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Labels und Standards

Ein Label, das umfassend eine sozial- und umweltverträgliche Produktion von Kleidung garantiert, gibt es bisher nicht.

Im Sozialbereich mit Garantien zu arbeiten, ist anspruchsvoll, denn durch kurze, punktuelle Kontrollen (sog. Audits) lässt sich die Arbeitsrealität der NäherInnen kaum korrekt abbilden. Viel wichtiger ist es, dass die Unternehmen langfristig und umfassend ihre Geschäftspolitik anpassen und dass eng mit lokalen Gewerkschaften, NGOs und Firmen auf mehr Nachhaltigkeit hingearbeitet wird.

Labels können dennoch eine Orientierungshilfe sein. Jedes Label deckt jedoch nur einzelne Produktionsaspekte ab; zudem gibt es grosse Unterschiede in Ausgestaltung und Glaubwürdigkeit. Wichtig  bei der Orientierung mit Hilfe von Labels ist also, sich stets klar zu machen, welche Aspekte (und welche nicht) ein Label abdeckt, aber auch ihre Prüfmechanismen kritisch zu hinterfragen. Der Label Guide von Public Eye (PDF, 5.3 MB) zeigt auf, wie unterschiedlich Labels aufgebaut sind, wo sie ansetzen, welche Aspekte sie abdecken und wie diese Aspekte überprüft werden. Den Label Guide gibt es übrigens auch als handliches Leporello. Hier können Sie ihn kostenlos anfordern.

Public Eye (2016)

 

Folgende Label-Typen können unterschieden werden:

Produkte-Labels

  • Labels, die von unabhängigen Stellen geprüft werden, u.a.: GOTS (Bio-Baumwolle), Max Havelaar (Fair Trade–Baumwolle), Öko-Tex 100 (Schadstofffreiheit) etc.
  • Firmeneigene Label, u.a.: Migros Eco, Conscious Collection von H&M etc.

Auf der Ebene der Produktelabels sind unabhängig überprüfte Labels aus Sicht der Clean Clothes Campaign glaubwürdiger als firmeneigene Labels. Produkte-Labels decken meist nur einzelne Aspekte ab, z.B. Umweltaspekte wie CO2- oder Wasserverbrauch, Aspekte des verwendeten Rohstoffs, also z.B. biologisch angebaute, fair gehandelte Baumwolle oder Recyclingmaterialien, Gesundheitsaspekte, z.B. Informationen zu allergenen Stoffen im Produkt.


Mitgliedschaften in Standard-Initiativen

  • Multi-Stakeholder-Initiativen: Fair Labor Association, Fair Wear Foundation, Ethical Trading Initiative
  • Business-Initiativen: BSCI, GSCP

Echte Nachhaltigkeit in der Textil- und Bekleidungsindustrie gibt es nur, wenn Unternehmen sich bezogen auf ihr Sortiment umfassend engagieren. Es nutzt wenig, wenn ein Unternehmen kleine Teilsortimente mit höheren Sozial- und Umweltstandards anbietet, den Hauptteil der Kollektion aber konventionell laufen lässt.

Aus Sicht der CCC sind Mitgliedschaften in Multi-Stakeholder-Initiativen (MSI), bei der Gewerkschaften, NGO und Business zusammenarbeiten, glaubwürdiger als Mitgliedschaften in reinen Business-Initiativen. Zwar sind auch Mitgliedfirmen solcher MSI-Initiativen nicht vor Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten gefeit. Gegenüber Nichtmitgliedern haben an Firmen-Mitglieder von MSI in der Regel die besseren Instrumente, um Probleme aufzudecken und mit geeigneten Massnahmen zu bearbeiten. Im Textilbereich arbeitet heute aus Sicht der CCC die Fair Wear Foundation am umfassendsten.

Zertifikate
Für Fragen der sozialen Unternehmensverantwortung relevant ist das SA8000-Zertifikat. Obwohl der SA8000-Standard Arbeitsplatz-Fragen Vieles umfasst, stellen sich folgende Probleme:

  • Die meisten Markenfirmen arbeiten mit einer Vielzahl an Fabriken zusammen. Nur wenige davon haben in der Regel ein SA8000-Zertifikat, Unterlieferanten sind meist ganz ausgenommen.
  • Das SA8000-Zertifikat bezieht sich auf den Fabrik-Standort. Die Verantwortung (und die Kosten) für die Einhaltung der Sozialvorgaben werden dadurch vollumfänglich an die liefernde Fabrik übertragen.
  • Die Einkaufspraxis der Markenfirmen, bspw. in Bezug auf Preisstruktur oder Lieferfristen, kann sich negativ auf Löhne und Arbeitszeiten auswirken. Schlechte Arbeitsbedingungen sind grundlegende Probleme und hängen eng mit dem Verhalten der Markenfirmen zusammen – ein SA8000-Zertifikat löst die dahinterliegenden Probleme daher nicht.
  • Zertifikate laufen Gefahr, falsche Garantien zu geben. Erst im September 2012 kam es in Pakistan zu einem verheerenden Fabrikbrand mit rund 300 Toten. Die Fabrik hatte ein SA8000-Zertifikat, mit dem die Einhaltung von internationalen Sicherheitsstandards in der Fabrik bestätigt wurden.

SA8000-Zertifikate bei Zulieferern von Markenfirmen können daher nur ein Anfang und nicht das Ende der Arbeit sein.