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Recherchen «Klinische Versuche»

Zu den beliebtesten Ländern für klinische Versuche gehören Russland, die Ukraine, Argentinien und Indien. Public Eye führte 2012 und 2013 in diesen Ländern Recherchen durch. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass multinationale Pharma-Firmen – schweizerische und ausländische – sich die jeweiligen Systemschwächen zunutze machen, um Medikamententests zu beschleunigen und Profite zu erhöhen – unter Missachtung von ethischen Standards und Menschenrechten. 2016 ist eine Recherche über Ägypten dazu gekommen.

Schweizerische Pharma-Unternehmen wurden bereits wegen unethischen klinischen Versuchen angeprangert. So warf Public Eye beispielsweise 2010 der Firma Roche grobe Verstösse bei der Durchführung von Tests zu ihrem Transplantationsmedikament CellCept vor. Die Versuche wurden in China durchgeführt, einem Land, in dem nahezu 90% der transplantierten Organe von zu Tode verurteilten Gefangenen stammen. Roche wurden aufgrund dieser skandalösen Versuche zwei «Public Eye Awards» Schmähpreise verliehen.

Schweizerische Pharmaunternehmen füllten auch 2013 die Zeitungen, als belegt wurde, dass in der ehemaligen DDR zwischen 1970 und 1980 viele Firmen, unter anderem auch Roche, Ciba-Geigy und Sandoz (Vorläufer der heutigen Novartis) unethische klinische Versuche durchgeführt hatten. Mehrere Tausend Personen wurden Opfer unethischer klinischer Versuche, die bis zum Fall der Mauer angedauert haben – wonach die Pharmaunternehmen ihre Versuche einfach in andere Länder verlagerten.

Aktuelle Recherchen

Zwischen Juli 2012 und Juni 2013 hat Public Eye Recherchen in Russland, der Ukraine, Argentinien und Indien durchgeführt. Diese vier Länder gehören für die schweizerischen Unternehmen Roche und Novartis zu den bevorzugten Standorten für klinische Versuche. Angesichts der herrschenden Intransparenz bei der Durchführung von Medikamententests gestalteten sich die Recherchen als schwierig. Veröffentlicht wird kaum etwas; die Forschungsteams unterstehen der Schweigepflicht und befürchten, rechtlich belangt zu werden, wenn sie doch reden würden. Testpersonen zu identifizieren oder sich ihnen zu nähern, ist ebenfalls sehr schwierig. Nach Gesprächen mit Schlüsselfiguren, dem Studium vertraulicher Dokumente und unzähliger Faktenchecks ergab sich, dass in jedem dieser vier Länder schwerwiegende ethische Verstösse begangen wurden.

Im Juni 2016 ist eine Recherche über Ägypten dazu gekommen. 2016, fünf Jahre nach dem arabischen Frühling ist die politische Situation in Ägypten noch immer instabil und die Menschenrechtslage prekär. Trotzdem nutzen vor allem Schweizer Pharmafirmen das Land häufig für ihre Medikamententests – und schlagen aus der Not der Bevölkerung Profit, wie es die Recherche zeigt.