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Die Schweizer Pharmamultis und die Schwellenländer

Für die Pharmamultis, deren traditionelle Märkte gesättigt sind, stellen Schwellenländer wie Indien, China, Brasilien, Russland und Südafrika (BRICS-Staaten) oder auch Mexiko, Südkorea und die Türkei interessante Märkte dar, die Profit versprechen.

Gemäss den Prognosen von Fachinstituten werden der indische und der chinesische Pharmamarkt innerhalb von 10 Jahren um das Dreifache wachsen. Der chinesische Pharmamarkt, 2005 erst auf Platz neun, wird bis 2015 auf Platz drei klettern und etwa 40 Milliarden Dollar erreichen, womit er noch hinter den Vereinigten Staaten, aber vor Frankreich und Deutschland liegen wird. Auch Indien, Brasilien und Mexiko dürften dann unter den zehn wichtigsten Medikamentenmärkten der Welt anzutreffen sein und je einen Markt von fast 20 Milliarden Dollar repräsentieren.

Diese „pharmerging markets“ stellen bereits heute fast die Hälfte der Weltbevölkerung dar. Angesichts solcher Aussichten stehen diese Märkte bei den Pharmamultis hoch im Kurs. Mit verschiedenen Strategien (Fusionen oder Allianzen mit ansässigen Unternehmen, Verschärfungen der Gesetze zum geistigen Eigentum, bilateralen Freihandelsabkommen, Gerichtsprozessen usw.) versuchen sie, Marktanteile zu erobern.

Die BRICS-Staaten verteidigen ihre Interessen

Die Schwellenländer bieten nicht nur vielversprechende Marktaussichten, sie bilden auch zunehmend ein politisches Gegengewicht zur Hegemonie des Nordens. Ob auf G20- oder WHO-Ebene, wo sie immer häufiger die Rolle des Vermittlers zwischen Industrie- und Entwicklungsländern spielen, oder auf bilateraler Ebene: Die BRICS-Staaten wollen mitreden und ihre eigenen Interessen, manchmal auch die von Entwicklungsländern, verteidigen.

Was den Pharmabereich betrifft, ist Indien ein gutes Beispiel für dieses neue Kräfteverhältnis. Da das Land über eine starke Generikaindustrie verfügt, hat es rechtliche Schutzmassnahmen getroffen, um gegen die Flut von Patenten anzukämpfen, welche die Herstellung von Generika verzögern oder verhindern. Wie die Bezeichnung „Apotheke der Entwicklungsländer“ zeigt, ist Indien ausserdem von grosser Bedeutung für die Länder des Südens, die auf erschwingliche Medikamente angewiesen sind.

Indien erteilt Schweizer Pharmamultis Abfuhr

Die Schweizer Pharmamultis – allen voran Roche und Novartis – mussten in der jüngsten Vergangenheit in Schwellenländern mehrere Niederlagen einstecken. Im April 2013 wurde Novartis definitiv ein Patent in Indien für ihr Krebsmedikament Glivec verweigert, dies nach einem zähen, sieben Jahre dauernden Prozess. Auch Roche ist in mehrere Rechtsstreitigkeiten verwickelt, beispielsweise im Zusammenhang mit Patenten für Tarceva (Lungenkrebs), Pegasys (Hepatitis C) und Herceptin (Brustkrebs).