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Im Rahmen ihrer neuen Gesundheitsaussenpolitik (GAP) will die Schweiz einerseits die Einhaltung der Menschenrechte garantieren und andererseits die Interessen von Schweizer Akteuren, beispielsweise der Pharmaindustrie, wahren. Mit ihrer Patentierungspolitik behindert letztere jedoch den Zugang der Länder des Südens zu erschwinglichen lebenswichtigen Medikamenten.

Die im März 2012 verabschiedete Schweizerische Gesundheitsaussenpolitik strebt zwanzig Ziele an, die grösstenteils die Länder des Südens betreffen. Sie wurde laut ihren Urhebern erarbeitet, um aktuelle Herausforderungen im Gesundheitswesen anzugehen. Die Weichen dazu stellte eine Übereinkunft mit ähnlichen Zielen, die 2006 zwischen dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und dem Eidgenössischen Departement des Innern geschlossen wurde. Zum ersten Mal bemühten sich die Bundesbehörden, die verschiedenen Akteure aus der Zivilgesellschaft, der Forschung und dem Privatsektor anzuhören, bevor sie die neue Politik verabschiedeten. In diesem Rahmen konnte Public Eye ihre Kritik anbringen, insbesondere im Zusammenhang mit der wichtigen Frage des Primats der Menschenrechte gegenüber der Profitlogik. Leider umsonst, denn die Schlussversion erwähnt zwar die geäusserten Anliegen der verschiedenen Akteure, die Erwähnung ist jedoch vor allem kosmetischer Natur.

Das Phänomen der „grossen Diskrepanz“ seitens der Schweiz ist nicht neu. Sei es im Rahmen von Verhandlungen zu bilateralen Freihandelsabkommen oder anlässlich von Stellungnahmen bei internationalen Organisationen – die Schweiz tut sich schwer damit, sich von ihrer ambivalenten Haltung zu lösen. Tatsächlich sind klare Stellungnahmen selten, wenn es darum geht, dem auf Patenten gründenden Geschäftsmodell der Pharmafirmen etwas entgegenzusetzen. Die Schweiz lässt politischen Mut vermissen – sie schliesst sich häufig einfach der Position der EU oder der Vereinigten Staaten an, die ebenfalls die Interessen ihrer Arzneimittelindustrie verteidigen.

Obwohl die Schweiz lange Zeit eine erbitterte Gegnerin von Patenten auf pharmazeutischen Produkten war, verteidigt sie diese heute vehement. Somit spricht die Schweiz Schwellenländern wie Indien das Recht ab, dasselbe Rezept anzuwenden, dank dem die Basler Chemie heute blüht. Anfang des letzten Jahrhunderts wurde diese nämlich gross, indem sie in Nachbarländern hergestellte Medikamente nachahmte oder kopierte – das heisst, mit Generika. Die Gewährung von Patenten auf pharmazeutischen Produkten wurde in der Schweiz erst ab den 70er-Jahren eingeführt.