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Die Schweizer Pharmamultis und ihr Geschäftsmodell

Der Patentschutz bietet den Pharmamultis eine profitable Lage: Für die Dauer des Patentes besteht auf dem Markt keine direkte Konkurrenz, und den Preis für neue Medikamente können sie selbst festlegen - ohne die tatsächlichen Kosten für Forschung und Entwicklung (F&E) offenlegen zu müssen. So können die Pharmamultis saftige Nettogewinne einstreichen – zum Nachteil der Menschen, die von den Medikamenten abhängig sind.

Patente sind eine Ausnahme der freien Marktwirtschaft, denn ihre Inhaberinnen und Inhaber profitieren von einer Monopolstellung, die es ihnen erlaubt, ihre Produkte zu den höchstmöglichen Preisen abzusetzen (Pricing power), wenn sie im Gegenzug ihre Erfindung veröffentlichen. Die durch ein Patent verliehene Macht ist sehr gross, was zu Missbrauch, unerschwinglichen Preisen oder Fortschrittshemmnissen führen kann.

Intransparente Kosten für Forschung und Entwicklung (F&E)

Gewisse Pharmakonzerne rechtfertigen die teuren Preise ihrer Medikamente unbeirrt mit den angeblich hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) und zitieren immer wieder den abwegigen und übertriebenen Betrag von 2,6 Milliarden Franken, der die Entwicklung eines neuen Wirkstoffs angeblich (im Durchschnitt) koste. Eine im November 2017 veröffentlichte Studie aus den USA hingegen schätzt diese Kosten für die Entwicklung eines neuen Antikrebs-Wirkstoffs auf ungefähr 650 Millionen Franken. Nebenbei weist sie darauf hin, dass die Investitionen in F&E nicht nur schnell zurückgewonnen, sondern innerhalb weniger Jahre bereits rasch um das Zehnfache wieder eingespielt werden – ein Return on Investment, der in praktisch keinem anderen Wirtschaftssektor zu finden ist. Die Preise stehen also in keinem Verhältnis zu den (angeblichen oder realen) Investitionen in Forschung und Entwicklung – die Pharmakonzerne versuchen einzig, möglichst viel Profit zu machen.

Profit- vs. bedarfsorientiertes Innovationssystem

Das weltweite Patentsystem steht immer wieder in der Kritik, weil es sich eher nach dem Profit als nach den Gesundheitsbedürfnissen richtet. Auch Forschung und Entwicklung (F+E) sind profitgesteuert. Besonders problematisch ist dies in Bereichen des öffentlichen Interesses wie beispielsweise der Gesundheit, denn die Abhängigkeit von Marktanreizen führt zu Lücken in gewissen Forschungsbereichen (z.B. bei vernachlässigten Tropenkrankheiten oder Antibiotika) und verursacht hohe Kosten, die den Zugang behindern.

Dieser marktorientierte Ansatz in F+E hat zur Folge, dass der Innovationsfokus auf Krankheiten liegt, die vorwiegend wohlhabende Patientinnen und Patienten betreffen. Für Krankheiten mit geringem wirtschaftlichem Potenzial hingegen gibt es wenig F&E – weil die Betroffenen zu wenige oder zu arm sind. Kommt es dennoch zu einem Durchbruch, sind die Arzneimittel oft zu teuer und deshalb für die meisten Patientinnen und Patienten unerschwinglich.

Evergreening - Profitmaximierung auf Kosten der Kranken

Mit einem Nettogewinn von häufig über 20 Prozent ist die Pharmaindustrie eine der lukrativsten Branchen. Um Profite zu sichern und Marktanteile zu gewinnen, scheuen die Pharmafirmen nicht davor zurück, ein und dieselbe Substanz mit mehreren Patenten zu belegen, um so den Patentschutz zu verlängern und die mit Generika handelnde Konkurrenz zu hemmen. Diese Vorgehensweise nennt sich „Evergreening“ und ist integraler Bestandteil des Geschäftsmodells der Branche. Diese Praxis bremst nicht nur Entdeckungen im pharmazeutischen Bereich, sondern bedroht auch den Zugang der Bevölkerung armer Länder zu lebenswichtigen Medikamenten, da sie die Einführung von Generika und damit Preissenkungen verzögert.

Pricing Power der Pharmaindustrie

Für die Explosion der Medikamentenpreise gibt es mehrere Gründe, doch aus unabhängigen wissenschaftlichen Analysen geht vor allem einer hervor: die Preissetzungsmacht (Pricing power) der Pharmaindustrie. In Europa ist die Preiskontrolle national geregelt, weshalb jedes Land einzeln mit den Pharmakonzernen über die Preise neuer Medikamente verhandelt. Bei diesen intransparenten Verhandlungen sitzt klar die Pharmaindustrie am längeren Hebel: Einerseits dient der für den amerikanischen Markt festgelegte – in der Regel sehr hohe – Preis als Grundlage. Veröffentlicht werden schliesslich nur die Höchstpreise („Schaufensterpreise“), fiktive Grössen, die im internationalen Preisvergleich als Referenzpreise dienen, jedoch keinesfalls dem entsprechen, was Spitäler oder Apotheken tatsächlich bezahlen.

Andererseits drohen die Konzerne notfalls auch damit, das Produkt vom Markt zu nehmen, wenn die Behörden einen zu tiefen Preis fordern oder auch damit, den Rechtsweg einzuschlagen.

Auch wenn die europäischen Länder neuerdings versuchen, sich zusammenschliessen, um gemeinsam angemessenere Preise auszuhandeln („BeNeLuxA“-Initiative sowie die „Valetta Declaration“), kommen diese im Rahmen des gegenwärtigen Preissetzungssystems nicht gegen die Pricing Power der Pharmaindustrie an.