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Aufgrund strategischer und finanzieller Überlegungen führen Unternehmen klinische Versuche zunehmend in Entwicklungs- und vor allem in Schwellenländern durch. Dies gilt für alle grossen Unternehmen, auch für schweizerische wie Roche, Novartis und Actelion. Diese «Globalisierung der klinischen Versuche» findet in einem intransparenten Umfeld statt, und geht mit schwerwiegenden ethischen Verstössen einher, wie unsere Recherchen zeigen.

Eine Verlagerung klinischer Versuche in Regionen, in denen der Zugang zur Gesundheitsversorgung nicht gewährleistet und die Regulierung weniger streng ist, führt zu ernsthaften Verletzungen ethischer Standards. Der Bereich der klinischen Versuche ist zudem sehr intransparent: Die Hälfte der klinischen Versuche wird nie publik gemacht; negative Ergebnisse werden verfälscht oder beschönigt. Dieses Fehlen von Transparenz, gefährdet nicht nur die Menschen, die an den Versuchen teilnehmen. Es ist auch nachteilig für die öffentliche Gesundheit in Absatzländern.

  • Aktuell nehmen weltweit mehrere Millionen Menschen an Zehntausenden von klinischen Versuchen teil.
  • Die Pharma-Industrie gibt jährlich 80 bis 90 Milliarden Dollar für klinische Versuche aus, d.h. etwa 60 bis 70% ihrer Forschungs- und Entwicklungsbudgets. 2012 beliefen sich diese Kosten für Roche und Novartis auf 7 bzw. 5.5 Milliarden Dollar.
  • Im April 2013 verzeichneten Roche und Novartis je beinahe 1'000 aktive klinische Versuche.
  • Um Zugang zu neuen Märkten zu erhalten und Kosten niedrig zu halten, haben die Unternehmen ihre klinischen Versuche in Entwicklungs- und Schwellenländer verlagert. In der Hälfte dieser Fälle wird die Durchführung dieser Versuche an Subunternehmen vergeben.
  • Zwischen 1991 und 2005 stieg der Anteil der in Schwellenländern durchgeführten klinischen Versuche von 10% auf 40% an. Er erhöhte sich zwischen 2006 und 2010 weiter, wohingegen der Anteil der in Westeuropa und in den Vereinigten Staaten durchgeführten Tests von 55% auf 38% abnahm.
  • Aufgrund der von der Swissmedic publizierten Daten ist es unmöglich zu wissen, welche klinischen Versuche zur Zulassung eines Medikaments in der Schweiz geführt haben.

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