsaatgut, bei welchem es sich für die Bauern nicht lohnt, Saatgut aus der Ernte für die nächste Aussaat zurückzubehalten. Andererseits wegen der geistigen Eigentumsrechte auf Saatgut, welche den Nachbau und den Saatguttausch zwischen den Bauern verbieten. Während in Tansania noch immer 90% des Saatgutes von den Bauern selbst hergestellt werden, sind es in der Schweiz beispielsweise bei Weizen nur noch 5-10%.

Beängstigend ist auch die Tatsache, dass die drei bedeutendsten Unternehmen in der Saatgutbranche alle auch auf dem Pestizidmarkt eine führende Rolle spielen - wenn Pestizidproduzenten Saatgut entwickeln, haben sie auch ein Interesse daran, dass zum Anbau ihres Saatguts Pestizide verwendet werden müssen.

Marktführer Monsanto stieg bereits nach dem zweiten Weltkrieg in die Pestizidproduktion ein. Sein 1976 lanciertes Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat avancierte zum weltweit meistverkauften Herbizid und wurde schnell zur wichtigsten Einnahmequelle der Firma. Mit der Saatgutproduktion begann Monsanto in den 80er-Jahren und entwickelte Gentech-Soja, welches gegen das konzerneigene Herbizid Roundup Ready (Glyphosat) resistent ist. Heute beherrscht Monsanto 90% des Marktes für Gentech-Saatgut. Unzählige Übernahmen machten Monsanto innert weniger Jahre zum grössten Saatguthersteller weltweit. Mit der Übernahme des weltgrössten Gemüsesaatgut-Produzenten Seminis für 1.4 Milliarden USD im Jahr 2005 wurde Monsanto auf einen Schlag auch bei Gemüsesaatgut Marktführer.

Public Eye gab zusammen mit zehn weiteren Nichtregierungsorganisationen eine Studie (PDF, 1.8 MB) in Auftrag, die im Juni 2012 veröffentlicht wurde und zeigt, dass Monsanto zusammen mit dem Schweizer Agroriesen Syngenta bei gewissen Gemüsearten über die Hälfte der in Europa geschützten Sorten besitzt: 56 % bei Peperoni, 62% bei Tomaten und gar 71% bei Blumenkohl. Daten darüber, welche Sorten Gemüse in der Schweiz effektiv angepflanzt und verkauft werden, existieren nicht. Ohne Transparenz über die Sorten und deren Herkunft können Händler und Konsumentinnen keinen informierten Kaufentscheid treffen. Auch eine wirksame Kontrolle des Saatgutmarktes durch die Wettbewerbskommission ist ohne diese Zahlen nicht möglich.

Durch die Konzentration im Saatgutbereich entstehen laut Weltlandwirtschaftsrat (IAASTD) folgende Probleme:

  • Die Konzentration auf wenige Anbieter führt zu einer Konzentration der Forschung und Entwicklung auf wenige Saatgutsorten.
  • Die Konzentration erschwert neuen Firmen den Eintritt in den Markt.
  • Die wettbewerbshemmende Wirkung kann zu einer massiven Zunahme der Saatgutpreise führen. So sind beispielsweise die Preise für Baumwollsaatgut seit der Einführung von gentechnisch veränderter Baumwolle in den USA um das drei- bis vierfache angestiegen und auch in den Entwicklungsländern ist es zu einer substanziellen Preiserhöhung gekommen.