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Laut der UNO haben weltweit über 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu essentiellen Medikamenten. Die Behandlung von Krankheiten wird immer mehr zum Privileg für Reiche statt einem Recht für alle. Würde der Zugang verbessert, könnten jährlich 10 Millionen Menschenleben gerettet werden, 4 Millionen davon in Afrika und Südostasien.

Während Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern früher vor allem unter Infektionskrankheiten wie AIDS, Malaria oder Tuberkulose litten, führen heute aufgrund des fehlenden Zugangs zu Medikamenten auch nicht übertragbare Krankheiten wie Krebs oder Diabetes deutlich häufiger zum Tod als in reichen Ländern.

Der Zugang zu Medikamenten in den Ländern des Südens hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sich in zwei Kategorien einteilen lassen:

  • Staatliche Gesundheitssysteme und Arzneimittelpolitik im Zusammenhang mit der Beschaffung, Lagerung und Verteilung von Arzneimitteln, der Ausbildung des Gesundheitspersonals und der Information der Bevölkerung
  • Forschung, Entwicklung und Herstellung von Medikamenten sowie – ein zentraler Faktor – Medikamentenpreise

Im Rahmen ihrer Arbeit zum Thema Gesundheit konzentriert sich Public Eye auf die zweite Kategorie, welche auch den Arzneimittelmarkt und die Politik der Schweizer Akteure in diesem Bereich umfasst.

Der Kampf für Zugang zu Medikamenten am Beispiel AIDS

Der ungleiche Zugang der Länder des Südens zu Medikamenten wurde mit der AIDS-Problematik und der Gründung der WTO vor mehr als 20 Jahren offenkundig. Um die Krankheit einzudämmen, waren Länder wie Südafrika gezwungen, Notmassnahmen zu ergreifen. Diese wurden aber mit Klagen oder politischem Druck multinationaler Arzneimittelhersteller konfrontiert, welche einen Rückgang ihrer Gewinne befürchteten.

Dass die Unternehmen ihren Profit um jeden Preis maximieren wollten, rief in der Öffentlichkeit Empörung hervor und brachte eine politische Diskussion über den Zugang zu Medikamenten ins Rollen. Zentral war dabei vor allem die Frage des Preises antiretroviraler Medikamente. Die Mehrheit der AIDS-Patienten und -Patientinnen lebt in Ländern des Südens und hatte aufgrund horrender Preise, die durch Patente zustande kommen, während langer Zeit keinen Zugang zu diesen neuen Behandlungen.

Doch dank Generikaherstellern – vor allem indischen – ist der Preis für eine individuelle Behandlung seit 2000 von über 10‘000 Dollar auf weniger als 100 Dollar pro Jahr gesunken. Durch diesen drastischen Preisrückgang ist es heute möglich, weltweit deutlich mehr Menschen mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln (von 2 Millionen in 2005 zu über 20 Millionen in 2017). Trotzdem bleibt noch viel zu tun, bis alle 36 Millionen Menschen, die laut der UNO 2016 weltweit mit HIV lebten (UNAIDS 2016), behandelt werden können.

Patente als Preistreiber

Patente verleihen ihren Inhabern für zwanzig Jahre das alleinige Recht zur Herstellung und Vermarktung des Produkts. Aufgrund dieses temporären Monopols können Pharmaunternehmen die Preise von Medikamenten bestimmen. In armen Ländern sind die Gesundheitsbudgets beschränkt und oft ist kein Krankenkassensystem vorhanden. So müssen die Patienten und Patientinnen die Medikamente aus eigener Tasche bezahlen. Ist der Preis eines Medikaments hoch, ist dieses für den Grossteil der Erkrankten deshalb schlichtweg nicht zugänglich.

Die Pharmaunternehmen rechtfertigen die hohen Preise patentierter Medikamente damit, die Kosten für Forschung und Entwicklung (F&E) amortisieren zu müssen. Ihre Preispolitik ist jedoch intransparent und veröffentlichte Schätzungen zu den durchschnittlichen Entwicklungskosten eines Medikaments sind sehr umstritten.

Auch wenn die Preise von einem Land zum anderen stark variieren, so gilt der für den amerikanischen Markt festgelegte (nicht kontrollierte) Preis als Referenz. Da während der Gültigkeit des Patents keinerlei Konkurrenz existiert, setzen die Pharmamultis damit „Gesamtpreise“ für die ganze Welt fest. Dieses Geschäftsmodell baut auf rentablen Vorzeigeprodukten auf, die bei den Investoren hoch im Kurs stehen. Mit solchen Flaggschiffprodukten wird jährlich ein Umsatz von über einer Milliarde Dollar erwirtschaftet.